Tor
Jens Lehmann: Beim Gegentor chancenlos, ansonsten mit wesentlichen Verbesserungen gegenüber Weißrussland. In dieser Form annehmbar, aber noch nicht perfekt. Muss sicherer und reaktionsschnellerer werden.
Abwehr
Marcell Jansen: Einer der besten Akteure auf dem Feld. Hatte Pech, dass in der ersten Halbzeit fast alle Angriffe über die rechte Seite vorgetragen wurden, denn links stand er immer frei und bereit. Wenn er angespielt wurde, zeigte er sehenswerte Vorstöße nach vorn. Hinten zweikampfstark und gut im Stellungsspiel, nach vorne mit schnellen Vorstößen und gefährlichen Flanken. Eine sehr gelungene Interpretation der Außenverteidiger-Rolle! Wurde angeschlagen ausgewechselt, blutete am Knöchel. Für ihn kam Westermann.
Per Mertesacker: Nicht so auffällig gut wie gegen Weißrussland. Musste diesmal nicht zu Hochform auflaufen, um die Abwehr zusammenzuhalten. Einziger Fehler: Arbeitete beim Gegentor nicht gegen den Ball (was allerdings Metzelder tat und damit hauptsächlich zur Entstehung des Gegentores beitrug). Wurde zur Halbzeit herausgenommen, um ihm eine kleine Verschnaufpause zu gewähren.
Christoph Metzelder: Weniger oft gefordert als gegen Weißrussland. Konnte die Kritik an ihm nicht entkräften, das Gegentor geht zu großen Teilen auf seine Kappe, da er sich nicht auf seinen Gegenspieler konzentrierte und gegen den Ball arbeiten wollte. Spielte auffällig viele Sicherheitspässe auf Lehmann. Mit Verbesserungen, aber noch nicht in Top-Form.
Philipp Lahm: Als Rechtsverteidiger ansprechend. Interpretierte seine Rolle aber wie zuletzt schon eher defensiv. Der Offensivwirbel der WM ist offensichtlich Vergangenheit. Ging zur Halbzeit.
Arne Friedrich: Kam zur Halbzeit für Mertesacker. Unauffällige Partie des Berliners, präsentierte sich als brauchbare Alternative für die Innenverteidigung.
Heiko Westermann: Kam in der 84. Minute für den angeschlagenen Janssen. Konnte sich in der kurzen Zeit nicht besonders hervortun, weder positiv noch negativ.
Mittelfeld
Torsten Frings: Der Zweikämpfer im Mittelfeld. Konnte dem Spiel nicht so sehr seinen Stempel aufdrücken wie gegen Weißrussland. Muss sich beim Gegentor vorwerfen lassen, nicht frühzeitig gegen dessen Entstehen vorgegangen zu sein. Ging nach 70 Minuten.
Michael Ballack: Eindeutig der Kopf des deutschen Spiels und der «Man of the match». Hat die Ausstrahlung des unumstrittenen Mannschaftskapitäns. Warf sich engagiert in die Zweikämpfe, zeigte Biss und Siegeswillen. So muss ein Kapitän agieren! Pendelte ständig zwischen Abwehr und Angriff, wühlte sich immer wieder in die serbische Defensive, zeigte aber auch öfters Übersicht und band die Außen ins deutsche Spiel ein. Das Freistoßtor war der gerechte Lohn für seine Mühen. Mit diesem Kapitän sind wir bereit für den EM-Titel!
Bastian Schweinsteiger: In der ersten Halbzeit im linken Mittelfeld, nach dem Wiederanpfiff im rechten Mittelfeld. Spielte ordentlich, war aktiv, agil und anspielbar, wurde allerdings oft gefoult. Fraglich, ob er das komplette Turnier schadlos übersteht, wenn er in jedem Spiel so auf die Socken bekommt. Ging nach 79 Minuten.
Clemens Fritz: Zeigte, dass er eher in der Abwehr zuhause ist als im offensiven Mittelfeld. Konnte sich nur selten gegenüber dem starken serbischen Defensivverbund durchsetzen. Wurde oft angespielt, kam aber eher selten zu bemerkenswerten Hereingaben. Eher ein Kandidat für die rechte Abwehr oder eine sehr defensive Mittelfeldinterpretation. Rutschte nach der Halbzeit hinten rechts in die Viererkette, wo er angenehm zuverlässig agierte. Stand einmal unglücklich einem aussichtsreichen Ballack-Freistoß im Weg – da müssen noch Standardsituationen und deren Laufwege geübt werden.
Lukas Podolski: Kam in der zweiten Halbzeit und mischte das linke Mittelfeld auf. Sehr belebend, immer wieder mit schönen Antritten und Flanken, wagte sich auch immer wieder an die Strafraumgrenze, um einmal selbst einen Schuss aus der Halbdistanz zu wagen. Sehr ansprechend! Für eine offensive Variante der linken Mitteldposition sicherlich die erste Wahl.
Simon Rolfes: Kam 20 Minuten vor Schluss für Frings. Fügte sich bemerkenswert gut in das laufende Spiel ein. Keine Ausrutscher und keine Glanztaten, präsentierte sich eher als sinnvoller Ersatz.
David Odonkor: Sollte zehn Minuten vor Schluss das rechte Mittelfeld beleben. Zeigte, dass er auch Sprintduelle gegen namhafte Verteidiger wie Vidic gewinnen kann. Gefiel, obwohl er an den entscheidenden Szenen nicht beteiligt war.
Sturm
Kevin Kuranyi: Hatte es mit seiner körperbetonten Spielweise gegen eine ebenfalls körperbetonte Abwehr sehr schwer. Ackerte immer wieder, zeigte aber auch, dass seine Technik nicht das Gelbe vom Ei ist. Vor allem bei Ballannahmen musste er sich oft den serbischen Innenverteidigern geschlagen geben. War aber wegen seiner Spielweise von vornherein im Nachteil, eher ein Kandidat für die Einwechselung, wo er als Brecher gegen eine nicht so phyische Abwehr mehr ausrichten kann. Musste für Neuville gehen.
Mario Gomez: Überstand eine Woche vor der EM die Feuertaufe, nämlich mit Vidic einen der Verteidiger höheren Niveaus als direkten Gegenspieler. Konnte zwar kein Tor erzielen, arbeitete aber immer hart daran. Agiler und dynamischer als Kuranyi, wirkte immer einen Tick gefährlicher und bedrohlicher als der oftmals abgemeldete Schalker. Konnte sich immer wieder gegen Vidic durchsetzen und ihn abschütteln. In der Gruppenphase werden die Verteidiger ein niedrigeres Niveau haben und Gomez ein Tor erzielen oder vorbereiten. Gefällt! Ein Kandidat für die Stammelf!
Oliver Neuville: Der typische Jogi-Löw-Joker. Kam zwanzig Minuten vor Schluss und erzielte vier Minuten später den Ausgleich. Die von Löw versprochenen unkonventionellen Laufwege scheinen der Realität zu entsprechen. Konnte den Eindruck ausräumen, dass seine Nominierung ein Geschenk des Bundestrainers war. (Neuville ist in Ascona, dem Teamquartier der Deutschen, geboren, seine Mutter und sein Sohn leben dort und er fährt regelmäßig dorthin. Außerdem wird es sein letztes internationales Turnier sein.)
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