Das erste Testspiel der Deutschen vor der EM in nicht einmal zwei Wochen stand unter einem ganz besonderen Stern. Es galt zu beobachten, inwiefern Löws Mannschaft schon bereit für das Turnier ist; ob der Geist, der bei der WM 2006 im Team herrschte, zurückgekehrt ist.
Wie würde es Michael Ballack gehen, nachdem er vergangene Woche das Champions-League-Finale verloren hatte? Welche Spieler dürfen sich wie lange präsentieren? Wer konnte durch seine Leistungen untermauern, nicht zu den drei Spielern zu gehören, die nicht für den endgültigen EM-Kader nominiert werden dürfen? Und nicht zuletzt: Wie ist Marko Marin, die neue Geheimwaffe von Joachim Löw?
Die größte Überraschung gab es sicherlich in der DFB-Abwehr, genauer gesagt auf der linken Seite. Dort spielte Thomas Hitzlsperger, normalerweise ein Kandidat für das defensive oder halblinke Mittelfeld. Marcell Jansen hatte sich eine Wadenverhärtung zugezogen und konnte deswegen nicht spielen, Heiko Westermann wurde beurlaubt, um bei seiner Partnerin sein zu können, die ihr Kind heute erwartet. Also Hitzlsperger – und nicht etwa Philipp Lahm, wie man vielleicht hätte vermuten können.
Man merkte jedoch schon nach kurzer Zeit, dass Hitzlsperger kein Kandidat für die Abwehr ist. Ein mangelhaftes Spiel zum Mann und im Raum sorgten dafür, dass Weißrussland über die rechte Seite enormen Druck entwickeln und die DFB-Elf unter Druck setzen konnte.
Doch auch Per Mertesacker und Christoph Metzelder konnten Schlimmeres nur begrenzt verhindern. Immer wieder gelang es den Weißrussen um Alexander Hleb, die deutsche Defensive über die Nahtstelle zwischen den beiden Innenverteidigern zu knacken. Hier funktionierte die Raumaufteilung noch nicht perfekt; vor allem Metzelder ließ Defizite erkennen, die Mertesacker ein ums andere Mal ausbügeln konnte. Der junge Bremer zeigte sich in guter Form, spielte immer wieder öffnende Pässe aus der Abwehr heraus (eine der von Löw propagierten Disziplinen) und hielt hinten den Laden zusammen.
David Odonkor spielte von Anfang an und wurde erst zehn Minuten vor Schluss ausgewechselt, bekam also noch einmal zahlreiche Möglichkeiten, um sich um einen Platz in Löws endgültigem Kader, der morgen vorgestellt werden muss, zu bewerben. Dabei machte er ein Spiel, das ihm so mancher gar nicht mehr zugetraut hatte. Durch körperliche Präsenz und Einsatz bewegte er vergleichsweise viel, engagierte sich – agierte dabei aber nicht immer glücklich. Sein Potenzial ist eben sehr konkret auf eine einzige Rolle im Spiel fixiert, Defensivarbeit ist nicht seine Stärke. Die wackelige Abwehr wurde von ihm aus dem Mittelfeld heraus also nicht unterstützt.
Schön zu sehen war das Zusammenspiel von Torsten Frings und Michael Ballack. Immer wieder suchten und fanden sich die beiden großen Männer des deutschen Mittelfeldes, bildeten eine das Mittelfeld stabilisierende Achse.
Insgesamt auffällig war die fehlende Feinabstimmung der Deutschen, eine ganze Reihe von Pässen landeten auf dem falschen Fuß des Mitspielers und mussten erst kontrolliert werden. Dies verhinderte auch das von Joachim Löw geforderte schnelle Spiel nach vorne: Immer wieder musste der Ball kontrolliert und das Tempo aus dem Spiel genommen werden. Auch verpassten es verschiedene Spieler immer wieder, das Spiel zu öffnen; der Ball wurde nicht schnell genug in andere Regionen des Spielfeldes transportiert. Die Defensive stand auf tönernen Füßen, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass Hitzlspergers linke Seite so offen wie ein Scheunentor war. Ein kompakter und vor allem aufeinander abgestimmter Defensiv-Verbund existierte de facto nicht. Dazu trug auch der unsichere Jens Lehmann im Tor bei, der seine Nominierung nicht untermauern konnte. Zeitweise schien es ratsam, Robert Enke oder den eher im Stile eines Oliver Kahn spielenden René Adler zur neuen Nummer Eins zu küren, denn Lehmann hatte des Öfteren selbst mit Bällen Probleme, die direkt auf ihn geschossen wurden. Kurz vor der Pause hoffte man auf eine Stabilisierung, als er durch eine Parade ein Gegentor verhinderte – doch zu Anpfiff der zweiten Halbzeit zerschlugen sich diese Hoffnungen, Lehmann war stets schwankend zwischen indiskutabel und durchschnittlich.
Ein weiteres Manko der deutschen Elf war die schlechte Arbeit gegen den Ball. Die Weißrussen konnten den Ball führen und nach Belieben weiterspielen, von deutscher Seite aus wurde nicht viel dagegen unternommen.
Im Lauf der zweiten Spielhälfte baute Deutschland körperlich immer mehr ab. Die eingewechselten Jones, Helmes, Neuville, Trochowski und vor allem Marin sorgten noch einmal für Belebung, konnten aber allesamt nicht verhindern, dass die deutsche Abwehr immer löcheriger wurde, bis sie sich schließlich in Luft auflöste.
Anders ist es auch nicht zu erklären, wie die deutsche 2:0-Führung zur Pause am Ende zu einem 2:2-Unentschieden reduziert wurde.
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