Archiv für 19. Juli 2008

Liverpool 1964

19. Juli 2008

Vor einer Woche erschien hier ein Artikel zur Fußballkultur des Jahres 1954. Damals radelten während der Weltmeisterschaft zwei junge Deutsche quer durch die Schweiz, immer der deutschen Nationalmannschaft hinterher. Eine komplett andere Zeit, so mag man denken, doch es ist nur 54 Jahre her, nur etwas mehr als ein halbes Jahrhundert.
Heute gehen wir einen Schritt nach vorne, wir begeben uns in das Jahr 1964. Der FC Liverpool gewann zum sechsten Mal die englische Meisterschaft. Am 18. April, einen Samstag und dem drittletzten Spieltag der Saison, kommt der FC Arsenal ins Stadion an der Anfield Road. Der FC Liverpool gewinnt 5:0 (und hätte laut dem BBC-Reporter auch noch höher gewinnen können), holt damit den Titel und kann es sich leisten, die letzten beiden Spiele gegen West Bromwich Albion und Stoke City nicht zu gewinnen.

Auf den Rängen: Liverpooler Bürger in Anzug und mit schmaler schwarzer Krawatte, in der auch der Reporter der BBC vor die Kamera tritt. Die Menge steht dicht gedrängt, feuert die Heimmannschaft an und stimmt «She loves you» von den Beatles an. Beim Schunkeln gerät die Menge bedrohlich ins Wanken, wird zu einer unkontrollierbar scheinenden Masse, vereint in ihrer Begeisterung für Liverpool und den Fußball. Junge Burschen mit Beatles-Frisuren und alte Männer mit Baskenmützen, die den kahlen Kopf vor Wind schützen sollen – sie alle stehen auf den Rängen und bejubeln die Tore des FC Liverpool.


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Ein beeindruckendes Zeitdokument!

Gegen Schwarzmarktpreise – Fans des FC St. Pauli

19. Juli 2008

Die Geschichte ist nicht mehr ganz taufrisch, aber immer noch gut. Dass der FC St. Pauli sehr aktive und engagierte Fans hat, ist kein Geheimnis mehr. Die Stimmung am Millerntor ist berühmt, der Einfallsreichtum der Kurve auch. St. Pauli ist unangepasst, ist eine Heimstatt der Fan-Kultur inmitten eines zunehmend kommerzialisierten Fußballs.
Das lockt natürlich auch Gäste an, denen es darum geht, sich mit den Federn der Fan-Kultur zu schmücken, ohne selbst etwas beizutragen – von dem Beitrag aus ihrer Brieftasche einmal abgesehen. Das Stadion am Millerntor ist klein, die Stimmung ausgezeichnet, die Schwarzmarktpreise hoch. St. Pauli ist eine Attraktion, für die einige Event-Fans hohe Preise zu zahlen bereit sind, was wiederum von zahlreichen Händlern auf dem Schwarzmarkt missbraucht wird.

Kurz: Die Kartenpreise auf dem Schwarzmarkt explodieren, die Stimmung im Stadion sinkt durch weniger aktive Fans. Dass der harte Kern der Pauli-Supporter etwas dagegen haben würde, war absehbar; dass die Reaktion wieder etwas Pauli-typisches haben würde, war ebenso vorhersehbar – und dennoch wieder überraschend.

Vor dem Spiel verfolgten Pauli-Anhänger einzelne Schwarzmarkthändler und sangen unter anderem: «Nur hundert Euro – er will doch nur hundert Euro!» Sie ließen nicht locker und verfolgten die Kartenverkäufer, was für eine gewisse Panik sorgte und vor allem das Geschäft kaputt machte.

Bislang hatte ich davon nur gehört (letzte Saison wurde damit begonnen), heute habe ich bei YouTube ein Video (in eher schlechter Qualität, wahrscheinlich mit einem Handy aufgenommen), dass die Fans, die echten Fans, dabei zeigt, wie sie sich gegen den Karten-Schwarzmarkt und dessen Auswüchse wehren.


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Weiter so, FC St. Pauli!