Mike Ashley kommt aus gewöhnlichen Verhältnissen. Er kommt aus Burnham, wo seine Eltern heute noch in einem einfachen Bungalow leben. Er verließ mit 16 die Schule, um als Einzelhandelskaufmann Sportgeschäfte in und um London zu eröffnen. Und er hat etwa 1,4 Milliarden Pfund auf dem Konto und einen Fußballklub zu verkaufen.
Mike Ashley ist eigentlich ein Liebling der Fans. Er steht in der Kurve und trägt das Trikot von Newcastle United, sitzt nicht im Anzug auf der Haupttribüne. Es gibt Videos, die ihn zeigen, wie er in wenigen Sekunden im Stadion ein Pint leert (als man ihn dafür kritisierte, gab er an, in dem Becher hätte sich Apfelsaft befunden).
Kevin Keegan, in Newcastle als Volksheld gefeiert, legte jüngst sein Amt nieder, als ihm Ashley mit Dennis Wise einen Sportdirektor vor die Nase setze, der die komplette Transferpolitik alleine betreiben konnte und sollte. Die Fans protestierten gegen Ashley, der in deren Augen für die einflussreichen Cockney-Geschäftsleute stand. (In der NZZ findet man eine gute Erklärung zu den Hintergründen und den Interessen und Ansichten der verschiedenen Personen und Gruppierungen.)
Das wiederum brachte Ashley auf die Palme und er beschloss, Newcastle United zu verkaufen. Aus seinem Abschiedsbrief konnte man zwischen den Zeilen herauslesen: «Ich hab so viel für euch getan und das ist euer Dank…» Wörtlich hieß es: «Ich hoffe, der nächste Besitzer kann die Summe Geld spendieren, die die Fans wollen. Ich habe euch zugehört. Ihr wollt mich los sein.» Ende Mai 2007 hatte Mike Ashley Newcastle United für eine Summe von 135 Millionen Pfund gekauft (die Aktion endete im Juli, erst dann verfügte er über 100% der Anteile); weitere 110 Millionen Pfund hatte er in den Schuldenabbau investiert, der allerdings trotz dieser enormen Summe nicht abgeschlossen ist.
Einen Überblick über die Gemengelage gibt es beim Indirekten Freistoß. Dort findet man neben Kritik an den Fans auch Anerkennung für die Konsequenz von Ashleys Entscheidung.
Nach der Ankündigung Ashleys, Newcastle verkaufen zu wolllen, wurde vielfach über Interessenten spekuliert. Mike Ashley selbst reiste in den Nahen Osten, um dort nach Käufern zu suchen; Gerüchten zufolge soll das Emirat Dubai interessiert sein (vor allem um das Engagement von Abu Dhabi bei Manchester City zu kontern), aber auch Bill Gates und Xu Rongmao (ein chinesischer Milliardär, der als einfacher Arbeiter durch Immobiliengeschäfte zu Reichtum kam und 2007 laut Spiegel der drittreichste Mann Chinas war) werden immer wieder genannt.
Die neuesten Entwicklungen fasst der Guardian zusammen: Inzwischen hat Dubai, in diesem Falle vertreten durch die Dubai International Group, bestritten, Newcastle United bzw. überhaupt einen Fußballverein kaufen zu wollen (man hatte Dubai auch mit dem FC Liverpool in Verbindung gebracht). Jedoch gibt es einen ganz anderen Interessenten: Nigerianische Geschäftsleute haben ihr Interesse geäußert. Das Unternehmen «NVA Management» soll den Deal abwickeln, laut Medienberichten gab es ein erstes Angebot über 350 Millionen Pfund. Mike Ashley lehnte dies jedoch ab, da es seinen Erwartungen nicht entsprach – er rechnete mit etwa 400 Millionen Pfund.
The Independent berief sich auf KickOff Nigeria, wo der Vorstand des Zusammenschlusses nigerianischer Geschäftsleute, Chris Nathaniel, sagte:
Das bedeutet für uns, dass wir noch einmal fünfzig oder hundert Millionen Pfund drauflegen müssen, um sicherzugehen, dass die anderen arabischen Firmen, die ebenfalls interessiert sind, nicht zum Zug kommen.
(Im Original: «So what that means is that we need to raise another £50million or £100million to shut the door behind the other top Arab companies who are also interested in the club.»)
Newcastle United wäre – wenn Ashley das Angebot akzeptiert – der erste Premier-League-Klub in afrikanischen Händen.
Tags: Abu Dhabi, Bill Gates, Burnham, Chris Nathaniel, Dennis Wise, Dubai, Dubai International Group, FC Liverpool, Indirekter-Freistoss.de, Kevin Keegan, KickOffNigeria, Manchester City, Mike Ashley, Naher Osten, Neue Zürcher Zeitung, Newcastle United, Nigeria, NVA Management, NZZ, SpiegelOnline, The Guardian, The Independent, Xu Rongmao



2. Oktober 2008 um 20:20
[...] Newcastle United verkaufen will, haben wir ja schon vor einiger Zeit besprochen (vgl. «Übernimmt die Nigeria-Connection Newcastle United?»). Damals sah es danach aus, dass die Eigentümerfrage zwischen einem Verbund nigerianischer [...]