Mach mir den Klinsmann!

7. Juli 2008

Sommerpause heißt fußballfreie Zeit, heißt Berichterstattung rund um die trainierenden Vereine. Selten werden in Ermangelung von anderen Fakten kleinste Gerüchte und Details so aufgeblasen wie in dieser Jahreszeit. So auch der Fußballblog der ARD, der die Bundesligaklubs in ihrer Vorbereitung begleitet. Dass dies zwangläufig zu Belanglosigkeiten führt, ist kein Geheimnis, aber selten wurde in den Sportteilen der Bundesrepublik so intensiv diskutiert, welcher Verein wie lange trainiert und welche neuen Methoden welcher Trainer anwenden will. Losgetreten hat diese Welle Jürgen Klinsmann, der seit der spielerisch attraktiven WM 2006 als Heilsbringer gilt. Von Klinsmann lernen heißt Siegen lernen, da ist sich der Sportteil einig.

Der neue Trainer Bruno Labbadia [Bayer Leverkusen] hat Klinsmann sogar getoppt und für die Profis den 10,5-Stunden-Tag eingeführt. Labbadia bestellte die Bayer-Profis in der ersten Trainingswoche schon um 8:00 Uhr ein. Erst stand eine Gymnastik-Einheit und gemeinsames Frühstücken auf dem Programm, dann ging es raus auf den Platz. Nach Taktik-Schulung und einer weiteren Trainingseinheit endete der Arbeitstag für Patrick Helmes und Kollegen schließlich um 18. 30 Uhr – da hatten sich die Kollegen aus der Frühschicht des benachbarten Bayer-Werks schon längst ihr Feierabend-Bierchen gegönnt. “Es ist sehr anspruchsvoll und anders. Aber es macht Spaß”, sagte ein erschöpfter Gonzalo Castro, als ihn der Lokalreporter vom Express nach dem Zehn-Stunden-Tag empfing.

Ich bin gespannt, wie lange sich dieser Hype hält. Werden wir in ein paar Jahren über zulässige Maximalarbeitszeiten für Fußballer diskutieren? Die Blase wird platzen, sobald der Ball in der Bundesliga wieder rollt. Schade, dass jetzt so viel Energie in oberflächliche Artikel gesteckt wird und nicht in einem halben Jahr in eine Hintergrund-Reportage.

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