Halbzeitbericht
Ein ordentliches Spiel! Tschechien spielt hart, aber mit System, ist insgesamt etwas präziser. Portugal nicht mehr mit der drückenden Überlegenheit der Partie gegen die Türkei, sie tun sich gegen die dicht stehende tschechische Defensive schwer.
Karel Brückners Veränderungen zum Eröffnungsspiel der EM haben sich ausgezahlt. Statt dem Turm Jan Koller stürmt Milan Baros, der insgesamt agiler ist. Die Nadelstiche, die Konter, die er gegen Portugals Verteidiger setzt, wirken effektiver als Kollers teilweise behäbiges Spiel.
Insgesamt ist Tschechien mit etwas mehr Energie dabei, was sich allerdings auch in etwas härterer Spielweise äußert. Portugal hat bislang noch kein Mittel gefunden, um den Defensivverbund der Tschechen zu knacken. Brückners Elf besetzt die Räume gut, die öffnenden Pässe und schnellen Antritte ihres Gegners werden meistens sehr konsequent unterbunden. Allerdings strahlt Portugal auch nicht das Können und die Selbstsicherheit wie im Spiel gegen die Schweiz aus, mehrere größere und kleinere technische Patzer trübten den Eindruck. Die Spieler wirken nicht perfekt aufeinander abgestimmt, die Laufwege der Mannschaftskollegen scheinen dem portugiesischen Mittelfeld zum Teil unbekannt zu sein.
Nach dem Spiel
Was ich ganz vergessen habe: Beschreibungen der beiden Tore. Die Führung für Portugal: Ein guter Pass, aber viele tschechische Verteidiger direkt vor dem Tor – Gewurstel, dann drin. Der Ausgleich: Ecke, wuchtiger Kopfball, drin.
In der zweiten Halbzeit konnte sich keine der Mannschaften wirklich steigern. Selbst nach der portugiesischen Führung durch Cristiano Ronaldo (ein Weitschuss – er hatte es zuvor schon mehrfach versucht und war gescheitert) stand das Spiel auf des Messers Schneide. Tschechien drängte nach vorne, Portugal stand hinten unsicher.
Kurz vor Schluss brachte ein Entlastungsangriff der Portugiesen, genial vorgetragen von Cristiano Ronaldo und dem Torschützen Quaresma die Entscheidung. Ein Foul weit in der portugiesischen Hälfte, ein rasant ausgeführter Freistoß auf einen sprintenden Cristiano Ronaldo, der alleine vor dem Torwart auch noch den Blick für seinen Nebenmann Ricardo Quaresma hatte, der nur noch einzuschieben brauchte. Man mag den zackig nach vorne gedroschenen Freistoß schlitzohrig nennen, aber das wird ihm nicht gerecht. In diesem Moment blitzte alles auf, was Portugal im Spiel gegen die Türkei kultiviert hatte: Geschwindigkeit, Spielverständnis und der Blick für die Spielsituation.
In der Summe war der Sieg vielleicht etwas zu hoch, denn Tschechien wehrte sich entschlossen und war alles andere als chancenlos, sondern war im gesamten Spiel dem Ausgleich näher als Portugal der höheren Führung.
Und: Während der portugiesische Torhüter im Spiel gegen die Türken vermeintlich seiner Kritiker Lügen strafte, zeigte er heute, dass er tatsächlich sehr unsicher ist. Fraglich, ob man mit so einem Keeper, der sich eigentlich nie wirklich souverän und auf die Situation vorbereitet präsentierte, wirklich weit kommen kann.
Das Spiel Schweiz gegen Türkei
Im Vorfeld als der große Kracher angekündigt, als Neuauflage des Skandalspiels der Qualifikation für die WM 2006 in Istanbul. Um ehrlich zu sein: Ich glaube nicht, dass wir heute abend viele überharte Aktionen sehen werden. Irgendwie vermute ich, dass es eines der langweiligeren Spiele dieser EM werden wird, die Schweiz ist nach dem Ausfall von Alex Frei in der Offensive mangelhaft besetzt. Wahrscheinlich werde ich das Spiel in Ausschnitten sehen.
Nach dem Spiel… Ich habe etwa ab der 50. Minute zugeschaltet, also zu einem Zeitpunkt, als die Schweiz noch 1:0 führte. Ein sehr dynamisches Spiel, das von beiden Seiten mit viel Energie betrieben wurde. Vor allem Senderos bei den Schweizern und Arda bei den Türken gefiehlen, aber auch die anderen Mittelfeldspieler agierten grandios (mir fallen nur bei den Schweizern Behrami und Inler sowie der sehr agile Stürmer Derdiyok ein, der trotz seiner Jugend eine großartige Partie ablieferte, bei den Türken blieb kein einzelner Name haften, sondern nur der gute Gesamteindruck). Übrigens: Alle Tore wurden von gebürtigen Türken erzielt und vorbereitet.
Besonders schön: Es wurde mit viel Einsatz und gebotener Härte gespielt, aber immer fair. Vor allem angesichts des WM-Quali-Spiels in Istanbul, bei dem die Türken (sowohl Fans als auch Spieler und Betreuer) Jagd auf alles machten, was nach Schweizer roch, keine Selbstverständlichkeit und einer der Gründe, warum dieses Spiel von vielen Seiten beobachtet wurde.
Zu sehen gab es wunderbarstes «Kick and Rush» auf einem nassen Rassen, zwei leidenschaftlich kämpfende Teams und am Ende enttäuschte Schweizer. Am liebsten würde ich den Schweden drei Punkte abziehen und sie den Schweizern zustecken, einfach so.