Spieltag #20

30. Januar 2010

Ein kurzer Blick in der Halbzeit auf die Zwischenstände und dann abends die Sportschau – so sieht im Moment meine Fußballinformation am Wochenende aus. Normalerweise genieße ich den Sportteil der FAS sehr, aber aus Zeitgründen landet die momentan auf «dem Stapel», der wohl erst in zwei Wochen abgearbeitet werden wird.

Dennoch, die Artikel-Flaute hier soll ein Ende haben und wenn ich schon nicht dazu komme, an meinem neuen Studien- und Wohnort Spiele aus der Premier League im Irish Pub des Vertrauens zu genießen, dann soll wenigstens diese kleine samstägliche Randbemerkung nicht verschwinden.
Nun denn:

  • Ich habe erst im «Exil» so etwas wie Lokalpatriotismus entwickelt und begonnen, mit dem 1. FC Nürnberg mitzufiebern. Die Leistung heute war – soweit ich das beurteilen kann – in vollem Umfang erstligareif, was schon einmal ein gutes Zeichen ist. Ein überzeugender Sieg gegen Hannover, jetzt nur noch einen Punkt Abstand auf den Relegationsplatz oder zwei auf den ersten sicheren Nichtabstiegsplatz (dort steht allerdings Freiburg, die erst morgen spielen; verlieren die Breisgauer nicht gegen Bayer 04 Leverkusen, dann vergrößert sich dieser Abstand wieder).
  • Vor allem das 0:2 der Nürnberger war hervorragend herausgespielt, auch wenn Hannovers Abwehr den Torschützen Albert Bunjaku komplett ungedeckt ließ und sich vielmehr auf den weiter vorne postierten Mintal (?) konzentrierte. Grandioser Spielzug von Dennis Diekmeier, der erst eine Lücke in der Defensive nutzt, dann auf einmal an der Grundlinie steht und die Zeit und die Übersicht hat, um seinen Mitspieler Bunjaku zu entdecken und anzuspielen. So sieht Erstligafußball aus!
  • Interessanterweise unterlief den Franken beim 1:2 für Hannover der exakt gleiche Abwehrfehler: Einfach mal einen Spieler vergessen. Darf nicht passieren, vor allem nicht im Strafraum. Und gefährlichere Gegner, die einen echten Stürmer auf dem Platz haben (Gruß an Mike «ich schieße aufs Tor sobald ich den Ball habe, aber ich treffe eigentlich nie» Hanke – Mirko Slomka erklärte ja im Interview nach dem Spiel, dass er gerne noch einen Angreifer verpflichten würde), gefährlichere Gegner also nutzen solche Fehler weitaus öfter und effektiver.
  • Bei all dem Jubel über Robben, Schweinsteiger und van Bommel frage ich mich: Wo ist eigentlich Hamit Altintop? (Genauer gesagt fragte ich es mich erstmals, als Halil Altintop zum ersten Mal für Eintracht Frankfurt auflief.) Ich hatte (Hamit) Altintop als guten Spieler in Erinnerung: Engagiert, läuferisch stark, gut in den Zweikämpfen, stets mitdenkend. Fast so ein kleines bisschen wie Ivica Olic. Ich hatte schon befürchtet, Altintop wäre verkauft worden und hatte kurz die erste türkische Liga im Verdacht, aber wie sich gerade eben herausstellte, war die Vermutung unbegründet und Altintop weiter an der «Säbener Straße» angestellt. Der Vertrag läuft im Sommer aus. Und dann? Weiter Bundesliga? (Ich geb’s ja zu, ich bin ein kleiner Altintop-Fan.)

Bemerkenswert

23. Januar 2010
  • … wie viele Fußball-Blogger Torsten Frings’ Nicht-Nominierung zur WM 2010 kritisieren und seine guten Leistungen loben. Heute waren 34,43% seiner Pässe Fehlpässe (21 von 60, laut bundesliga.de) – damit liegt er sogar noch über dem Bremer Durchschnitt von 31% Fehlpässen. (Und wir reden hier von einem defensiven Mittelfeldspieler, der für Stabilität sorgen soll. Sogar Marko Marin und Mesut Özil hatten bessere Quoten, jeweils unter 20%.)
  • … wie konzentriert der FC Bayern München Angriffe vorträgt. Aus einer oftmals experimentell wirkenden Spieleröffnung aus der Abwehr (halbhohe Bälle in Richtung Mittelfeld) entwickelten sich eine Vielzahl von schnell und technisch sauber vorgetragenen Offensiv-Aktionen.

Notizen zum 18. Spieltag

16. Januar 2010
  • Der HSV und Bayer 04 Leverkusen zeigen eine beeindruckende Offensiv-Leistung, sind aber hinten kaum gefordert. Wenn’s darauf ankommt, wirkt die Defensive bei beiden Klubs aber wackelig, auch gegen schwache Gegner. Gewinnt man so die Meisterschaft?
  • Vor allem beim HSV fällt auf, wie gut das vertikale Passspiel funktioniert. Effektiv und gefährlich, unter anderem dank freundlicher Mithilfe der Freiburger Abwehr.
  • Wie standen vor dem Spieltag die Quoten, dass Hertha BSC drei Tore schießt? Wenn der Sportschau-Bericht das Spiel einigermaßen treu wiedergibt, dann erweist sich vor allem die Verpflichtung von Kringe, der sich allerdings kurz nach seiner Ankunft verletzte, als sinnvoll. Schon zu Dortmunder Zeiten war er für sein grundsolides, zweikampfstarkes und engagiertes Spiel bekannt. Das könnte genau das sein, was Berlin jetzt braucht. 21 31 Punkte (bis zu den sicheren 40 Punkten) aus 16 Spielen – wirkt theoretisch möglich, aber ich glaube immer noch nicht daran.
  • Warum sollte man Hannover in Erinnerung behalten? Fromlowitz ist ein guter Torhüter, aber der Rest des Teams? Ach ja, was macht eigentlich Mike Hanke?
  • Die Sportschau wird langsam unerträglich. Bemühte Statistiken und seltsame Spielkommentare? Ich hätte da einen Vorschlag: Einfach nur ordentlichen Sportjournalismus, ohne Schnörkel. Nein?

FCN: Mit zwei Bayern-Leihgaben gegen den Abstieg

5. Januar 2010

Das fränkische Farm-Team? Nachdem der 1. FC Nürnberg für die Bundesliga-Rückrunde Breno und Andreas Ottl vom FC Bayern München ausgeliehen hatte, gab es vereinzelt Spott aus der Landeshauptstadt. Der «Glubb», einst stolzer Rekordmeister und nun mitten im Abstiegskampf, als Reste-Rampe für ausgemusterte Spieler von der Säbener Straße – angesichts der herzlichen Abneigung der Fans beider Vereine nicht unbedingt der naheliegendste Gedanke. Aber: Dieter Hecking, der Nachfolger von Michael Oenning auf der Nürnberger Trainerbank, verfolgt mit den beiden Neuzugängen durchaus ein Konzept.

Beim 1:0-Testspielsieg über den MSV Duisburg standen beide Spieler in der Startelf, laut kicker.de (die Nürnberger Nachrichten berichten in ähnlicher Weise) wusste vor allem Ottl zu überzeugen, während Breno nach 68 Spielminuten für Nordtveit (seit dieser Saison vom FC Arsenal ausgeliehen) ausgewechselt wurde. Deutlich wurde auch Heckings neues Spielsystem, das in erster Linie Gegentore verhindern soll: Künftig sollen stets zwei defensive Mittelfeldspieler dafür sorgen, dass der Gegner gar nicht erst vor das Tor der Franken kommt – gegen Duisburg war dies die Aufgabe von Ottl und dem Routinier Mnari.

Hecking sah ein Problem in der Defensive; wieso er aber mit Breno (20) und Ottl (24) zwei Spieler holt, die in den vergangenen Jahren alles andere als regelmäßig in der Bundesliga spielten, dürfte wohl nur mit den finanziellen Zwängen des FCN und der Situation auf dem Transfermarkt zu erklären sein. Auch wenn die beiden Neuverpflichtungen möglicherweise die Klasse für die Bundesliga besitzen, über Spielerfahrung und Routine verfügen sie nicht. Doch vielleicht wäre gerade das nötig gewesen, denn neben den gestandenen Profis Wolf (27) und Pinola (26) besteht die Abwehr der Vorrunde vor allem aus jungen Spielern wie Maroh (22), Diekmeier (20) oder Nordtveit (19). Wo der Vorteil von Breno gegenüber den genannten Kandidaten ist, wird sich erst noch zeigen müssen.
Die Verpflichtung von Ottl lässt sich durch Heckings Spielsystem erklären: Der neue Trainer will eine Doppel-Sechs spielen lassen, aber aus dem aktuellen Kader bleibt alleine Jaouhar Mnari für diese Aufgabe (Kluge hätte ebenfalls hier agieren können, wechselte aber in der Winterpause zum FC Schalke 04). Ein zweiter Mann musste her und wurde offensichtlich in Ottl gefunden. Bezeichnend, dass Hecking lediglich auf Ottls «absolut sauberen Charakter» einging, aber nicht auf seine Qualitäten als Spieler. Wie groß Heckings Not sein muss, zeigt sich schon in der Aussage gegenüber dem kicker, notfalls auch Marek Mintal auf diese Position zu beordern. Mintal, der leichtfüßige Offensivspieler mit dem Torriecher, als knallharter Abräumer vor der Viererkette? Eine etwas absurde Vorstellung.

Für das eigentlich viel größere Problem der Nürnberger, den Angriff, scheint Hecking vorerst auf die bereits unter Vertrag stehenden Spieler zu vertrauen.
In 17 Spielen wurden lediglich 12 Tore erzielt (nach den 10 Toren des 1. FC Köln ist dies der zweitschlechteste Wert), alleine die Hälfte davon durch Albert Bunjaku. Alle weiteren Spieler, einmal abgesehen vom Neu-Schalker Kluge, konnten bislang maximal über einen einzigen eigenen Treffer jubeln.
Nachdem die Verpflichtung von Roy Makaay platzte, steht der bisherige Kader noch genauer unter Beobachtung: Neben dem sechsfachen Torschützen Bunjaku stehen der Ex-Europameister Angelos Charisteas (der um seinen Platz in der griechischen Nationalmannschaft kämpft und schon alleine deswegen alles geben dürfte), der ehemalige Zweitliga-Torschützenkönig Christian Eigler, der deutsche U21-Nationalspieler Choupo-Moting sowie Isaac Boakye (der mit zwei Toren im ersten Relegationsspiel gegen Energie Cottbus den FCN zurück in die Bundesliga schoss) unter Vertrag. Eigentlich eine Reihe talentierter Stürmer, doch bislang überzeugte allein Bunjaku. Doch kann es sich Nürnberg leisten, nur mit einem Stürmer zu spielen, vor allem wenn auch das Mittelfeld nicht sonderlich torgefährlich ist? Rein theoretisch wäre es für Hecking sinnvoll, einen zweiten Torjäger einzukaufen, der den Klassenerhalt absichert. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Das Budget für Ablösesummen ist gering: Mit einem Defizit in der Bilanz wird inzwischen fest gerechnet, auch die Einnahmen aus dem Verkauf von Leistungsträger Peer Kluge werden dafür aufgewendet. Nur wenn überraschenderweise noch Geld übrig sein sollte, kann Hecking noch nachrüsten. Das Problem der Nürnberger: Bereits im letzten Jahr gab es Ausgaben im Hinblick auf den Bundesliga-Aufstieg – und heute kaum noch Reserven.