Halbzeitfazit
Die erste Halbzeit konnte ich nur teilweise sehen, deswegen nur ein paar Eindrücke: Nach der Führung für Kroatien war Österreich zunächst geschockt, fand aber vor allem kurz vor der Pause wieder besser ins Spiel. Es war nicht zu übersehen, dass die EM-Gastgeber mit dem kroatischen Pressing nicht zurechtkamen und immer wieder schon im Mittelfeld den Ball verloren. Mit der Zeit konnte Österreich jedoch eine Feldüberlegenheit entwickeln und Kroatien in die Defensive drängen. Mehrere aussichtsreiche Möglichkeiten ließen ein Unentschieden zur Pause als den gerechteren Spielstand erscheinen. Das große Problem der Österreicher: Die Überlegenheit im Mittelfeld verpufft, weil die Pässe in die Spitze keine Abnehmer finden. Die Austria-Stürmer sind größtenteils abgemeldet. Die Kroaten kommen immer wieder zu Konterchancen, vor allem der schnelle Schauspieler Olic, aber auch der Dortmunder Petric sorgen durch Tempo-Vorstöße immer wieder für Wirbel. Allerdings gelang es der österreichischen Defensive mit der Zeit immer besser, sich im Raum zu postieren und Pässe abzufangen. Das Problem der Kroaten: Österreich macht das Spiel und ist dem Ausgleich näher als Kroatien einer 2:0-Führung.
Nach dem Spiel
Wieder benötigt Österreich seine Zeit, um ins Spiel zu finden. Wieder sind 15 Minuten Anlauf nötig, um das Spiel der Alpenkicker in Schwung zu bringen. Gegen Ende sind die Aktionen fast so, wie man das sich vorstellt: mit Verve vorgetragen, leider immer etwas unpräzise. Kroatien verteidigt mit allen Mitteln, immer an der Grenze des Erlaubten. Ein strengerer Schiedsrichter hätte womöglich die Hälfte der kroatischen Abwehraktionen abgepfiffen. So bleibt bei Österreich der Eindruck, dass es prinzipiell möglich ist, nicht komplett unterzugehen. Aber: Ein Ausscheiden in der Vorrunde ist wahrscheinlich, vermutlich wird es am fürs Weiterkommen nötigen Sieg gegen Deutschland scheitern.
Aber: Österreich hat sich – zumindest bei mir – Respekt verschafft. Eigentlich funktioniert fast alles, nur an der Präzision hapert es. Kroatien war mindestens dreißig Minuten im Rückwärtsgang – ein relativ eindrucksvolles Ergebnis bei einem Gegner, der im Vorfeld als erster Kandidat für das Ausscheiden genannt wurde.


