Als Joachim Löw vor drei Jahren Klartext sprach

1. Juni 2008

2005, das scheint lange her zu sein. 2005, da gab es noch keine WM im eigenen Land, da gab es noch kein Sommermärchen und kein begeistertes Deutschland. 2005 spielten für Deutschland noch Arne Friedrich und Thomas Hitzlsperger als Außenverteidiger, Robert Huth in der Innenverteidigung und Sebastian Deisler im Mittelfeld.

Kürzlich habe ich bei Alles außer Sport entdeckt, dass Kai Pahl auch schon vom Konföderationen-Pokal 2005 berichtete. Dieses Turnier war das erste große, das ich live im Stadion erleben durfte. Ich hatte Karten für das Halbfinale in Nürnberg ergattern können und mein Traum wurde Realität: Deutschland zog ins Halbfinale ein. Der Gegner eine Macht: Brasilien – und dieser Kracher würde mein erstes Länderspiel im Stadion werden.
Dummerweise wurde es nicht nur das, sondern auch die einzige Niederlage für Deutschland im Rahmen des Turniers. Deutschland wurde schließlich Dritter, Brasilien gewann das Turnier und ich konnte mich darüber freuen, eine aufopferungsvoll kämpfende deutsche Mannschaft gesehen zu haben. Aber zurück zu Allesaussersport und dem Confed-Cup. Wie gesagt schmökerte ich interessiert duch Kai Pahls Notizen zu dem Pokal und wurde an einer Stelle stutzig, nämlich dem Spielbericht über die Vorrunden-Partie gegen Australien.

Joachim Löw war damals nur der Assistent des Bundestrainers, nicht mehr. Klinsmann stand im Rampenlicht, Löw war kaum bekannt. Doch genau dieser Löw plauderte mit dem Tagesspiegel über Fußballtheorie. Das kann er sich inzwischen nicht mehr leisten, im Moment wird jeder Pieps von ihm dreifach durchleuchtet. Es wird bemerkt, dass die drei ausgemusterten Spieler aus dem vorläufigen Kader beim letzten Testspiel die Rückennummern 24 bis 26 trugen, was die Folgerung nahe legt, dass Löw schon am Abend zuvor sehr genau wusste, wen er heimschicken würde, wobei er aber einen Tag später auf der Pressekonferenz von einer «Millimeterentscheidung» sprach. Würde Löw heute beginnen, über die Grundlagen der Spieleröffnung zu referieren, er hätte die volle Aufmerksamkeit aller Medienvertreter, die alle denkbaren und undenkbaren Möglichkeiten ausloten wollen. Aber damals, damals konnte er noch frei reden. Und das tat er auch.

«Gute Mannschaften erkennt man daran, wie viele Anspielmöglichkeiten der ballführende Spieler hat», erklärt Joachim Löw. «In Deutschland gibt es Mannschaften, bei denen man das Spiel ohne Ball wenig ausgeprägt sieht.» Man könnte auch sagen: Mannschaften, bei denen das Spiel ohne Ball funktioniert, heben sich positiv von der Masse ab. Die Bremer zum Beispiel haben das in ihrem Meisterjahr so überzeugend praktiziert, dass manchmal der Eindruck entstanden ist, als hätten sie einen Spieler mehr auf dem Platz.

Solche Überlegenheit ist keine Frage der Begabung, sondern oft ganz einfach das Resultat harter Arbeit. «Wir müssen das Stehen aus den Köpfen kriegen. Bei Top-Mannschaften kann man das gut beobachten», sagt Löw. «Da sprinten drei Spieler von dem ballführenden Mann weg, die den Ball gar nicht bekommen. Sie reißen nur eine Lücke für den vierten Spieler, der angespielt wird und das Tor macht.»
(zitiert nach Allesaussersport.de, Heraushebung von mir)

Klingt verdammt interessant… Ich werde bei den nächsten Spielen einmal darauf achten, ob Löw dieses Konzept auch in die Tat umsetzen kann.

Übrigens: Ich empfehle, auch den Rest des Spielberichts bei Allesaussersport zu lesen, die Namen sind alle noch bekannt, aber was über sie geschrieben wird, hat man heute so etwas verdrängt. Und all das liegt nur drei Jahre zurück!

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