Archiv für 24. Mai 2008

Wer kann im Juni entspannen?

24. Mai 2008

26 Spieler im Trainingslager, 23 von ihnen dürfen mit zur EM. Das ist die Ausgangslage für Jogi Löw und die deutsche Nationalmannschaft. Im Moment sieht es so aus, als gäbe es vier Schlüsselstellen im Kader, bei denen Löw und sein Trainerstab eine Entweder-Oder-Entscheidung werden treffen müssen.

Ersatz im offensiven Mittelfeld

Tim Borowski und Piotr Trochowski sind Kandidaten für diese Position. Hier sieht es wohl schlecht für den Hamburger Trochowski aus: Er spielte zuletzt in der Bundesliga eher schlecht und wurde oft nur eingewechselt. Außerdem gilt er als eher langsam. Zudem konnte der Noch-Bremer Borowski schon bei der WM 2006 beweisen, dass er als Ballack-Backup ganz gut zu gebrauchen ist.
Deswegen: Trochowski fährt wohl heim.

Fünfter Mann im Sturm

Hier konkurrieren Patrick Helmes und Oliver Neuville. Eine Entscheidung ist derzeit eher nicht absehbar. Helmes wurde zuletzt häufiger in den DFB-Kader berufen als Neuville, konnte aber bislang noch kein Länderspieltor erzielen (allerdings war er für die U21 mehrfach erfolgreich). Nach starkem Debüt wurden seine Leistungen im Nationaltrikot auch zunehmend farbloser. Helmes gilt als dynamisch, er sucht seine Chancen und ist immer anspielbar. Oliver Neuville hat den Bonus der Heim-WM, wo er sein ganzes Können zur Schau stellen konnte. Der gebürtige Schweizer ist ein erfahrener Nationalspieler (66 Einsätze), allerdings auch schon 35 Jahre alt und damit nicht mehr ganz so spritzig wie sein Konkurrent Helmes. Eine mögliche Variante wäre es, Neuville mitzunehmen, um den jungen Marko Marin, der wie Neuville für Borussia Mönchengladbach spielt, in die Mannschaft einzugliedern. (Gegenargument: Aus genau diesem Grund könnte Neuville mit ins Trainingslager nach Mallorca fliegen: Marin soll schnell Zugang zum Team finden. Bei der Endrunde wird Neuville allerdings nicht mehr benötigt.)

Im defensiven Mittelfeld

Diese Position können neben dem gesetzten Frings auch Jermaine Jones und Simon Rolfes besetzen. Dabei gilt Jones eher als der Zerstörer, der durch Aggressivität und Fouls den Gegner am Weiterkommen hindert, jedoch auch durch schnelle Antritte und klug geschlagene Pässe für Akzente nach vorne sorgen kann. Rolfes verfügt über ein eher abgeklärtes Spiel, foult weniger und agiert nach vorne konstruktiver. Durch Schüsse aus der zweiten Reihe ist er in Angriffe einbindbar. Auch hier ist eine Entscheidung noch nicht vorhersehbar, es hängt im Wesentlichen von Löws Anforderungen an den Spielertyp ab: Rolfes kann überall im Mittelfeld spielen, während Jones enger auf seine Position festgelegt ist und durch seine destruktive Spielweise der Abwehr Stabilität verleihen kann.
Mögliche Variante: Im Falle einer Verletzung eines Abwehrspielers rückt der fürs rechte Mittelfeld vorgesehene Clemens Fritz in die Defensive, Rolfes könnte seinen Platz im Mittelfeld einnehmen.

Als klassischer Offensiv-Joker

Die Nominierungen von David Odonkor und vor allem von Marko Marin kamen ziemlich überraschend. Beide füllen im Prinzip das gleiche Anforderungsprofil aus: Einwechselspieler mit ordentlichem Tempo, der das Spiel noch einmal beleben soll. Odonkor konnte bereits bei der WM vor zwei Jahren zeigen, dass er dies herausragend kann. Allerdings ist er auch in seiner Spielweise limitiert: neben vielen Sprints und wenigen Flanken gelingt ihm auf dem Feld nicht viel. Er sorgt nicht für eine Verbesserung des Spiels innerhalb der Mannschaft, sondern hat sich vor allem auf Solo-Aktionen mit anschließender Flanke verlegt. Zudem ist er relativ leicht ausrechen- und dank seiner eher mäßigen Technik deswegen von der gegnerischen Abwehr auch eher leicht beherrschbar – wenn man mit seinem Tempo klarkommt. Marko Marin hingegen wird vor allem für seine Stärke in Eins-zu-Eins-Situationen gelobt, er ist damit eine Art Anti-Odonkor. Auch seine Schnelligkeit wird lobend erwähnt. Außerdem wird Löw ihn wohl kaum als Debütanten ins Trainingslager vor der EM mitnehmen, wenn er nicht noch mehr mit ihm vorhätte.
Deswegen: Ein Plus für Marin, Odonkor ist wahrscheinlich als Absicherung dabei für den Fall, dass man Marin nicht in die Mannschaft einbinden kann.

Es lebe das Klischee!

24. Mai 2008

FANartisch entdeckt die Kultivierung von Vorurteilen in Fernsehtrailern. Aber irgendwie als Karikatur doch ganz gelungen.