England galt im Vorfeld als einer der größten Favoriten für den Titelgewinn. Nach den ersten 90 Minuten bleibt davon wenig übrig.
Die durch den Ausfall von Rio Ferdinand noch vor Turnierbeginn geschwächte Mannschaft von Fabio Capello begann sehr druckvoll. In den ersten Minuten konnte kein Amerikaner ruhig den Ball annehmen, da vor allem Wayne Rooney, aber auch seine Kollegen aus dem Mittelfeld immer wieder den ballführenden Spieler attackierten. So war es nur konsequent, dass bereits nach vier Minuten Emile Heskey im Strafraum den Ball zum heranstürmenden Steven Gerrard passen konnte, der mit einem wuchtigen Schuss das 1:0 erzielte.
In der Folge ließ das zuvor in extremer Weise praktizierte Pressing der «Three Lions» etwas nach, was den US-Boys vermehrt Spielanteile einbrachte, aber keineswegs zu zwingenden Chancen führte. Da jedoch auch die Engländer gegen die gut postierte amerikanische Defensive ihre Schwierigkeiten hatten, blieb es vorerst bei dem bekannten Spielstand.
Fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff unterlief dann dem englischen Torhüter Robert Green ein folgenschwerer Fehler, der seiner Mannschaft zwei Punkte kosten sollte: Er lenkte einen relativ unplatzierten und mittelharten Schuss von Clint Dempsey so unglücklich ab, dass dieser ins Tor kullerte – der Ausgleich.
In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel fahriger, England rannte sich mehrfach an der gut organisierten US-Abwehr fest, während die Amerikaner einfach nicht über die Mittel verfügten, um aus eigener Kraft ein zweites Tor zu erzielen.
Jetzt wurde Capellos Problem offensichtlich: Er hatte bereits früh im Mittelfeld gewechselt (Shaun Wright-Philips für James Milner nach 31 Minuten) und dann zur Pause verletzungsbedingt die Abwehr umgestellt (Jamie Carragher für Ledley King), ihm blieb also nur noch ein Wechsel für die gesamte zweite Spielhälfte übrig. Wechselte er zu früh, dann ging er das Risiko ein, nicht auf die Verletzung eines Spielers reagieren zu können und damit das Spiel in Unterzahl beenden zu müssen bzw. nicht auf eine neue Spielsituation reagieren zu können. Wechselte er zu spät, dann würde der neue Spieler keine Zeit haben, um wirklich Einfluss zu nehmen. Für meinen Geschmack entschied sich Capello etwas zu spät, Peter Crouch ins Spiel zu bringen – zumal mit dessen Vereinskameraden Jermain Defoe noch eine weitere gute Alternative auf der Bank saß.
So ging nach dieser Auswechselung die Partie dennoch eher ruhig zu Ende. 1:1, für England ein enttäuschendes Ergebnis, was auch zu großen Teilen darauf zurückzuführen ist, dass England in den seltensten Fällen das Spiel aus dem Mittelfeld kontrollierte und nachhaltig Druck auf die amerikanische Defensive ausüben konnte.