Gerd Dembowski berichtet für die taz vom ersten europäischen Fan-Kongress, der im Emirates Stadium des FC Arsenal stattfand. 250 Fan-Vertreter aus 28 Ländern trafen sich und vor allem die deutsche Fan-Kultur wurde gelobt. Moderate Eintrittspreise und einheitliche Anstoßzeiten machen die Bundesliga in den Augen vieler Fußballfreunde zum Paradies, das es vielerorts gar nicht mehr gibt. In der Premier League wird bei den Eintrittspreisen saftig abkassiert, Spiele müssen für den asiatischen Markt kompatibel sein. Die Primera Division benötigt Kapital, um die defizitären Klubs am Leben zu halten. Die Serie A wird von Hooligans geprägt, Straßenschlachten mit der Polizei machen den Fußball in Italien zu einem konstanten Risikofaktor.
Heile Welt Bundesliga mag man glauben. Doch auch Dembowski reißt das Bild ein. Im internationalen Konkurrenzkampf der Ligen muss sich die DFL an England, Italien und Spanien orientieren, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die Vermarktung im Fernsehen sorgt für steigende Einnahmen, fordert aber auch ihren Tribut, nämlich fernsehfreundliche Spielzeiten.
Dass die organisierten Fans in Europa eine Allianz bilden, um ihre Interessen gegenüber der UEFA zu vertreten, scheint mehr Verzweiflungstat als wirkunsvolle Maßnahme. Der Anteil der Fans Budget der Klubs sinkt und sinkt – und in einer solchen Phase wird gefordert, dass Klubs nicht von einer einzigen Person oder Firma dominiert werden, soziale Eintrittsgelder zu den Lizenzauflagen gehören und eine Renaissance der Stehplätze gefordert – auch bei internationalen Partien.
Welcher Verein ist altruistisch genug, diesen Forderungen nachzugeben und das Angebot von Premiere oder SkySports auszuschlagen? Welcher Klub verzichtet auf Mehreinnahmen, um einer Horde Vereinsanhänger, die treu zu ihm stehen und jede noch so umstrittene Entscheidung mittragen, weil sie ihm und dem Fußball komplett verfallen sind, ein gutes Gefühl zu geben?
Ich sehe dunkle Zeiten für die europäische Fan-Kultur. Statt lauter Forderungen wird es demnächst wohl nötig sein, sich mit den sich verschlimmernden Gegebenheiten zu arrangieren und das Beste aus der kleinen Nische zu machen, die noch bleibt. Die Kommerzialisierung des Fußballs fordert ihren Tribut und sie fordert ihn bald.
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