Gehaltsobergrenzen für den Profi-Fußball, das ist der Vorschlag von Karl-Heinz Rummenigge. Der ehemalige Bayern-Profi und Italien-Legionär ist nicht nur Vorstandvorsitzender des FC Bayern München, sondern auch Vorsitzender der European Club Association (ECA), der Interessensvertretung europäischer Fußballklubs.
Die am 21. Januar 2008 gegründete Lobby-Organisation ist der Nachfolger der G-14, einem weitaus elitäreren Kreis europäischer Vereine (übrigens 18 und nicht 14 wie der Name vermuten lässt). Die alte G-14 hatte sich aufgelöst als Kompromiss für UEFA und FIFA: Die Vereine forderten Entschädigungen für die Abstellung von Spielern für Welt- und Kontinentalmeisterschaften. Wichtigster Punkt für die Vereine: Immer wieder kommen Nationalspieler verletzt von Länderspielen zurück, zuvor hatte der Verein damit den kompletten Ärger, jetzt gibt es eine Kompensationsleistung durch die supranationalen Fußballverbände. Bis zum Jahr 2012 sollen 174 Millionen Euro von diesen an die einzelnen Klubs fließen; verteilt wird nach verschiedenen Schlüsseln, beispielsweise gibt es bei der EM 2008 pro Tag und Spieler 4000€ für den Verein. Im Gegenzug hatte die G-14 eine Absichtserklärung unterzeichnet, um sich selbst aufzulösen. Den Fußballverbänden war die Klubvertretung schon immer ein Dorn im Auge, sie focht für die Interessen der Fußballklubs und wehrte sich dagegen, dass Entscheidungen über deren Kopf hinweg getroffen wurden.
Die neue Kluborganisation ECA ist weitaus ineffizienter, weil breiter aufgestellt. Aus ehemals 18 Mitgliedern wurden 103, die sich zudem alle zwei Jahre ändern, da die Mitgliederzahl mit der Platzierung in der UEFA-Fünfjahreswertung schwankt. Kein verschworener Kreis mehr, sondern eine offene Gemeinschaft. Mitte Juni wurde die ECA von der EU offiziell als Arbeitgeberorganisation anerkannt, sie umgibt also nicht mehr der Mythos der immer etwas nebulösen G-14, die sich selbst als graue Eminenz inszenierten.
Doch diese offene Gemeinschaft hat mit ihrer Gründung den ersten Coup gelandet, nämlich die Entschädigungszahlungen für die Abstellung von Nationalspielern. Nachdem die ECA den Fußballverbänden Geld abgetrotzt hat, will sie sich nach dem Willen des derzeitigen Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge um die eigene Gesundung kümmern. Im Gespräch mit dem kicker sagte dieser, 85% der europäischen Profi-Klubs defizitär wirtschafteten, also Jahr für Jahr mehr Schulden anhäufen und über ihren Verhältnissen leben.
Rummenigge forderte, den Anteil der Gehaltszahlungen an der Gesamtbilanz zwischen 50 und 55 Prozent festzusetzen. Vor allem in Italien und Spanien gilt es als gängige Praxis, astronomische Gehälter zu zahlen und mit einem jährlichen Defizit des Vereins zu leben. Dieser Salary Cap, so Rummenigge, mache den Fußball gesünder.
Einen Befürworter hat er nach eigenen Angaben im UEFA-Präsidenten Michel Platini gefunden – auch wenn der ECA-Vorsitzende gegen Platinis Vorschlag einer 6+5-Quotenregelung ist.


