Die Auslosungen von Champions League und UEFA-Pokal sind perfekt. Immerhin acht Vereine repräsentieren die Bundesliga international: FC Bayern München und Werder Bremen in der Champions League; Schalke 04, der HSV, VfB Stuttgart, Hertha BSC, VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund im UEFA-Cup.
Die Gegner der deutschen Vereine im Überblick:
- FC Bayern München trifft in der Gruppe F der Champions League auf Olympique Lyon, Steaua Bukarest und den AC Florenz – definitiv eine der leichteren Gruppen der Champions League.
Härtester Konkurrent wird wohl Olympique sein: Die Mittelfeldachse mit Juninho, Ederson, Jean Makoun und Kim Källström ist bemerkenswert, im Sturm ist der französische Torschützenkönig und EM-Teilnehmer Karim Benzema eine Gefahr. Auch die Abwehr präsentiert sich wohl sortiert: Fabio Grosso und Cris, der mehrfach zum besten Spieler Frankreichs gewählt wurde, agieren in der Abwehr. Es wird interessant zu sehen sein, wie Bayern Lyon über die Flügel zu knacken versuchen wird.
Zu Steaua Bukarest muss man nicht viele Worte verlieren. Glaubt man den Statistiken von Transfermarkt.de, dann ist der gesamte Steaua-Kader (etwa 27,4 Mio. €) weniger wert als Franck Ribéry (30 Mio. €) oder Luca Toni (28,5 Mio. €) alleine. Eine Niederlage ist nicht zu erwarten.
Bei AC Florenz sieht es in dieser Beziehung anders aus. Mit Adrian Mutu gibt es einen Mittelfeldspieler vom Kaliber eines Ribéry, mit Giampaolo Pazzini (wurde mehrfach mit Auszeichnungen im Junioren-Bereich bedacht) und vor allem Nationalstürmer Alberto Gilardino, der vor der Saison vom AC Mailand in die Toskana wechselte und in 25 Länderspielen neun Tore erzielte, existiert auch Qualität im Sturm. Die Bayern-Defensive wird hier wohl am meisten gefordert werden, um diese drei Offensiven aus dem Spiel zu nehmen. - Werder Bremen wurde gemeinsam mit Inter Mailand, Panathinaikos Athen und Anorthosis Famagusta in Gruppe B gelost. Auch für die Mannschaft von der Weser ist ein Weiterkommen eigentlich Pflicht.
Gegen Inter Mailand wird es die Elf von Thomas Schaaf extrem schwer haben. Eine exzellente Defensive, ein stark besetztes Mittelfeld um Esteban Cambiasso und ein herausragender Sturm mit Persönlichkeiten wie Adriano, Zlatan Ibrahimovic und Hérnan Crespo – dazu José Mourinho auf der Bank. Die Bremen werden es wohl schon als Erfolg feiern, dem amtierenden italienischen Meister ein Unentschieden abzutrotzen.
Panathinaikos könnte unter Umständen zu einem Stolperstein für Werder werden. Vor allem der Stürmer Dimitrios Salpingidis ist hier zu nennen, in der Champions-League-Qualifikation war er in drei Spielen an drei Toren beteiligt (zwei selbst erzielt, eines vorbereitet), in der letzten Spielzeit erzielte er in Griechenland 15 Tore in 29 Spielen, außerdem noch vier Treffer in sieben UEFA-Cup-Spielen. Bemerkenswert ist auch der Österreicher Andreas Ivanschitz im Mittelfeld, der bei der EM durchaus auf sich aufmerksam machte und einer der besten Österreicher des Turniers war. Auch Georgios Karagounis, der in der Vergangenheit für Inter Mailand und Benfica Lissabon spielte, ist einer der besseren Spieler des Panathinaikos-Mittelfelds. Auch Gilberto Silva, vor der Saison vom FC Arsenal gewechselt, gibt der Mittelfeldachse von Athen Stabilität und sichert vor allem defensiv ab. Der große Brasilianer wird mit seiner enormen internationalen Erfahrung Diego aus dem Spiel zu nehmen versuchen – und es scheint nicht ganz unrealistisch zu sein, wenn man davon ausgeht, dass der Bremer dabei nicht vollkommen befreit wird aufspielen können.
Anorthosis Famagusta hat etwa die Qualität eines deutschen Zweitligisten. Der bekannteste Name im Team der Zyprer dürfte neben Abwehrspieler Traianos Dellas, der bei der EM für Griechenland spielte und auch schon vier Jahre zuvor beim Titelgewinn für die Rehhagel-Elf spielte, der Ex-Aachener Jeffrey Leiwakabessy sein. Allerdings sind die Zypern-Teams auch für ihre Heimstärke bekannt, einen Auswärtssieg im Schongang sollte Bremen keinesfalls einkalkulieren. - Schalke 04 ist nach dem Aus in der Champions-League-Qualifikation nun gegen Apoel Nikosia gefordert. Bekannte Namen sind auch hier Mangelware, hervorzuheben ist allenfalls Nuno Morais (Ex-FC-Chelsea) und Kamil Kosowski, der bei der WM 2006 für Polen spielte. Ein eher leichter Gegner für die Königsblauen.
- Beim HSV-Gegner Unirea Urziceni mach ich’s kurz: Ich kenne die Rumänen nicht, keiner der Spieler hat einen Marktwert in annähernder Millionenhöhe. Würde der HSV rausfliegen, wäre es eine unglaubliche Blamage.
- Auch der VfB Stuttgart muss in den Ostblock, genauer gesagt zu Cherno More Varna. Keine bekannten Namen, ein eher belangloser Gegner, der mit Milen Petkov einen ehemaligen bulgarischen Nationalspieler in seinen Reihen hat. Wie beim HSV gilt auch hier: Eine Niederlage wird peinlich.
- Hertha BSC zieht es nach Irland, der Gegner heißt St. Patrick’s Athletic. Im europäischen Fußball sicherlich ein kleines Licht, aber dennoch sehr kampfstark. Spielerisch wird man von den Iren wenig erwarten, aber sie werden sich sehr lange wehren und immer auf die Sensation hoffen: Ein Konter und alles ist möglich.
- Der VfL Wolfsburg hat zumindest einen nicht gänzlich unbekannten Gegner zugelost bekommen: Rapid Bukarest. Die Rumänen sind regelmäßig im UEFA-Cup vertreten und haben auch durchaus Spieler mit Qualität in ihren Reihen: Der brasilianische Stürmer Júlio César spielte bereits sechs Partien in der Champions League und erzielte dort zwei Tore, der Montenegriner Radomir Dalovic spielte vor einigen Jahren für Arminia Bielefeld in der Bundesliga und konnte in der Nationalmannschaft drei Treffer in vier Partien feiern – und 18 Tore in 31 Spielen in der vergangenen Spielzeit der kroatischen Liga (für NK Rijeka) sprechen für sich.
- Den bekanntesten Gegner hat sicherlich Borussia Dortmund. Udinese Calcio hat laut Transfermarkt.de einen Kader mit höherem Marktwert als der Ruhrpott-Verein. Für Qualität stehen unter anderem der Schweizer EM-Teilnehmer Gökhan Inler, der vor der Saison ein Angebot des FC Arsenal über 25 Mio. € ablehnte, und die beiden italienischen EM-Teilnehmer Antonio di Natale und Fabio Quagliarella (beide im Sturm). Sicherlich einer der schwierigeren Gegner, aber keinesfalls eine unlösbare Aufgabe.
- INSGESAMT haben also alle deutschen Klubs sehr gute bis ausgezeichnete Chancen, die erste Runde der internationalen Wettbewerbe zu überstehen. Hoffen wir mal, dass der deutsche Fußball sich heuer auf dem europäischen Parkett wieder etwas besser aufgelegt präsentiert als es die Champions-League-Qualifikation mit Schalke und die nicht immer souveränen UEFA-Cup-Quali-Auftritte der deutschen Vereine befürchten lassen.


