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Podolski weg vom FC Bayern?

23. Juni 2008

Die Meldung ist neu und sie ist es doch auch wieder nicht. Lukas Podolski will angeblich den FC Bayern verlassen. Das hieß es schon letztes Jahr, nach seinem ersten Jahr in München. Doch dieses Mal scheint mehr dran zu sein. Podolski äußert öffentlich indirekte Kritik an den Bayern-Verantwortlichen, Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff stärkt ihm den Rücken, Werder Bremen streckt die Fühler aus, der 1. FC Köln war sowieso schon seit dem geglückten Aufstieg interessiert.

Doch von vorne: Der 23-jährige Podolski spielte jahrelang in der Jugend des 1. FC Köln, hielt dem Verein lange die Treue – obwohl er es gar nicht nötig gehabt hätte: mehrere Bundesligisten hatten das Talent auf ihrem Einkaufszettel, doch für Podolski war Köln eine Herzensangelegenheit. Erst im Sommer 2006 verließ er die Rheinstadt, wurde für zehn Millionen Euro vom FC Bayern München verpflichtet. Dort kam er jedoch nie wirklich in Tritt. In zwei Jahren absolvierte er 27 Bundesliga-Spiele, schoss neun Tore – spielte allerdings innerhalb von zwei Jahren auch nur acht Mal über 90 Minuten, wurde oft nur eingewechselt. Dass Podolski mit dieser Situation unzufrieden ist, dürfte niemanden verwundern; zumal er keineswegs schwach war, sondern einfach nur harte Konkurrenz hatte: im Bayern-Sturm sind nun einmal Miroslav Klose und Luca Toni gesetzt. Die Position im linken Mittelfeld, die der deutsche Nationalspieler bei der EM mehrfach bravourös besetzte, ist im Verein auch für ihn keine wirkliche Option: Mit Franck Ribéry und Bastian Schweinsteiger lauert hier starke Konkurrenz, an der er auf Dauer wohl nicht so schnell vorbeikommen wird.
Bislang hatte Podolski versucht, sich durch gute Leistungen in die erste Elf zu spielen, doch was bei der Nationalmannschaft so wunderbar klappte, scheint beim FC Bayern nicht möglich. Podolski schiebt Frust, sieht sich als Stammspieler und nicht als Edeljoker. Dieser Frust scheint nun übergekocht zu sein. Podolski merkte bei der EM, dass er mit dem Adler auf der Brust gesetzt ist und mit dem Bayern-Wappen auf der Brust die Bank wärmen darf und auf einen Kurzeinsatz hoffen muss. Zuletzt blieb ihm die Hoffnung auf den neuen Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann, der bei der WM 2006 auf ihn als Stammkraft im Nationalteam baute. Doch diese Hoffnung scheint sich zu zerschlagen.

Jetzt sieht er den richtigen Zeitpunkt gekommen, um zu handeln: Der FC Bayern scheint Ausschau nach einem neuen Stürmer zu halten, parallel bringt sich Podolski per «Bild am Sonntag» ins Gespräch (Quelle: Transfermakt.de):

Ich hatte nicht das Gefühl, dass der Verein mir Vertrauen gibt. Und ich verspüre es auch jetzt nicht.

Ein klares Zeichen an die Verantwortlichen beim FC Bayern: Zeigt mir, dass ihr mich wollt. Ansonsten bin ich weg. Der offensichtliche Poker um den Stuttgarter Stürmer Mario Gomez ging Podolski offensichtlich gegen den Strich. Wer wünscht sich schon noch mehr Konkurrenz im eigenen Haus?
Dass das Herz des gebürtigen Polen an seinem Jugendverein, dem 1. FC Köln, hängt, ist kein großes Geheimnis. Dort starteten eifrige Fans auch schon eine Sammelaktion, um aus privaten Quellen die 18 Millionen Euro, die für einen Transfer wohl nötig wären, aufzutreiben. Aber ob sich Podolski für sein Herz und gegen die Angebote größerer Vereine entscheidet, steht auf einem anderen Blatt.
Rückendeckung erhielt er auch von Oliver Bierhoff, dem Manager der Nationalmannschaft (Quelle: Süddeutsche Zeitung):

Kritische Äußerungen stehen ihm auch einmal zu. Ich kann ihm nur raten, dass er jetzt noch zwei gute Spiele bei der EM macht.

Vor allem der letzte Satz klingt nach einem mehr oder weniger direkten Hinweis auf die EM als Bewerbung für andere Vereine. Und die haben auch die Qualitäten des Offensivspielers erkannt. Klaus Allofs ließ die «Frankfurter Rundschau» wissen, man sei sehr interessiert, wenn Podolski denn einen Wechsel an die Weser erwägen sollte (Quelle: Transfermarkt.de). Der findige Hanseat, der nach dem Abgang von Tim Borowski im Mittelfeld und Ivan Klasnic im Sturm auf der Suche nach hochklassigen Verstärkungen ist, hatte schon vor einem Jahr Podolski zu einem Wechsel überreden wollen. Damals war er jedoch daran gescheitert, dass «Poldi» sich nach einem von Verletzungen geprägten Jahr unbedingt bei den Bayern durchbeißen und den Durchbruch schaffen wollte. Doch jetzt scheint absehbar, dass für Podolski der Platz auf der Bank vorgesehen ist. Bremen, mit 75 Toren in der abgelaufenen Spielzeit das offensivfreudigste Team der Liga, sucht nach Verstärkungen im Sturm, wo große Namen derzeit Mangelware sind. Rosenberg und Almeida sind solide Spieler, aber nicht mehr, Sanogo spielte weniger als die beiden. Ein großer Name fehlt.
Doch wieso sollten Bremen und Bayern die einzigen Vereine sein, die an Podolski interessiert sind? Ein Rundumschlag in der Bundesliga:

  • FC Bayern München
    Warum sollte Podolski bleiben? Neuer Trainer, der auch schon während der WM 2006 auf ihn baute. Starke Spiele bei der EM, die seine Position sicherlich gestärkt haben. Kumpel Schweinsteiger.
    Warum sollte Podolski gehen? Enorme Konkurrenz. Podolski will spielen.
    Konkurrenz: Miroslav Klose, Luca Toni, evtl. bald ein weiterer Stürmer. Im Mittelfeld: Ribéry.
    Wahrscheinlichkeit: 35% Wenn Klinsmann auf ihn einredet und ihm einen festen Platz im Team verspricht, dann bleibt er. Sieht Klinsmann Podolski als Edeljoker, dann ist er weg.
  • Werder Bremen
    Warum sollte Podolski kommen? Hatte schon letztes Jahr Interesse. Spielt auch Champions League. Podolski wäre im Sturm wohl gesetzt. Das Spiel ist mit seiner Laufintensität und der Dynamik auf ihn zugeschnitten.
    Was spricht dagegen? Wahrscheinlich weniger Geld als beim FC Bayern. Bremen sondiert außerdem derzeit den Markt an Stürmern, Podolski ist also keineswegs der einzige Kandidat.
    Konkurrenz: Markus Rosenberg, Hugo Almeida, Boubacar Sanogo. Eventuell verpflichtet Bremen noch einen weiteren Stürmer. Im Bremer Mittelfeld wäre Podolski wegen seiner eher mittelmäßigen Defensivarbeit wohl fehlplatziert, denn hier muss schon für Regisseur Diego mitgeschuftet werden.
    Wahrscheinlichkeit: 55% Bremen wäre bei einem Wechsel wohl die erste Adresse, das Interesse besteht schon länger.
  • HSV
    Warum sollte Podolski kommen? Keine wirklich großen Namen im Sturm.
    Was spricht dagegen? Der neue Trainer Martin Jol hat viel England-Erfahrung, aber keine mit der Bundesliga. Es ist also wahrscheinlicher, dass Jol andere Namen, nämlich ausländische, auf dem Zettel hat.
    Konkurrenz: Ivica Olic, Paulo Guerrero.
    Wahrscheinlichkeit: höchstens 5%. Vor allem Martin Jol und seine England-Erfahrungen sprechen gegen einen Wechsel.
  • FC Schalke 04
    Warum sollte Podolski kommen? Bekannter Verein, der dank Gazprom auch viel Geld auf der hohen Kante haben dürfte.
    Was spricht dagegen? Auch hier ist es der neue Trainer. Fred Rutten wildert derzeit in der niederländischen Liga, vor allem bei seinem Ex-Klub Twente Enschede. Außerdem verfügen die Königsblauen derzeit über eine zahlenmäßig gut ausgerüstete Offensivabteilung
    Konkurrenz: Kevin Kuranyi, Halil Altintop, Gerald Asamoah, Vicente Sanchéz, Peter Lövenkrands, Sören Larsen. Eine Reihe von guten Spielern, die den Durchbruch nicht wirklich geschafft haben.
    Wahrscheinlichkeit: höchstens 3%. Wieder der neue Trainer, außerdem der mit Talenten gut bestückte Angriff.
  • VfB Stuttgart
    Warum sollte Podolski kommen? Stuttgart sucht einen Stürmer; derzeit sind vor allem die Namen Robert Vittek (1. FC Nürnberg), Ivan Klasnic (Werder Bremen), Marko Pantelic (Hertha BSC Berlin) und Claudio Pizarro (FC Chelsea) im Gespräch. Podolski wäre in diesem Fall eindeutig das größte Kaliber.
    Was spricht dagegen? Es gibt attraktivere Vereine als Stuttgart.
    Konkurrenz: Mario Gomez, Ciprian Marica, Cacau, Sergiu Radu.
    Wahrscheinlichkeit: etwa 3%. Podolskis finanzielle Forderungen und seinen Anspruch an einen renommierten Verein können andere Klubs besser erfüllen.
  • 1. FC Köln
    Warum sollte Podolski kommen? Der unumstrittene Publikumsliebling. Das ganze Spiel würde auf ihn zugeschnitten werden.
    Was spricht dagegen? Köln ist definitiv eine kleine Nummer und könnte schon nächstes Jahr wieder zweitklassig spielen. Auch finanziell reißt Köln keine Bäume aus.
    Konkurrenz: Milivoje Nevakovic, Nemanja Vucicevic, Adil Chihi.
    Wahrscheinlichkeit: etwa 5%. Podolskis Herz schlägt für Köln. Doch sein Kopf und sein Berater werden ihn davon abbringen wollen.
  • Ausland (Juventus Turin, Tottenham Hotspur)
    Warum sollte Podolski kommen? Hat durch eine starke EM eine mustergültige Bewerbung abgeliefert. Würde von vornherein wohl nicht als Edeljoker verpflichtet, da zu teuer. Podolski hat Angebote beider Vereine vorliegen (Quelle: kicker)
    Was spricht dagegen? Umstellung durch Wechsel ins Ausland, Kultur und Sprache. Außerdem: Risiko, genau wie bei den Bayern nie wirklich in die Mannschaft zu kommen.
    Konkurrenz: Robbie Keane, Darren Bent (beide Tottenham), evtl. Dimitar Berbatov (wechselt vlt. zu Manchester United), David Trézéguet, Vicenzo Iaquinta, Alessandro del Piero, Raffaele Paladino (alle Juventus Turin), Amauri und Michele Paolucci (wechseln zu Juventus Turin)
    Wahrscheinlichkeit: um die 4%. Podolski könnte einen Neuanfang wagen und schien laut kicker-Informationen auch durchaus interessiert. Allerdings wird ihm niemand Spielzeit garantieren können und er geht durch die gewaltige Umstellung auch ein enormes Wagnis ein.

PROGNOSE
Podolski bleibt bei den Bayern oder wechselt zu Bremen. Ist unter Klinsmann für Podolski kein fester Platz im Team eingeplant, dann wird dieser wohl die Koffer packen. Podolski gibt sich in der Presse wiederholt selbstbewusst, will sich als Stammspieler etablieren. Bremen ist in dieser Beziehung sicher die erste Adresse. Außerdem hatten die Hanseaten schon vor einem Jahr Interesse am damals verletzungsgeplagten Podolski.

Der ach so schlechte Europass

23. Juni 2008

Petr Cech am Prater
Foto: Von chris from vienna auf flickr.com veröffentlicht, mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Hätte man unmittelbar vor dem Turnier eine Blitzumfrage unter den Torhütern der EM und ihren Ersatzleuten gemacht, sie wäre verheerend für adidas gewesen. Der Europass flattere, so hieß es. Man könne ihn deswegen nicht festhalten. Mit diesem Ball provoziere man Tore.
Jetzt ist der Großteil der Europameisterschaft über die Bühne gegangen und ein kleines Fazit kann man sich erlauben: So schlimm, wie alle dachten, ist es nicht. Ich kann mich an genau einen Torwartfehler während des Turniers erinnern, wo es zur Katastrophe führte, dass der Ball nicht festgehalten werden konnte: Als Petr Cech im Spiel gegen die Türken einen Ball aus der Hand ließ und der Stürmer zum 3:2 entstand einschoss. Ansonsten größtenteils fehlerfreie Leistungen der Torhüter. Vor allem Ricardo im ersten Gruppenspiel der Portugiesen und Jens Lehmann im Viertelfinale gegen Portugal zeigten, dass sich dieser Ball durchaus festhalten lässt.

Um es kurz zu machen: Ich kann mich – abgesehen von Ballacks Freistoß im Viertelfinale – an kein Tor aus einer Distanz von etwa 20m erinnern. Vielmehr scheinen es die Feldspieler zu sein, die den Ball bei Weitschüssen nicht unter Kontrolle bekommen, Thomas Hitzlspergers Versuche gegen Portugal waren dafür symptomatisch.

Also: Bislang unbegründetes Jammern der Torhüter. Oder habe ich tatsächlich ein Tor aus größerer Distanz übersehen?

Italien glanzlos, Spanien ohne Durchschlagskraft

23. Juni 2008

Squadra Azzurra
Foto: Von montnoir@ auf flickr.com veröffentlicht, mit freundlicher Genehmigung des Autors

So farblos wie das Bild es nahe legt, so farblos war gestern Italien. Mit «ein müder Kick» ist die Partie noch wohlwollend beschrieben, denn Italien verschleppte über beinahe 120 Minuten das Spiel und drehte erst kurz vor Schluss der Verlängerung etwas auf, als den Spaniern langsam die Puste ausging.

Die Iberer hingegen wollten schon früher etwas versuchen, scheiterten aber an der italienischen Defensive oder ihrem eigenen Unvermögen. Es ist aber zugegebenermaßen auch sehr optimistisch, bei sieben Defensivspielern zu dritt einen Angriff mit Kurzpässen im Strafraum zu wagen…

Am Ende stand ein mutloses 0:0, das fällige Elfmeterschießen gewann Spanien, nachdem Iker Casillas zwei und Gianluigi Buffon einen Elfmeter pariert hatte.

Spannend war’s. Nicht.