Nach zwei Spielen in der Gruppenphase

15. Juni 2008

Die Teilnehmer der EM 2008
Foto: von Mili & Harald auf flickr.com veröffentlicht, mit freundlicher Genehmigung der Autoren hier verwendet

Legende: In den Tabellen sind die fett markierten Mannschaften bereits für das Viertelfinale qualifiziert, kursiv dargestellte Nationen können noch rechnerisch weiterkommen.

Gruppe A

Nation S U N Tore Punkte
1. Portugal 2 0 0 5:1 6
2. Türkei 1 0 1 2:3 3
3. Tschechien 1 0 1 2:3 3
4. Schweiz 0 0 2 1:3 0

Portugal ist garantiert Gruppensieger, konnte die ersten beiden Spiele gewinnen und sich als erste Mannschaft den Einzug ins Viertelfinale sichern. Dabei spielte die Mannschaft von Luiz Felipe Scolari, der nach der EM Nachfolger von Avram Grant beim FC Chelsea wird, einen durchaus überzeugenden Fußball. Vor allem das erste Spiel der Portugiesen war sehr überzeugend!
Tschechien und die Türkei, beide mit drei Punkten und der gleichen Tordifferenz, streiten sich am kommenden Sonntag um den zweiten Platz. Endet die Partie unentschieden, geht es – der Punkt- und Torgleichheit sei dank – direkt nach den 90 Minuten ins Elfmeterschießen. Sowohl die Türken als auch die Tschechen konnten sich in ihrem zweiten Spiel spielerisch steigern, vor allem die Türken lieferten eine hochklassige Partie ab.
Die Schweiz ist bereits ausgeschieden.
Mein Tipp: Die Türkei kommt weiter, sagt der Bauch.

Gruppe B

Nation S U N Tore Punkte
1. Kroatien 2 0 0 3:1 6
2. Deutschland 1 0 1 3:2 3
3. Österreich 0 1 1 1:2 1
4. Polen 0 1 1 1:3 1

Kroatien startete mit zwei Siegen in das Turnier und ist als erste Mannschaft der Gruppe B für das Viertelfinale qualifiziert, wo der Gegner entweder die Türkei oder Tschechien sein wird. Damit ist zumindest eine Überraschung perfekt: Deutschland ist nicht als erste Nation weitergekommen, was vor allem an der desaströsen Partie gegen Kroatien lag.
Dementsprechend sorgenvoll blickt die DFB-Elf jetzt auch in die Zukunft. Am Montagabend muss das Spiel gegen Österreich gewonnen werden, bei einer Niederlage wäre Österreich weiter. Wenn Polen gegen Kroatien nicht gewinnt, dann würde den Deutschen auch ein Unentschieden reichen. Unangenehm wird es jedoch in jedem Fall: Im Viertelfinale wartet mit Portugal ein starker Gegner. Den wollte man, so hieß es im deutschen Lager vor dem Turnier, eigentlich umgehen und frühestens im Halbfinale auf die Scolari-Elf treffen.
Mein Tipp: Deutschland hat die klar beste Ausgangslage. Mit mehr Laufbereitschaft als gegen Kroatien dürfte der Sieg gegen Österreich, das zwar gefällig kombinierte, aber immer etwas langsam auf den Beinen wirkte, zu keinem Zeitpunkt gefährdet sein.

Gruppe C

Nation S U N Tore Punkte
1. Niederlande 2 0 0 7:1 6
2. Rumänien 0 2 0 1:1 2
3. Italien 0 1 1 1:4 1
4. Frankreich 0 1 1 1:4 1

Die vor dem Turnier angesichts der vermeintlich starken Gruppe als ein Kandidat für das frühe Ausscheiden gehandelte Niederlande zeigte sich in bärenstarker Form. Bondscoach Marco van Basten hat sowohl eine abgeklärte Defensive als auch eine kreative Offensive aufgebaut, vor allem über die Außenpositionen kommt mit Arjen Robben und Robin van Persie sehr viel Druck, während Ruud van Nistelrooy in der Angriffszentrale dafür zuständig ist, die in seinen Laufweg geschlagenen Bälle vor der gegnerischen Verteidigung zu erreichen und ins Tor zu befördern. Klappt gut, die niederländische Elf! (Und kaum jemand hatte sie auf dem Zettel, wahrscheinlich wegen dem Aus in der Qualifikation für die WM 2006.)
Italien und Frankreich enttäuschten bislang. Während der von Roberto Donadoni trainierte Weltmeister hauptsächlich am eigenen Pech scheitert, gelingt es Frankreich nicht wirklich, Druck aus dem Mittelfeld aufzubauen. Vor allem auf den Außenverteidigerpositionen, die in den letzten Jahren ja zunehmend eine wichtigere Rolle im Angriffsspiel einnehmen und für Flanken sorgen sollen, ist die Elf von Raymond Domenech schwach besetzt. Rumänien ist zwar momentan auf einem überraschend guten Platz 2, wird aber nach dem letzten Spiel wohl doch ausscheiden. Einzig Adrian Mutu ist ein Spieler von internationalem Format, alle anderen Spieler sind gehobener Durchschnitt, der als eingeschworene Mannschaft ordentlich funktioniert. Wenn Frankreich und Italien sich steigern, dann sieht es schlecht aus für die Rumänen, die als nächsten Gegner auch noch die Niederlande vor sich haben.
Mein Tipp: Rumänien fliegt raus. Frankreich und Italien waren zuletzt außer Form, jetzt müssen sich beide steigern. Ich denke, dass Italien durch ein Tor von Luca Toni gewinnt. Bedingung dafür ist, dass die nach der Verletzung von Fabio Cannavaro geschwächte italienische Defensive Thierry Henry unter Kontrolle bekommt. Gennaro Gattuso wird dafür sorgen, dass sich Franck Ribéry wünscht, nicht aufgestellt worden zu sein und der Druck aus dem französischen Mittelfeld wird aus genau diesem Grund zusammenbrechen.

Gruppe D

Nation S U N Tore Punkte
1. Spanien 2 0 0 6:2 6
2. Schweden 1 0 1 3:2 3
3. Russland 1 0 1 2:4 3
4. Griechenland 0 0 2 0:3 0

Spanien setzt sich mit einer relativ überzeugenden Leistung durch, auch wenn das Tor gegen Schweden erst kurz vor Schluss fiel. Der überragende spanische Angriff mit Fernando Torres und David Villa stellte selbst die defensiv sehr gut organisierten und strukturierten Schweden vor große Probleme. Ist die Mannschaft von Luis Aragonés ein Favorit auf den Titel? Eher nicht… Die linke Abwehrseite der Spanier offenbarte einige Mängel, die Schweden immer wieder nutzen konnte; bei präziseren Zuspielen wären hier weitaus mehr Tore gefallen.
Griechenland kann nach dem Spiel gegen Russland bereits die Koffer packen. Die Rehhagel-Elf konnte in zwei Spielen kein einziges Tor erzielen und damit ist das frühe Ausscheiden des amtierenden Europameisters eine relativ klare Sache.
Um den zweiten Platz in dieser Gruppe duellieren sich Schweden und Russland, die am kommenden Mittwoch die Klingen kreuzen. Während Hiddinks Russen einen Sieg brauchen, reicht für Schweden ein Unentschieden.
Mein Tipp: Der alternde Larsson und Ibrahimovic sorgen mit dem eingewechselten schnellen Johan Elmander für Wirbel in der russischen Abwehr. Ein knapper, aber verdienter Sieg für Schweden. Die russische Abschlussschwäche war ja schon im letzten Spiel gegen Griechenland offensichtlich.

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