Wer das EM-Finale gewinnen wird

28. Juni 2008

Deutschland gegen Spanien. Die einen schon mit dem Ziel angetreten, den Pokal nach Hause zu holen, nachdem dieses Projekt bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land vor zwei Jahren kurz vor dem Ziel scheiterte, die anderen das Klischee einer schön spielenden, aber letztlich erfolglosen Mannschaft. Am Sonntag wird eine der beiden Nationen als glückliche Sieger auf dem Rasen stehen und den Pokal in den Wiener Nachthimmel strecken. Doch genau eine Frage ist noch offen: Wer wird jubeln? Und wer wird weinen?

Die deutschen Stärken

  • Podolski ist ein Aktivposten im linken Mittelfeld, läuft viel und kann eine gegnerische Abwehrkette auseinanderreißen.
  • Schweinsteiger spielt eine hervorragende EM, zeigt sich lauf- und kampfstark, aktiv nach vorne. Er ist der deutsche Prototyp des nachrückenden Mittelfeldspielers.
  • Miroslav Klose ist ein aktiver Stürmer, auch wenn er in letzter Zeit nicht mehr der klassische «Knipser» ist. Er erkämpft Bälle, öffnet Lücken, legt auf. Gegen Portugal und die Türkei war er auch wieder bei Kopfbällen erfolgreich.
  • Ballack kann ein kompletter Mittelfeldspieler sein: hinten immer wieder aushelfend, aber auch immer wieder in die Spitze stoßend. Zweikampfstark, robust, torgefährlich.
  • Arne Friedrich schafft es immer wieder, die rechte Abwehrseite komplett dichtzumachen. Seine sehr defensive Interpretation der Rolle des Außenverteidigers erstickt zahlreiche Angriffsversuche im Keim.
  • Ein deutsches 5er-Mittelfeld kann durch Zweikampfstärke dominierend sein. Hitzlsperger und Rolfes/Frings als Wachhunde vor der Abwehr, Ballack als omnipräsenter Führungsspieler, Podolski und Schweinsteiger, die den Weg in die Spitze suchen und oft schon fast hängende Spitzen spielen.

Die spanischen Stärken

  • Drei Tore im Halbfinale gegen Russland sind ein klares Zeichen. Spanien wird nicht neunzig Minuten abwarten, sondern selbst ein Spiel aufbauen wollen.
  • Cesc Fabregas, gegen Russland früh eingewechselt, hielt das spanische Mittelfeld zusammen, arbeitete viel nach hinten und leitete durch präzise Pässe immer wieder gute Angriffe ein.
  • Daniel Güiza, spanischer Torschützenkönig und eigentlich nur Einwechselspieler, zeigte gegen Russland sein ganzes Können. Ein Stürmer, der seinen Körper einsetzt, den Abschluss sucht – und dabei oft erfolgreich ist.
  • Sergio Ramos, die Konstante in der spanischen Verteidigung. Enorm zweikampfstark.
  • Das spanische Mittelfeld mit Xabi und Iniesta. Kreativ nach vorne!
  • Das spanische Kurzpassspiel. Gepflegte Pässe bis an den gegnerischen Strafraum bei gleichzeitiger Ruhe und der Suche nach der Lücke.

Die deutschen Schwächen

  • Die Verteidigung, speziell die Innenverteidigung. Mertesacker und Metzelder sich unsicher und oft auch unkoordiniert. Mit Torres und Güiza hat der Gegner zwei starke Stürmer im Aufgebot, die die deutschen Innenverteidiger erst einmal unter Kontrolle bekommen müssen.
  • Schlechtes Halbfinale. Die Partie gegen die Türkei untermauerte keinesfalls die Titelambitionen von Deutschland. Ob zum Finale noch einmal eine Steigerung möglich ist, ist fraglich.
  • Frings’ Rippe ist angebrochen, aber wahrscheinlich wird er spielen. Er ist in seiner Beweglichkeit eingeschränkt und in der Rippengegend schmerzempfindlich. Ein Gegner, der den Sieg unbedingt will, nutzt dies aus und verwickelt Frings immer wieder in harte Zweikämpfe – irgendwann wird die Rippe nachgeben.

Die spanischen Schwächen

  • David Villa, mit vier Toren der beste Torschütze der Spanier, ist verletzt. Torres’ Sturmpartner ist schwer zu ersetzen, vor allem weil Torres Pässe im Sturm alle auf Villas Laufwege zugeschnitten sind.
  • Mit Luis Aragonés haben die Spanier einen Trainer, dem immer wieder ein Hang zur Kauzigkeit nachgesagt wird. Fabregas, eine der Größen des spanischen Mittelfeldes, wurde bei ihm zum Einwechselspieler degradiert. Wenn Joachim Löw der frisch ausgebildete Koch ist, dann ist Aragonés der alte Hobby-Koch – das kann ihm zum Verhängnis werden.
  • Das spanische Mittelfeld (Senna, Iniesta, Xavi, David Silva, Fabregas) ist im Schnitt 1,73m groß, dem deutschen also körperlich unterlegen.
  • Kein echter defensiver Mittelfeldspieler. Senna kann die Position spielen, zeigt aber immer wieder mehr Zug nach vorne als Arbeit nach hinten. Bei deutschem Ballbesitz werden sich vor der spanischen Abwehrkette Lücken auftun.

Fazit

Ich glaube an einen 2:1-Sieg der Deutschen. Warum? Spanien wird sich offensiv nicht so leicht ausschalten lassen, es wird Torchancen geben. Aber wenn diese so aussehen wie gegen Russland, dann wird Lehmann mit seiner Spielweise auch viele spanische Chancen abfangen können, seine Spielweise, sein langes Stehenbleiben, wird Spaniens Sturm Probleme bereiten.
Die Iberer sind eine nach vorne drängende Mannschaft, dadurch entstehen zwangsweise Kontermöglichkeiten. Podolski und Schweinsteiger haben in den letzten Spielen immer wieder die Lücken zwischen Mittelfeld und Abwehr aufgespürt und sind in diese hineingestoßen – mit der verheerenden Folge, dass sie ohne Gegenspieler laufen konnten. Gegen Spanien wird es das wieder geben.
Ich glaube an einen hochmotivierten Michael Ballack, der wie schon im Champions-League-Endspiel keinen Zweikampf scheuen wird. Die körperlich unterlegenen Spanier, deren Mittelfeld im Schnitt 11cm kleiner ist als das deutsche, werden gegen hart und robust auftretende Spanier Probleme haben, Zweikämpfe zu gewinnen. Auch der spanische Sturm dürfte Probleme haben: Mertesacker und Metzelder sind im Schnitt 15cm größer als Torres und Guiza. Wenn die beiden Deutschen ihre Überlegenheit einzusetzen wissen, dann wird es ein harter Abend für den spanischen Sturm.
Das spanische Mittelfeld kombiniert gerne bis an den gegnerischen Strafraum, nutzt dabei vor allem Kurzpässe. Die Aufgabe der deutschen Defensive ist damit klar umrissen: Alle Gegenspieler hart decken und dafür sorgen, dass nicht zu viele Freiräume entstehen. Damit kann das spanische Offensivspiel massiv verlangsamt werden. Es kommt vor allem auf Übersicht an, bei Spanien gibt es kaum weite Bälle in den Rücken der Abwehr, die der Sturm erlaufen soll.
Insgesamt denke ich, dass eine Kombination von körperlicher Überlegenheit (und daraus resultierenden guten Zweikampfwerten) und unbedingtem Willen Deutschland den Sieg bringen wird. Solide Arbeit nach hinten ist ein absolutes Muss, Chancen für die deutsche Offensive werden sich zwangsläufig bieten.

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Eine Antwort zu “Wer das EM-Finale gewinnen wird”


  1. [...] (Platz 5)! :( L’Espagne bzw. Spain ist favorisiert. Die Bergtour wird ausgerechnet auf dem Gipfel [...]


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