FC Porto, ZSKA Sofia und Steaua Bukarest aus Champions League entfernt – oder lieber doch nicht

28. Juni 2008

ZSKA Sofia und der FC Porto wurden von der Champions League der kommenden Saison ausgeschlossen – diese Meldungen geisterten am 3. Juni durch die Presse. Doch was wurde daraus?

Hier eine Aufarbeitung des aktuellen Nachrichtenstands mit einigen Wochen Abstand.

Die Ausgangslage

ZSKA Sofia kann finanziell die Forderungen der UEFA nicht erfüllen. Borislaw Popow, der Geschäftsführende Direktor des Bulgarischen Fußballverbandes BFS, sagte, der Klub erhielte keine Lizenz der UEFA, könne deswegen auch nicht in der bulgarischen ersten Liga spielen. Das würde – trotz sportlicher Qualifikation – bedeuten, dass ZSKA nicht in der Champions-League-Qualifikation antreten dürfte und in die bulgarischen Amateurligen zwangsabsteigt. In der vergangenen Saison war ZSKA ohne Niederlage zum 31. Mal Meister geworden.
Der umstrittene ZSKA-Präsident Alexander Tomow trat zurück, sein Amt übernahm der bisherige Geschäftsführer Emil Kostadinow, der in den 90er Jahren bei Bayern München als Stürmer sein Geld verdiente.

Beim FC Porto ist der Fall anders gelagert. Den Portugiesen wird die Beteiligung an einem Schiedsrichter-Skandal in der Saison 2003/2004 vorgeworfen, wo Spielausgänge von 26 Referees verschoben wurden. Im Rahmen des Skandals wurden Porto in der abgelaufenen Saison vom portugiesischen Fußballverband sechs Punkte abgezogen und mit einer Geldstrafe in Höhe von 150.000 € bestraft. Außerdem wurde Vereinspräsident Jorge da Costa für zwei Jahre gesperrt. In der vergangenen Saison war Porto mit 18 Punkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Sporting Lissabon portugiesischer Meister geworden. Bei dem Ausschluss aus der Champions League würde der Drittplatzierte Vitória Guimarães SC nachrücken.
Der FC Porto kündigte umgehend Berufung an.

Wenige Tage später wurde auch der Ausschluss von Steaua Bukarest bekannt gegeben. Den Rumänen wird vorgeworfen, den Spielausgang eines entscheidenden Meisterschaftsspiels durch «positives Doping» beeinflusst haben zu wollen.
Am letzten Spieltag der vergangenen Saison musste Universitatea Cluj gegen CFR Cluj mindestens Unentschieden spielen, damit Steaua noch eine Chance auf den Meistertitel gehabt hätte. Am Spieltag wurde eine Gruppe Männer mit Geldkoffern festgenommen, die Berichten zufolge im Auftrag von Steaua-Präsident Gigi Becali handelten. In den Koffern wurden umgerechnet 1,7 Millionen Euro beschlagnahmt, die wohl als Anreiz für Universitatea gelten sollten, das Spiel zu gewinnen. CFR Cluj gewann das Lokalderby 1:0 und sicherte sich damit den Meistertitel.
Der rumänische Fußballverband FRF sperrte Klub-Präsident Becali für zwei Jahre und belegte ihn mit einem Stadionverbot, Steaua-Spieler Petre Marin wurde für sechs Monate gesperrt, dem Verein nachträglich sieben Punkte abgezogen. Damit hätte Steaua den zweiten Tabellenplatz gehalten und die Teilnahme an der Qualfikation für die Champions League erreicht. Am 6. Juni schritt die UEFA-Disziplinarkomission ein und schloss Steaua Bukarest von internationalen Wettbewerben aus.

Wie ging es weiter?

Beim FC Porto gab es am schnellsten Neuigkeiten: Schon wenige Tage nach dem Ausschluss nahm der Berufungssenat der UEFA die Entscheidung zurück. Adelino Caldeira, Vorstandsmitglied des FC Porto, erklärte gegenüber der Presse: «Das Ergebnis am Freitag war, dass die Entscheidung vom 4. Juni annulliert worden ist und der Fall noch einmal neu untersucht wird.» Später gab dann UEFA-Mediendirektor William Gaillard bekannt: «Es wird ihnen erlaubt, in der nächsten Saison teilzunehmen.»
Also: Freispruch für den FC Porto.
[Update: Jorge da Costa muss nicht ins Gefängnis, das Gericht ließ die Anklage fallen. Dem Klubpräsidenten war vorgeworfen worden, am 18. April 2004 vor dem Spiel zwischen dem FC Porto und Beira Mar den Schiedsrichter bestochen zu haben.]

ZSKA Sofia darf in der nächsten Saison weiterhin in der ersten bulgarischen Liga spielen, bleibt aber von den Wettbewerben der UEFA ausgeschlossen. Voraussetzung für die Abwendung des Zwangsabstiegs bleibt, dass ZSKA bis zum 4. August alle ausstehenden Zahlungen begleicht und dem nationalen Fußballverband regelmäßige Finanzprüfungen erlaubt.

Zu Steaua Bukarest konnten keine weiteren Entwicklungen recherchiert werden. Es sieht aus, als ob der Status quo der von vor drei Wochen wäre: Bestrafung durch nationalen Fußballverband bleibt, Champions-League-Qualifikations-Ausschluss auch.
[Update: Der Kontroll- und Disziplinarausschuss der UEFA entschied am 30. Juni, dass Steaua nun doch an der CL-Qualifikation teilnehmen darf. Die Strafe wurde anulliert, da der Rumänische Fußballverband sein Verfahren gegen Steaua Bukarest noch nicht abgeschlossen habe. Allerdings hatte dieser Steaua bereits mit einem Punktabzug von sieben Zählern bestraft.]

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