Archiv für 16. August 2008

Bundesligakonferenz am ersten Spieltag – Feuertaufe für 90elf.de?

16. August 2008

90elf, das sich selbst Deutschlands erstes Fußball-Radio nennt, musste in den vergangenen Tagen einige Prügel einstecken. Ich hatte eigentlich auch vor, die Seite etwas näher anzusehen, aber hatte keine Zeit dazu. War wohl besser so.

Dafür höre ich im Moment die Bundesliga-Konferenz des oben besagten Internet-Radios und muss sagen: Nicht gut, aber auch nicht schlecht. Der Kommentar aus den Stadien ist gut und kommt den Radio-Konferenzen ziemlich nahe. Aber:

  1. Wieso nutzt 90elf seine Seite nicht, um die Zwischenstände anzuzeigen? Da sieht man relativ sinnlos nur das Logo des Senders, auch über die Seitenleiste bekommt man keine Ergebnisse.
  2. Im Vorfeld der Spiele wird immer wieder darauf hingewiesen, dass man sich registrieren müsse, um die Konferenz hören zu können. Das mache ich nicht, schalte nach 15:30 wieder rein – und höre Fußball live, ganz ohne Registrierung.
  3. Der Moderator, der zwischen den einzelnen Spielberichten seinen Senf dazugibt, gibt Belanglosigkeiten von sich. Ganz schlecht die Ton-Regie: Wenn Gegenstände aufs Feld fliegen, bleibt man drauf. Wenn es darum geht, dass Frings seinen Gegenspieler angeht und fast Rot sieht, springt man mitten im Satz weg.
  4. Schlechte Wortwitze hat sich 90elf anscheinend gleich im Dutzendpack gesichert. Die Dortmunder Innenverteidigung mit Subotic und Hummels heißt «Kinderriegel», die des Vorjahres mit Kovac und Wörns «Opa-Abwehr». Auf einem hohen Ball «liegt Schnee drauf». Und dann noch das obligatorische Sartre-Zitat: «Beim Fußball verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit des Gegners.» Alles gehört innerhalb von etwa fünf Minuten.
  5. Kann sein, dass es an meinen Notebook-Lautsprechern liegt, aber im Vergleich zum Radio vermisse ich angenehme Bass-Stimmen bei den Kommentatoren, hat man das absichtlich herausgeregelt?

Matthias Sammer und die Bescheidenheit

16. August 2008

Gestern erschien in der Süddeutschen Zeitung ein interessantes Interview mit DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, der zugleich auch der jüngste deutsche Meistertrainer ist. Sammer bestätigt den Trend der qualitativen Aufwertung des Trainers, nachdem in dieser Sommerpause tendenziell mehr über Trainerneuverpflichtungen als über Spielerneuverpflichtungen diskutiert wurde. Wer hätte vor einem Jahr schon überlegt, ob Michael Skibbe eine gute Wahl für Bayer Leverkusen ist? Heute ist die Fachpresse voll mit Bewertungen zu seinem Nachfolger Bruno Labbadia!

Interessant wird das Gespräch zwischen Sammer und Christof Kneer vor allem gegen Ende: Sammer bekennt, als Trainer vor allem aus dem Bauch heraus entschieden zu haben und grenzt sich damit selbst von der neuen Trainergeneration ab, die über Expertenwissen in Sachen Sportwissenschaft und Trainingslehre verfügen (neben Jürgen Klinsmann mit seinen den Fußball zu anderen Sportarten öffnenden Ideen ist hier vor allem der studierte Sportwissenschaftler Jürgen Klopp zu nennen). Sammer bezeichnet sich selbst als «Lehrling» und lässt sich erst als Kneer den Meistertitel mit Borussia Dortmund ins Spiel bringt auf «erfolgreicher Lehrling» hochhandeln.
Für mich überraschend, dass er nicht mit seinem Erfolg kokettiert, sondern erkennt, dass sein Erfolg nicht zwangsläufig war. Erstaunlich nüchtern.

Und übrigens, ein gutes Interview!

Anmerkungen zur beginnenden Bundesliga-Saison

16. August 2008

Gestern abend das Auftaktspiel, heute darf der Großteil der anderen Klubs ran. Hier kommen gleich unvollständige Anmerkungen zu verschiedenen Bundesliga-Vereinen. Am Ende der Saison noch einmal lesen und mich als Propheten loben und preisen.

  • FC Bayern München: An den großen Umbruch unter Jürgen Klinsmann glaube ich nicht. Ich sehe die Sache so: Bayern hat sich einen soliden Trainer geholt, der vieles anders machen will. Ob er das auch tatsächlich tut, steht auf einem anderen Blatt. Im Moment stürzt sich die Presse auf Klinsmanns Buddha-Figuren, statt sich auf die Mannschaft zu konzentrieren. Bayern wird Meister, aber keinesfalls souverän. Ein harter Kampf und die Meisterschale am Ende.
  • Hamburger SV: Eine beeindruckende Frühform in der Vorbereitung. Der Start wird gelingen, irgendwann wird der Einbruch kommen. Und an diesem Punkt wird sich Martin Jol zum ersten Mal wirklich beweisen müssen. Ich denke, dass der HSV sich insgesamt verbessert hat und vielleicht an der Spitze mitmischen kann.
  • Werder Bremen: Hat sich Bremen verstärkt? Ich glaube nicht. Meine Vermutung ist, dass Thomas Schaaf durch mannschaftliche Geschlossenheit nach vorne kommen will. Weil Bremen dabei aber Talente und keine etablierten Spieler verpflichtet hat, wird wohl diese Saison der Einbruch kommen und Werder die Position in der Spitzengruppe verlieren. Am Ende steht meiner Meinung nach ein UEFA-Cup-Platz und der Abgang Diegos.
  • VfB Stuttgart: Armin Veh sind meiner Meinung nach die besten Neuverpflichtungen gelungen. Mit Jens Lehmann ein Routinier fürs Tor, mit Jan Simak einen Bundesliga-Rückkehrer für das offensive Mittelfeld, mit Khalid Boulahrouz ein perfekter Ersatz in Fernando Meira, der die VfB-Innenverteidigung verlässt. Einzig ein zweiter richtig guter Stürmer neben Mario Gomez fehlt Stuttgart noch, aber auch so werden die Schwaben wieder zeitweise an der Tabellenspitze zu finden sein.
  • Bayer Leverkusen: Der Star ist der Trainer – wenn man der Berichterstattung glaubt. Bruno Labbadia wird als größtes deutsches Trainertalent gelobt, das nun bei der Werkself zeigen darf, zu was er imstande ist. Von Patrick Helmes halte ich sehr viel, bei der Mittelfeld-Neuverpflichtung Renato Augusto bin ich noch etwas skeptisch. Hat Bayer einen zweiten Stürmer in Top-Form und eine funktionierende Innenverteidigung, dann hat die Mannschaft durchaus die Möglichkeit, den dritten Platz zu erreichen.
  • Borussia Dortmund: Jürgen Klopp als neuer Heilsbringer für geschundene Borussia-Seelen. Dabei baut der Ex-Mainzer vor allem auf junge Talente, die erste Innenverteidigung soll aus den beiden 19-Jährigen Neven Subotic und Mats Hummels bestehen. Klopp ist jedenfalls ein Defensivstratege, hatte mit Mainz zuletzt die wenigsten Gegentore in der zweiten Liga – es sieht also nicht unbedingt schlecht aus für die BVB-Defensive. Das Mittelfeld wurde mit Tamás Hajnal gut verstärkt; im Sturm scheint Nelson Valdez endlich zu vernünftiger Form gekommen zu sein. Ich behaupte: Dortmund wird nächste Saison den UEFA-Cup auf dem sportlichen Weg erreichen.
  • Borussia Mönchengladbach: Der in meinen Augen beste Aufsteiger wird sich ohne größere Probleme in der Bundesliga etablieren. Gladbach verfügt über den besten Kader eines Aufsteigers, hat mannschaftliche Geschlossenheit ohne große Star-Allüren. Einzig Marko Marin sticht aus dem Kollektiv hervor und wird wohl immer wieder die entscheidende Wende im Gladbacher Spiel bringen.
  • Karlsruher SC: Für mich einer der akutesten Abstiegskandidaten. Antonio da Silva mag vielleicht Tamás Hajnal ersetzen, aber mein Bauch sagt mir, dass es diese Saison nicht mehr gut geht mit Karlsruhe. Die Sturmprobleme wurden nicht wirklich gelöst, Karlsruhe wird wegen der wenigen selbst erzielten Tore wohl in die Zweite Bundesliga absteigen.