Die ARD zieht zur EM ein ziemlich beeindruckendes Online-Portal auf, finanziert durch den BR und den SWR. Aktuelle Berichte, Live-Ticker und immer wieder auch Hintergrund-Berichte, zusätzlich ein gut geschriebenes Blog. Genau deswegen wünsche ich mir, dass die Öffentlich-Rechtlichen mehr Geld fürs Internet ausgeben dürfen.
Ich habe mir exemplarisch drei Artikel herausgegriffen, auf die ich hier hinweisen will:
- Nach dem Kroatien-Spiel beschäftigt sich Daniel Schwenk mit unserem Halbfinal-Gegner, der Türkei. Sein Urteil:
So sehr die Moral und Leidenschaft dieser türkischen Mannschaft Respekt verlangt, so wenig konnte sie – zumindest im Viertelfinale – spielerisch überzeugen. Einzige Ausnahmen Hamit Altintop und – mit Abstrichen – Tuncay Sanli. Gelingt es der deutschen Mannschaft Altintop aus dem Spiel zu nehmen, dann wäre damit das Mittelfeld der Türken seiner wichtigsten Schaltstelle beraubt. [...] Auch wegen Altintops Offensivdrang ist die türkische Abwehr vor allem auf der rechten Seite verwundbar. [...] Die durch Verletzungen gegen Kroatien schon unsichere Abwehr muss gegen Deutschland auch noch auf Verteidiger Emre Asik verzichten, der die zweite Gelbe Karte kassiert hat. Vor allem bei schnellen steilen Pässen in die Spitze von Modric hatten die türkischen Defensivspieler oft das Nachsehen. [...] Rüstü wirkte vor allem bei Eckbällen und Flanken oft völlig überfordert. Paradebeispiel die kroatische Führung in der 119. Minute. Für das Team von Joachim Löw kann das nur heißen: Schießen und Flanken, was das Zeug hält.
Es sieht also nach zwei Möglichen Konstellationen aus: Entweder spielt links Hitzlsperger, um Altintops Vorwärtsdrang zu unterbinden, oder Podolski spielt dort, um die türkische Abwehr zu knacken. Ich persönlich tendiere zur Variante Hitzlsperger, auch obwohl Podolski gut gespielt hat. Aber: Die Vermeidung von Gegentoren muss gegen die Türken das oberste Ziel aus. Ein Kompromiss wäre es, wenn Podolski bis zur 70. Minute spielt und dann Hitzlsperger eingewechselt wird und das Ergebnis sichern soll.
Im Übrigen gehe ich von einem 4-4-2 mit der bewährten Abwehr und einem Mittelfeld um Schweinsteiger – Ballack – Frings/Rolfes – Podolski/Hitzlsperger aus. Im Sturm wird Miroslav Klose spielen, neben ihm möglicherweise Podolski (auch als hängende Spitze, um bei Kontern die rechte türkische Abwehrseite zu überlaufen) oder vielleicht doch wieder Mario Gomez, der eine letzte Chance erhalten könnte. - Ein angenehm kleiner Blog-Eintrag von Matthias Weber ist im EM-Blog der ARD erschienen. Etwas in der Vergangenheit verhaftet, er fügt sich nicht widerstandslos in den Rest der Artikel ein. Aber doch ein nettes Stück über «Katsche» Schwarzenbeck, der bekanntlich einen Schreibwarenladen betreibt.
- Souverän zeigt sich die ARD auch bei aktueller Berichterstattung, wie etwa die Casa Bernhard Peters, der die deutsche Nationalmannschaft zuletzt in Interviews kritsierte (im Artikel ist die Rede von der Rhein-Neckar-Zeitung, in einem Interview in der taz vor dem Österreich-Spiel schien er mir auch nicht vorbehaltlos hinter Löw zu stehen, auch wenn er dies betont – die letzte Zeile mit der Betonung auf dem Ergebnissport legte mir nahe, dass er bezweifelt, dass Löw dieses Ergebnis wird erzielen können). Insgesamt sehr abgeklärte Berichterstattung.
- Auch ganz interessant: Ein Erklärstück zur deutschen Taktik gegen Portugal. Auf den ersten Blick ist der Artikel von Johannes Herold an Fußball-Laien gerichtet, auf den zweiten Blick entdeckt man aber auch Informationen, die auch für Kenner ganz interessant sein dürften, etwa das wahrscheinliche 4-4-2 im Halbfinale gegen die Türkei. Und: DFB-Chefausbilder Erich Rutemöller hält Spielphilosophien oft für überbewertet…
Tags: 4-4-2, ARD, Bastian Schweinsteiger, Bernhard Peters, BR, Daniel-Schwenk, Emre Asik, Erich Rutemöller, Hamit Altintop, Joachim Löw, Katsche Schwarzenbeck, Luka Modric, Lukas Podolski, Mario Gomez, Matthias Weber, Michael Ballack, Miroslav Klose, Online-Portal, Portugal, Rüstü, Rhein-Neckar-Zeitung, Simon Rolfes, SWR, Taktik, taz, Türkei, Thomas Hitzlsperger, Torsten Frings, Tuncay Sanli


