Sparflamme

26. Mai 2010

Das es auf diesem Blog schon mal aktiver war, ist kein Geheimnis. Vor zwei Jahren, zur EM 2008, ging es hier einerseits los und andererseits rund. Im Moment nicht. Ich habe zu wenig Zeit und Muße, um mir im ausreichenden Maß Gedanken über Artikel zu machen. Ehrlich gesagt: Die «Taktikbesprechung» ist auf meiner Prioritätenliste nach hinten gerutscht.

Das heißt nicht, dass ich diesen Blog einstellen werde. Ich bin davon überzeugt, dass bessere Zeiten kommen werden. Es wird auch keine offizielle Pause geben. Ich schreibe, wenn ich Lust und Zeit dazu habe. Die «Taktikbesprechung» ist nicht tot, sie läuft derzeit auf Sparflamme. Und ich freue mich auf den Moment, wo aus diesem kleinen Flämmchen wieder ein loderndes Lagerfeuer wird.


WM: USA gegen England

13. Juni 2010

England galt im Vorfeld als einer der größten Favoriten für den Titelgewinn. Nach den ersten 90 Minuten bleibt davon wenig übrig.

Die durch den Ausfall von Rio Ferdinand noch vor Turnierbeginn geschwächte Mannschaft von Fabio Capello begann sehr druckvoll. In den ersten Minuten konnte kein Amerikaner ruhig den Ball annehmen, da vor allem Wayne Rooney, aber auch seine Kollegen aus dem Mittelfeld immer wieder den ballführenden Spieler attackierten. So war es nur konsequent, dass bereits nach vier Minuten Emile Heskey im Strafraum den Ball zum heranstürmenden Steven Gerrard passen konnte, der mit einem wuchtigen Schuss das 1:0 erzielte.

In der Folge ließ das zuvor in extremer Weise praktizierte Pressing der «Three Lions» etwas nach, was den US-Boys vermehrt Spielanteile einbrachte, aber keineswegs zu zwingenden Chancen führte. Da jedoch auch die Engländer gegen die gut postierte amerikanische Defensive ihre Schwierigkeiten hatten, blieb es vorerst bei dem bekannten Spielstand.

Fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff unterlief dann dem englischen Torhüter Robert Green ein folgenschwerer Fehler, der seiner Mannschaft zwei Punkte kosten sollte: Er lenkte einen relativ unplatzierten und mittelharten Schuss von Clint Dempsey so unglücklich ab, dass dieser ins Tor kullerte – der Ausgleich.

In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel fahriger, England rannte sich mehrfach an der gut organisierten US-Abwehr fest, während die Amerikaner einfach nicht über die Mittel verfügten, um aus eigener Kraft ein zweites Tor zu erzielen.
Jetzt wurde Capellos Problem offensichtlich: Er hatte bereits früh im Mittelfeld gewechselt (Shaun Wright-Philips für James Milner nach 31 Minuten) und dann zur Pause verletzungsbedingt die Abwehr umgestellt (Jamie Carragher für Ledley King), ihm blieb also nur noch ein Wechsel für die gesamte zweite Spielhälfte übrig. Wechselte er zu früh, dann ging er das Risiko ein, nicht auf die Verletzung eines Spielers reagieren zu können und damit das Spiel in Unterzahl beenden zu müssen bzw. nicht auf eine neue Spielsituation reagieren zu können. Wechselte er zu spät, dann würde der neue Spieler keine Zeit haben, um wirklich Einfluss zu nehmen. Für meinen Geschmack entschied sich Capello etwas zu spät, Peter Crouch ins Spiel zu bringen – zumal mit dessen Vereinskameraden Jermain Defoe noch eine weitere gute Alternative auf der Bank saß.
So ging nach dieser Auswechselung die Partie dennoch eher ruhig zu Ende. 1:1, für England ein enttäuschendes Ergebnis, was auch zu großen Teilen darauf zurückzuführen ist, dass England in den seltensten Fällen das Spiel aus dem Mittelfeld kontrollierte und nachhaltig Druck auf die amerikanische Defensive ausüben konnte.


Ungewohnt

26. Mai 2010

Die Saison ist vorüber, die Entscheidungen sind gefallen. Nicht mehr auf die Tabelle blicken. Nicht mehr schauen, wer der nächste Gegner ist. Nicht mehr abschätzen, nicht mehr spekulieren.
Keine Ungewissheit mehr, nur noch Fakten. Okay: Welche Spieler werden geholt, welche müssen gehen? Wer könnte nächste Saison wie gut sein? Und dann: WM.

Aber trotzdem: Das Ende der Bundesliga-Saison war schon ein ungewohntes Gefühl. Gewöhnt man sich daran?


Champions-League-Halbfinale: Olympique Lyon gegen FC Bayern München

27. April 2010

[In der Halbzeit] Ich kam etwa 15min zu spät nach Hause, aber laut Spielkommentar war der FC Bayern auch zuvor schon deutlich überlegen. Die Deutschen spielten sachlich und routiniert, während Lyon gegen die konzentrierte gegnerische Abwehr wenig zu melden hatte. München kontrollierte das Spiel und erzielte folgerichtig das 0:1 durch Ivica Olić, das das Tor zum Endspiel gewaltig weit aufstieß. Olympique benötigte nun drei Tore, um ins Finale zu kommen.
In der Folge blieb der FC Bayern München die bessere Mannschaft, allerdings zeigten sich in der Defensive erstmals Fehler: Die Positionstreue in der Abwehrketet ließ etwas nach und Lyon stand wesentlich offensiver, um mehr Druck ausüben zu können. Dennoch: In der ersten Halbzeit blieb die Frage offen, warum Lyon sich in der Runde der besten vier Mannschaften Euroaps wiederfindet. Der FC Bayern spielte sehr ruhig, die Führung war nicht wirklich gefährdet.

[Nach dem Spiel] Lyon machte unmittelbar nach dem Wiederanpfiff Druck, aber insgesamt reichte dieses Zwischen-Hoch nicht. Als dann Cris in der 59. Spielminute eine sinnlose gelb-rote Karte sah (zu Recht gelb für einen Zweikampf, dann ironisches Applaudieren in Richtung des Schiedsrichters), profitierte der FC Bayern davon und war in der Folge wieder die eindeutig bessere Mannschaft. Knapp zehn Minuten später brachte erneut Olić den Finaleinzug in trockene Tücher, indem er das zweite Tor erzielte. Die Niederlage stand fest, der Biss im Spiel ließ nach. Zwölf Minuten vor Abpfiff erzielte Olić dann das 0:3.
Absolut verdient zog der FC Bayern München ins Finale ein. Ob eine solch konzentrierte Leistung wie die heutige auch gegen die Klasse des FC Barcelona oder von Inter Mailand reicht, kann zum aktuellen Zeitpunkt nicht beziffert werden. Chancenlos dürften die Bayern allerdings nicht sein.