16. Juli 2008
Javier Caceres berichtet für die Süddeutsche Zeitung aus der Primera Division – und er hat keine guten Nachrichten für Freunde des spanischen Fußballs. Dort sind die Vereine traditionell in der Hand von Bau-Unternehmern, oft einer einzigen Person, die den gesamten Verein kontrolliert. Doch mit der Krise der spanischen Immobilienbranche sind immer mehr Klubpräsidenten gezwungen, ihr liebstes Spielzeug abzustoßen. Die Primera Division schlittert in eine Finanzkrise.
Deportivo La Coruña, Real Mallorca, Racing Santander, FC Valencia, Unión Deportiva Las Palmas, CD Alavés, Real Sociedad San Sebastián, Sporting Gijón – die Liste der Namen ist lang und eines ist ihnen allen gemein: Sie sind keine grauen Mäuse, sondern feierten Erfolge, auf die der rasche Absturz folgte.
Das Muster ist immer gleich: Unternehmen pumpen Geld in den Verein, kommen selbst in Schwierigkeiten und sind gezwungen, sich zurückzuziehen. Der Verein stürzt ab – im besten Fall bleibt es dabei, doch der Normalfall sieht anders aus: Insolvenz, ein eingesetzer Insolvenzverwalter bringt den Verein finanziell auf Vordermann, das Hoffen auf den nächsten Sponsor beginnt.
Die Spieler leiden, denn bei Insolvenzen müssen Gehälter nur teilweise ausgezahlt werden. 66.000€ netto muss ein Fußballer in Spanien jährlich mindestens verdienen, das ist tariflich festgeschrieben. Doch finanziell ins Straucheln geratene Klubs versuchen sich um diese Zahlungen zu drücken, verzögern die Gehälter. Das stinkt der AFE, der spanischen Spielergewerkschaft. Sind bis zum 31. Juli nicht alle ausstehenden Gehälter überwiesen, dann werde der erste Spieltag der neuen Saison bestreikt, so die Drohung.
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16. Juli 2008
[Nachtrag: Hier mein Bericht zum Finale, das Deutschland gewann.]
- Die EM findet in einem etwas seltsamen Modus statt: Nicht wie bei den Senioren 16 Nationen sondern nur 8 Länder spielen ihren Meister aus. Neben Gastgeber Tschechien sind dies England, Bulgarien, Ungarn, Deutschland, Spanien, Italien und Griechenland, die jeweils ihre Qualifikationsgruppe gewannen. Namhafte Mannschaften wie etwa die Niederlande oder Portugal konnten sich nicht qualifizieren. Einen kompakten Spielplan inklusive der bei Eurosport gezeigten Partien gibt es auf der Webseite der UEFA.
- Die acht Endrundenteilnehmer werden in zwei Qualifikationswettbewerben ermittelt. Zunächst ermitteln alle europäischen Teams in der Qualifikationsrunde, welche Teams zum Einzug in den zweiten Qualifikationswettbewerb berechtigt sind. Hier schieden interessanterweise bereits alle britischen Fußballverbände außer der englische aus. Die 28 Nationen ermitteln in dem zweiten Wettbewerb, der so genannten «Eliterunde», in sieben Gruppen, wer zum eigentlichen Turnier zugelassen wird. Nur jeweils die Gruppensieger kommen weiter. In der «Eliterunde» finden sich überraschend viele Nationen, denen man dies im Senioren-Bereich keineswegs zutrauen würde. So belegte Weißrussland in seiner Gruppe den zweiten Platz hinter England (und hätte am letzten Spieltag sogar noch die Chance gehabt, sich mit einem Sieg über England für die Endrunde der U19-EM zu qualifizieren), Island platzierte sich ebenfalls als Gruppenzweiter vor Israel und Norwegen. Auch Zypern, Albanien, Moldawien und Armenien scheiterten erst in der «Eliterunde». Eine Übersicht über alle Gruppen gibt es bei der UEFA.
- Die acht Mannschaften der EM werden in zwei Vierergruppen aufgeteilt. Auf der sehr aufgeräumten UEFA-Seite gibt es sowohl aktuelle Tabellen als auch Spielberichte und Statistiken zu allen bereits absolvierten Partien.
- Im Auftaktspiel siegte die von Horst Hrubesch trainierte deutsche Elf gegen die favorisierten Spanier, einen der großen Turnierfavoriten. Hrubesch im Tagesspiegel:
Die Spanier sind seit Jahren eine Macht im Nachwuchs. In den vergangenen sechs Jahren sind sie viermal Europameister geworden. [...] Jetzt waren sie mal fällig.
- Hrubesch legte sich taktisch auf kein festes System fest, sondern will je nach Gegner variieren. Jedoch soll das 4-4-2 Ausgangsbasis für alle taktischen Überlegungen sein.
- Deutschland siegte im ersten Spiel 2:1 gegen Spanien, den amtierenden U19-Europameister. Die frühe Führung durch Richard Sukuta-Pasu (Stürmer von Bayer Leverkusen) in der siebten Spielminute baute Linksverteidiger Ömer Toprak vom SC Freiburg in der 57. Minute mit einem erfolgreichen Kopfball nach einer Ecke zu einem 2:0 aus. Beide Tore wurden von Timo Gebhart (TSV 1860 München) vorbereitet. Spanien konnte in der 66. Minute durch Jordi Alba (FC Valencia) noch den Anschlusstreffer erzielen.
- Matthias Sammer, Sportdirektor des DFB, sah die deutsche Leistung jedoch kritisch: «Wenn man 2:0 führt, muss man noch akribischer arbeiten und darf dem Gegner keine Luft lassen. Das ist nicht passiert, und so etwas verstehe ich nicht.»
- Sowohl für Sukatu-Pasu als auch für Toprak, der im Verein eigentlich in der Innenverteidigung statt auf der linken Defensivposition spielt, war dies das erste Spiel für die U19-Nationalmannschaft. Vor allem dem Leverkusener Sukatu-Pasu wird eine große Zukunft prophezeit: Physisch präsent mit einer Körpergröße von 1,88m und zudem technisch beschlagen. Unter dem neuen Trainer Bruno Labbadia rutschte er in den Amateur-Kader und wurde vorsorglich auch schon für die Profi-Mannschaft mit einer Rückennummer gemeldet.
- Jedoch haben beide Nationen nicht mit die besten Spielern ihres Jahrgangs im Kader. Auf spanischer Seite absolviert Bojan Krkic (FC Barcelona) die Vorbereitung in seinem Verein, bei Deutschland wären theoretisch Marko Marin (Borussia Mönchengladbach) und Toni Kroos (FC Bayern München) spielberechtigt. Beide sollen sich auf die kommende Bundesliga-Saison konzentrieren und vorbereiten können. Maxim Choupo-Moting (Hamburger SV), ein weiteres großes Talent des Jahrgangs, verpasst die EM verletzungsbedingt.
- Mit dem Sieg gegen Spanien hat die U19 auch schon die Qualifikation für die U20-WM 2009 in Ägypten so gut wie sicher. Sechs der acht EM-Teilnehmer sind automatisch qualifiziert, die Chancen für Deutschland stehen nach dem Auftaktsieg gut.
- Vor allem die gute Jugendarbeit des TSV 1860 München sticht bei dieser Junioren-EM ins Auge: Mit Florian Jungwirth (Abwehr), Sven Bender, Lars Bender und Timo Gebhart (alle Mittelfeld) stehen gleich vier Akteure des 18-köpfigen Kaders bei den «Löwen» unter Vertrag. Erst kürzlich wurde der Zweitligist für seine herausragende Nachwuchsarbeit von der DFL ausgezeichnet. Die Sport-Redaktion der ARD berichtet, die belgische Agentur «Double Pass» habe kürzlich den Nachwuchsbereich von 39 Profi-Klubs auf Herz und Nieren untersucht, neun Klubs erhielten drei Sterne – und einer von diesen neun ist 1860. 13 der 18 deutschen Erstligisten schnitten schlechter ab als die von Ernst Tanner betreute Münchener Jugendabteilung. Weitere Details zur Jugendarbeit des TSV 1860 gibt es im ARD-Artikel.
- Auf der Seite des DFB gibt es einen Überblick über den deutschen Nachwuchs-Kader. Bemerkenswert sind vor allem der England-Legionär Ron-Robert Zieler (Manchester United, Tor) sowie der in Italien spielende Savio Nsereko (Brescia Calcio, Sturm). 1860 München und Bayer Leverkusen stellen mit je vier Spielern das größte Kontingent. Die deutschen Hoffnungen ruhen vor allem auf den Bender-Zwillingen Sven und Lars, die ungeachtet ihres Alters für die «Löwen» jeweils über 40 Zweitliga-Spiele absolviert haben und dementsprechend über Erfahrung verfügen. Timo Gebhart gilt als Talent auf der Position des Spielmachers, während im Angriff vor allem vom Leverkusener Deniz Naki viel erwartet wird. Sein Sturmkollege Manuel Fischer (VfB Stuttgart) machte bereits vor zwei Jahren auf sich aufmerksam, als er bei der U17-WM Torschützenkönig wurde (5 Treffer im Lauf des Turniers, insgesamt 13 Tore im Turnier und in allen Qualifikationswettbewerben).
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16. Juli 2008
Die «ZEIT» zeigt in einer Bilderserie das Innenleben des neuen Trainingszentrums des FC Bayern. Einzelne Elemente aus Jürgen Klinsmanns Trainings-Konzept werden herausgegriffen und verglichen: wo wird dies bereits praktiziert?
Durchaus interessant!
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16. Juli 2008
Gerd Dembowski berichtet für die taz vom ersten europäischen Fan-Kongress, der im Emirates Stadium des FC Arsenal stattfand. 250 Fan-Vertreter aus 28 Ländern trafen sich und vor allem die deutsche Fan-Kultur wurde gelobt. Moderate Eintrittspreise und einheitliche Anstoßzeiten machen die Bundesliga in den Augen vieler Fußballfreunde zum Paradies, das es vielerorts gar nicht mehr gibt. In der Premier League wird bei den Eintrittspreisen saftig abkassiert, Spiele müssen für den asiatischen Markt kompatibel sein. Die Primera Division benötigt Kapital, um die defizitären Klubs am Leben zu halten. Die Serie A wird von Hooligans geprägt, Straßenschlachten mit der Polizei machen den Fußball in Italien zu einem konstanten Risikofaktor.
Heile Welt Bundesliga mag man glauben. Doch auch Dembowski reißt das Bild ein. Im internationalen Konkurrenzkampf der Ligen muss sich die DFL an England, Italien und Spanien orientieren, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die Vermarktung im Fernsehen sorgt für steigende Einnahmen, fordert aber auch ihren Tribut, nämlich fernsehfreundliche Spielzeiten.
Dass die organisierten Fans in Europa eine Allianz bilden, um ihre Interessen gegenüber der UEFA zu vertreten, scheint mehr Verzweiflungstat als wirkunsvolle Maßnahme. Der Anteil der Fans Budget der Klubs sinkt und sinkt – und in einer solchen Phase wird gefordert, dass Klubs nicht von einer einzigen Person oder Firma dominiert werden, soziale Eintrittsgelder zu den Lizenzauflagen gehören und eine Renaissance der Stehplätze gefordert – auch bei internationalen Partien.
Welcher Verein ist altruistisch genug, diesen Forderungen nachzugeben und das Angebot von Premiere oder SkySports auszuschlagen? Welcher Klub verzichtet auf Mehreinnahmen, um einer Horde Vereinsanhänger, die treu zu ihm stehen und jede noch so umstrittene Entscheidung mittragen, weil sie ihm und dem Fußball komplett verfallen sind, ein gutes Gefühl zu geben?
Ich sehe dunkle Zeiten für die europäische Fan-Kultur. Statt lauter Forderungen wird es demnächst wohl nötig sein, sich mit den sich verschlimmernden Gegebenheiten zu arrangieren und das Beste aus der kleinen Nische zu machen, die noch bleibt. Die Kommerzialisierung des Fußballs fordert ihren Tribut und sie fordert ihn bald.
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