Glaubt man SpiegelOnline (und einigen anderen Nachrichtenseiten, die die gleiche Meldung veröffentlichten), dann hat Samuel Eto’o, den der FC Barcelona mit seinem neuen Trainer Josep Guardiola bis zur neuen Saison loswerden will, einen neuen Verein gefunden. Kuruwtschi Taschkent, in der englischsprachigen Wikipedia bekannt unter dem Namen PFC Kuruvchi, soll sich die Dienste des kamerunischen Stürmers gesichert haben.
Kuruwtschi wer? Der Meister der usbekischen Liga spielt nächste Saison in der AFC Champions League, dem höchsten internationalen Wettbewerb des asiatischen Fußballverbandes. Dort treten auch die Klubs der arabischen Öl-Scheichs an, die bekanntlich Jahr für Jahr mit europäischen Profis aufgerüstet werden.
Zum Vergleich: In Usbekistan würden Eto’o bei Heimspielen nicht einmal 20.000 Zuschauer bejubeln, im Camp Nuo von Barcelona wären es knapp 100.000.
Auf den ersten Blick scheint die Meldung ein verspäteter April-Scherz zu sein. Aber: Die Vereinswebseite beteuert, dass die Chance bestehe, dass der Kameruner die Rückrunde der usbekischen Liga im Kuruvchi-Trikot absolviert. Am 17. Juli soll der Superstar zur Vertragsunterschrift und zu sportmedizinischen Untersuchungen in Usbekistan eintreffen. Angesichts des Medieninteresses wurde die Meldung sogar noch einmal bekräftigt: Ja, es werde tatsächlich über eine Vertragsunterschrift verhandelt.
Aber: Die hiesige Sportpresse zitiert die Meldung des Vereins unsauber. PFC Kuruvchi erklärt, den Stürmer für die Rückrunde der usbekischen Liga verpflichten zu wollen. Das heißt: Eto’o sammelt Spielpraxis und der Leihvertrag spült Geld in die Kassen Barcelonas. Zurück kommt ein Superstar, der in der Ferne erlebt hat, wie gut es ihm in Barcelona eigentlich geht und mit umso mehr Engagement wieder für die Spanier spielt.
Mein Tipp: Der Transfer stimmt, Eto’o spielt eine halbe Saison in Usbekistan, wird nicht von Barcelona verkauft, sondern nur verliehen – und kommt geläutert zurück, um den FC Barcelona wieder zum besten Verein Europas zu machen.
Andere Meinungen?
Update: Die Meldung des Vereins ist tatsächlich keine Ente, Eto’o kam wie angekündigt nach Taschkent (Meldung auf der Vereinsseite mit Fotos). Mit an Bord waren auch Nicoloz Mikadze und Joan Patsy, die der Verein als Vertreter des FC Barcelona bezeichnet (meine eigenen Recherchen ergaben keine brauchbaren Informationen zu den beiden Personen) sowie Eto’os Berater Jose Maria Mesalles.
Noch am gleichen Tag sprach Samuel Eto’o in einer Pressekonferenz mit den örtlichen Medienvertretern (Meldung auf der Vereinsseite mit Fotos). Eto’o bestätigte, dass er ein konkretes Angebot des Vereins erhalten habe, genau deswegen sei er ja in Taschkent. Allerdings habe er auch Angebote anderer Klubs und müsse sich erst noch entscheiden.
Einer dieser anderen Interessenten ist wohl der FC Liverpool, behauptet goal.com. Nach dem Abgang von Peter Crouch fahndet Rafael Benítez nach einem Sturmpartner für Fernando Torres. Zudem steht mit Andriy Voronin ein weiterer Stürmer vor dem Absprung und Benítez’ Wunschkandidat Robbie Keane wäre nur für eine hohe Ablöse aus seinem Vertrag bei Tottenham Hotspur loszueisen. Als namhafte Stürmer blieben den Reds folglich neben Torres nur noch Ryan Babel und Dirk Kuyt.
Im Moment sieht es aber danach aus, dass Josep Guardiola Eto’o nicht unbedingt loswerden will und die Iniative eher vom Vereinsvorstand ausgeht. Gegenüber goal.com sagte der neue Barça-Trainer, er werde auf Eto’o als Stürmer bauen, wenn ein Transfer des Kameruners scheitern sollte. Ein Kompromiss zwischen Trainer und Präsident wäre die Variante «Taschkent»: ein hoch dotierter Leihvertrag für ein halbes Jahr, Eto’o soll in Usbekistan bemerken, wie gut es ihm doch bei Barça geht und gestärkt und hochmotiviert zurückkommen.
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16. Juli 2008 um 10:29
[...] Auf dem Blog von 15:30-Taktikbesprechung wird der Transfer noch einmal deutlicher erklärt. Es soll nur ein Leihgeschäft für [...]