Archiv für 3. Juni 2008

Das Faszinosum Panini ging an mir vorbei

3. Juni 2008

Panini, EM 2008
Foto von Mili & Harald Flener, Flickr.com.

Panini, der berühmte indische Grammatiker. Panini, der Schimpansen-Tribus aus der Unterfamilie der Homininae. Panini, die leckeren italienischen Sandwiches. Oder eben der italienische Panini-Verlag, bekannt für seine Comics, vor allem aber für seine Fußballsammelbildchen.

Ich kenne Panini, aber ich brauche es nicht. Natürlich hatte ich mir in meiner Kindheit einmal Panini-Bildchen gekauft – aber hatte mich das angefixt? Nö. Panini kam in mein Bewusstsein, als ich zum ersten Mal wusste, was eine WM war, und mir im Laden um die Ecke von meinem spärlichen Taschengeld ein paar Packungen Panini-Bildchen gekauft hatte. Gemeinsam mit den angesagten Jungs aus der Klasse, die alle daheim Alben hatten, die sie beständig füllten. Sie spielten viel Fußball, ich nicht mehr. Mein Opa, der einmal der Vorstand unseres Sportvereins gewesen war, hatte mich als kleinen Bub zum Fußball angemeldet, ich hatte ein, zwei Jahre gespielt und wieder aufgehört. Fußball juckte mich nicht, damals, nachdem ich aufgehört hatte. Klar, ich habe mit meinem Opa und meinem Onkel im Wohnzimmer Fußball geschaut, eine WM in den 90ern, ab und zu fallen mir noch ein paar Namen ein, vor allem die niederländischen: Pierre van Hooijdonk, Patrick Kluivert und Edgard Davids klangen vertraut und doch unbekannt.

Ich kaufte mir Panini-Bildchen, weil es die beliebten Jungs aus der Schule taten. Am Nachmittag ging ich in den Laden um die Ecke und legte zwei, drei Mark auf den Tisch und zog mir die kleinen Tütchen aus dem ausgebleichten Pappkarton, der etwas zu nahe am Fenster stand. Ich wählte bedächtig, entschied mich um, legte zurück und zog sie doch wieder heraus, legte wieder zurück und zog neu. Am Ende ging ich mit ein paar Tütchen in der Hand, riss sie direkt vor dem Laden auf, warf die Verpackung in den Mülleimer vor der Tür und besah, was ich gezogen hatte. Kroaten waren fast immer dabei.

Stolz ging ich heim und zeigte meinem Opa, der einst als Torwart gespielt hatte, bevor er sich zum Vereinspräsidenten wählen ließ, aber irgendwann alles hinschmiss und den Fußball nur noch von der Couch aus verfolgte, zeigte meinem Opa die Bilder mit den fremden Gesichter und den bunten Trikots. Er kannte ein paar, ein paar waren gut, die Kroaten kannte er nicht.
Meine Mama kam ins Zimmer, ihr war Fußball ziemlich egal. Sie sah nur die Bilder und ich sagte ihr, dass ich sie gekauft hatte, im Laden um die Ecke für drei oder vier Mark. Dann sagte sie, das sei doch alles aus dem Fenster geschmissenes Geld und verbot mir, noch einmal Bilder zu kaufen. Mein Opa sah mich etwas mitleidig an, ich wusste nicht warum. Ich wollte doch nur mit den Jungs aus der Schule mithalten können, ob das jetzt Fußballbilder waren oder nicht war mir doch völlig egal.

In der Schule tauschte ich mit ein paar Jungs. Ich hatte nur wenig Bilder, ich konnte nicht wirklich viel bieten. Die Kroaten hatten sie alle selber schon doppelt. Da beschloss ich, mir keine Bildchen mehr zu kaufen. Meine Mutter hatte wohl recht, es war alles aus dem Fenster geschmissenes Geld.

Irgendwann habe ich die Bildchen einfach weggeschmissen, sie sagten mir nichts. Ich kam erst Jahre später wieder zum Fußball, zum Fußball aus der Beobachterposition aus. Der geborene Taktikfuchs, der sich verkannt als Abwehrspieler in der F-Jugend von den größeren Gegnern demütigen lassen musste. Oder so ähnlich.

Heute bin ich etwas traurig, eine dieser anscheinend typischen Erfahrungen eines Fußballfreundes nicht gemacht zu haben. Panini sagt mir nicht viel, außer dass die Kroaten immer viel zu oft drin sind. Ich schaue etwas bewundernd zu all den gestandenen Männern, die nicht von Panini lassen können, die ihr Geld für Bildchen ausgeben, für kleine Klebebildchen.