«Wer gut ist, der macht auch seinen Weg»

12. November 2008

Florian Christoph, 23, erstellt in Eigenregie die digitale Fan-Zeitung «Irischer Fußball – Das Magazin». Ein Gespräch über den kleinen Bruder der englischen Liga.

Taktikbesprechung: Begeisterung für die englische Premier League findet man überall, der irische Fußball taucht in der Presse kaum auf. Kannst du das verstehen?
Florian Christoph: Zu allererst einmal ist es ein wenig schade, dass die irische Presse so wenig und dann meist auch noch negativ über den heimischen Fußball berichtet. Das stößt den Fans und natürlich auch mir sauer auf. Dass man international die League of Ireland eher weniger oder fast gar nicht beachtet, ist dagegen durchaus zu verstehen. Kleine, alte Stadien, wenig Fans, kaum international bekannte Spieler – klar, dass da nur ganz Wenige überhaupt mal den Blick hinüber auf die irische Insel wagen.

T: Kann man die Spielweise in England und Irland miteinander vergleichen?
FC: Ich denke eher nicht. In England geht es selbst in den unteren Ligen durchweg deutlich technischer zu, zudem habe ich das Gefühl das man besonders was die Premier League betrifft, nicht mehr vom traditionellen «britischen Fußball» sprechen kann. Dazu ist der Einfluss der Ausländer zu groß. In Irland dagegen findet man durchaus noch den körperbetonten ehrlichen Sport. Es geht die Wiese neunzig Minuten rauf und runter, eine Grätsche zählt genauso viel wie ein schön herausgespieltes Tor, und mit sauberem Trikot geht nach Spielschluss niemand vom Feld. Letztlich ist der irische Fußball voller Action und Power und weiß weniger durch Fußballerische Raffinesse als durch seine Intensität zu gefallen. Fußball wird in Irland in erster Linie gearbeitet.

T: Du bist der Kopf hinter dem Fanzine «Irischer Fußball». Warum Irland, warum nicht Schottland, Wales oder England?
FC: Es ist einfach die bereits erwähnte Spielweise, die mich ganz besonders in ihren Bann zieht. Der Fußball in Irland beinhaltet einfach das, was den großen europäischen Ligen abhanden gekommen ist. Man hat das Gefühl, nahe am Spiel dran zu sein, Spieler werden nicht wie „Gott ähnliche“ Gestalten behandelt, sondern sind einfach noch Menschen wie du und ich, die ihrem Beruf nachgehen. Der Sport steht im Mittelpunkt. Und genau das ist es, was die Sache so interessant und spannend macht. Mit meinem Magazin möchte ich den Leuten ein Stück von meiner Begeisterung abgeben, in der Hoffnung sie würde auf den ein oder anderen überschwappen.

T: Ab 2011 wird der «Four Associations Cup» ausgetragen, ein Pokal der Fußballverbände von Schottland, Wales, Irland und Nordirland. Wie schätzt du die Chancen der irischen Klubs ein? Könnten die unter Umständen zur Gefahr für die schottischen Vertreter werden, vielleicht sogar den FC Celtic oder die Glasgow Rangers schlagen?
FC: Wie heißt es so schön: Im Fußball gibt es keine kleinen mehr. Insofern kann ich mir durchaus vorstellen das irische Klubs eine gute Rolle in einem solchen Wettbewerb spielen können. Die guten Europapokalauftritte in diesem Jahr zeigen bereits, dass der irische Fußball aufgeholt hat. Dennoch wird es wohl nur auf wenige Glückstage hinauslaufen, in denen Teams der «League of Ireland» in der Lage sein werden Celtic oder die Rangers zu schlagen. Bei diesen beiden Klubs ist die Qualität einfach eine ganz andere, viel höhere, die für irische Mannschaften unerreichbar ist.

T: Denkt man an Irland, dann denkt man auch gleichzeitig den Nordirland-Konflikt mit. Ist Fußball in Irland politisch?
FC: Nicht so sehr wie man glaubt. Der Nordirland-Konflikt ist lange vorbei, der Großteil der Leute hat diesen Teil der Geschichte hinter sich gelassen. Natürlich gibt es noch den ein oder anderen Hardliner und Unbelehrbaren, aber im Grunde spielt der Konflikt im täglichen Leben und auch im Fußball keine Rolle mehr. Zumindest gilt das für die Republik Irland. In Nordirland dagegen ist der Konflikt noch nicht gänzlich vergessen, die alten Wunden sind noch nicht völlig verheilt, wie leide auch ein aktuelles Beispiel zeigt. Vor einigen Tagen kam es im Rahmen des Belfaster Derbys Cliftonville (Fanszene katholisch) gegen Linfield (unionistisch) zu Auseinandersetzungen zwischen den Fanszenen. Ein Spieler wurde von einer Leuchtrakete getroffen und im Anschluß an das Spiel gab es mächtig Krach zwischen den rivalisierenden Fangruppen sowie der Polizei. Auch wenn solche Dinge die Ausnahme bleiben, so kommt es doch immer mal wieder zu Ausschreitungen in Nordirland. Dagegen kennt man in Irland keine Gewalt in den Stadien – schon gar nicht wegen Politik. Und so kann durchaus konstatieren, dass der Nordirland-Konflikt kaum mehr eine Rolle spielt.

T: Die Versöhnung ist also fortgeschritten, Katholiken und Protestanten spielen gemeinsam Fußball. Ist langfristig eine gesamtirische Liga denkbar, also ein Verbund aus den Ligen Nordirlands und der Republik Irland?
FC: Definitiv. Es ist nicht nur denkbar, es ist auch geplant. Der irische und der nordirische Verband haben bereits ernsthaft über eine «All-Ireland League» nachgedacht. Diese stößt im übrigen auf breite Zustimmung der großen Klubs beider Länder, während kleinere Vereine um ihre Existenz fürchten. In jedem Fall gibt es bereits Machbarkeitsstudien zu diesem Thema und es ist eigentlich der grundsätzliche Tenor, dass eine gesamtirische Liga die einzige Chance für den irisch/nordirischen Fußball ist, sich entscheidend weiterzuentwickeln. Dennoch schätzen die Experten, das es noch mindestens fünf Jahre dauern wird, bis so etwas tatsächlich spruchreif ist, auch wenn die großen Klubs wie Bohemians FC, St. Patrick’s Athletic, Derry, Linfield oder Glentoran lieber früher als heute in einer gemeinsamen Liga spielen möchten und bereits mit einer sogenannten «Breakaway-League» drohten, sollte eine AIL in Zukunft nicht abzusehen sein.
Dass es gemeinsam durchaus geht, zeigt der 2005 eingeführte «Setanta Sports Cup», ein All-Ireland Pokal, an dem jeweils vier Teams aus Irland und Nordirland teilnehmen und der nach Anlaufschwierigkeiten eine immer höhere Akzeptanz genießt.

T: Du hast bereits Derry City angesprochen. Der Klub stammt aus Nordirland, spielt aber in der Liga der Republik Irland. Derry ist katholisch-nationalistisch, Nordirland im Allgemeinen eher protestantisch-unionistisch, also pro-englisch, geprägt. Wie sehen die Nordiren Derry City, das ja immerhin in «der falschen Liga» spielt? Kommt es da regelmäßig zu Zusammenstößen oder geht im Grunde alles friedlich zu?
FC: Nein, es gibt dort eigentlich keine Probleme mehr. Wenn es im Zuge des «Setanta Sport Cups» alle Jahre wieder zum Aufeinandertreffen von Derry mit Linfield kommt, dann herrscht schon Vorsicht (1969 kam es zu schweren Fanausschreitungen bei diesem Spiel in Derry, daraufhin boykottierte Linfield, später die gesamte Liga, die Spiele in Derry, was schlussendlich zum Austritt der «Candystripes» aus der Nordirischen Liga führte), aber die herrscht auch, wenn Schalke auf Dortmund trifft. Derry gehört fußballtechnisch zu Irland, daran gibt es keinen Zweifel mehr und das sieht nach all den Jahren auch jeder Fan als völlig normal an. Die Fanszene des Klubs setzt sich zum Großteil natürlich aus der katholisch-nationalistischen Bevölkerung der Stadt zusammen, doch auch unter der protestantisch-unionistischen Bevölkerung gibt es Derry-City-Fans. Die Zeiten, als der Mannschaftsbus Derrys mit Steinen beschmissen, die Spieler beleidigt und bespuckt wurden, sind lange vorbei.

T: Wie sieht man in Irland den FC Celtic? Dort bekennt man sich ja zu seinen irischen Wurzeln, findet aber auch regelmäßig Sympathiebekundungen für irische Widerstandskämpfer wie die IRA. Wie kommt das auf der grünen Insel an?
FC: Zu diesem Thema kann ich nur soviel sagen, das Celtic ohne Zweifel große Sympathien auf der irischen Insel besitzt. Celtic ist bekanntlich Religion, mehr als ein Fußballverein. Doch wer tatsächlich Fan eines irischen Klubs ist, der ist das auch mit Leib und Seele und empfindet nicht mehr als Sympathie für Celtic. Dennoch ist die Zahl der Celtic-Fans und natürlich auch derer, die sich Fan eines englischen Klubs nennen, ziemlich groß in Irland.

T: In dieser Saison vertreten ja «St. Patricks Athletic» und «Drogheda United» den irischen Fußball im UEFA-Pokal. St. Patricks verlor gegen Hertha BSC Berlin und schied aus. Drogheda United, der Vorjahresmeister, schied auch früh aus der Champions-League-Qualifikation aus. Hat der irische Fußball in Europa überhaupt eine Chance?
FC: Ich denke schon. Denn man muss ganz klar differenzieren: Was für andere Länder ein Misserfolg wäre, ist für Irland das komplette Gegenteil. Die diesjährige Europapokalsaison ist eine großartige gewesen, ganz ohne Zweifel. Irland ist stolz auf das Erreichte. Besonders «St. Patrick’s Athletic» hat sich in die Herzen der Iren gespielt, als es völlig überraschend in die erste Runde des UEFA Cups einzog und dafür das schwedische Topteam «Elfsborg IF» aus dem Wettbewerb warf. Auch gegen Hertha BSC waren die Saints nicht weit von einer Sensation entfernt. Der Einzug in die Gruppenphase als erstes irisches Team überhaupt war möglich. Am Ende aber fehlte das Quäntchen Glück. Ähnlich erging es auch «Drogheda United», die gegen Dynamo Kiev auf dramatische Art und Weise ausschieden. Nur auf Grund eines einzigen zu wenig geschossenen Tores kamen die Ukrainer weiter. Ich erinnere mich mit Grausen an die 93. Minute des Rückspiels, als der Ball vom Innenpfosten abprallte, die Linie lang kullerte, aber nicht den Weg ins Tor fand. Drogheda wäre weiter gewesen, wenn, ja wenn… Dennoch kann man durchaus von einem Aufwärtstrend sprechen und ich bin sicher das dieser im kommenden Jahr auch fortgeführt werden kann.

T: Der neue Meister in Irland ist der «Bohemians FC», die am 10. Oktober den Titel klar machten. 22 Punkte vor dem Zweitplatzierten St. Patrick’s sind eine Menge Holz – gibt es da einen Klassenunterschied in Irland?
FC: Für die aktuelle Saison gilt das in jedem Fall. Die Bohemians sind das Maß aller Dinge, waren 27 Spiele in Folge ungeschlagen und siegten gar zwölf mal hintereinander. Die «Bohs» spielten zwar nicht den schönsten, dafür aber den effektivsten Fußball. Vor allem die Defensive war kaum zu knacken. Vorne fiel dann schon irgendwann das Siegtor. Meistertrainer Pat Fenlon, der mit seinen 39 Jahren bereits seine vierte Meisterschaft als hauptverantwortlicher Trainer feiern darf (zwischen 2003-2006 drei Mal mit Shelbourne FC), verstand es vor allem den Kader qualitativ in der Breite aufzustellen. Selbst die B-Elf hätte vermutlich um den Titel mitspielen können. Es ist schon unglaublich was sich für eine Fülle an großartigen Spielern, gemessen an irischen Verhältnissen natürlich, im Kader der Bohemians befinden. Letztlich hatten die «Bohs» aber auch das Glück das «St. Patrick’s Athletic» die Doppelbelastung mit dem UEFA Cup hatte und diese in der Liga zumindest, nicht gut wegstecken konnte. Die Schlachten mit Elfsborg und Hertha raubten dem Team viel Kraft und Konzentration.
Vor der Saison galt auf Grund der hochkarätigen Neuverpflichtungen eigentlich Cork City als großer Titelfavorit. Doch Cork hatte weitaus mehr mit sich selbst zu tun, als diesem Anspruch jemals gerecht zu werden. Ähnliches galt für den letztjährigen Meister Drogheda. Derry City, derzeit Tabellendritter, hat zwar ein gutes und talentiertes Team, musste aber zwei absolute Stammspieler mitte der Saison in die Schottische Premier League verkaufen. Ohnehin überrascht die starke Saison der «Candystripes», nach dem letzten schwarzen Jahr mit drei Trainern, unter anderem dem aktuellen Bohs Trainer Pat Fenlon, und einem miserablen siebten Platz in der Endabrechnung. Somit ist die momentane Platzierung schon ein Erfolg für Derry. Letztlich macht das aber auch deutlich, dass es den Bohemians relativ leicht gemacht wurde, den Titel in diesem Jahr zu holen.

T: Dass die B-Elf der Bohemians auch um den Titel hätte mitspielen können, überrascht mich ehrlich gesagt schon etwas. Wie kann man diese Leistungsdichte in der Liga erklären?
FC: Dass die B-Elf der Bohemians den Titel holen könnte, ist natürlich etwas übertrieben dargestellt, aber letztlich ist der Kader der «Bohs» einfach großartig besetzt gewesen in diesem Jahr. Das Zusammenspiel aus jungen Talenten und erfahrenen Spielern ist einfach ganz besonders. Der Trainer hat sicher einen sehr großen Anteil daran, hat er doch einige seiner ehemaligen Weggefährten, mit denen er bereits Meister bei Shelbourne wurde, zu den «Gypsies» lotsen können. Fenlons Personalpolitik ist schlichtweg perfekt aufgegangen. Die anderen Teams der Liga sind in meinen Augen jedoch keinesfalls so schwach bzw. so weit entfernt von den Bohemians wie es der Punkteabstand ausdrückt. Doch wenn bei den St. Pats, Cork oder Derry der ein oder andere Stammspieler ausfällt, können diese Klubs das eben nur schwer kompensiert, anders als das bei den «Bohs» der Fall wäre.

T: In der Premier League spricht man immer wieder von den «Big Four», Chelsea, Liverpool, Arsenal und Manchester United. Gibt es da auch eine irische Entsprechung?
FC: In erster Linie ist die League of Ireland sehr ausgeglichen. Jeder kann jeden schlagen und fast jeder hat auch die Möglichkeit mit etwas Glück ganz oben mitzuspielen. Das macht den irischen Fußball auch so spannend. Dennoch gibt es mit Bohemians FC, St. Patrick’s Atheltic, Cork City und Derry City schon vier Teams, die ein wenig über den anderen stehen. Normalerweise würde in diese Aufzählung auch noch der letztjährige Meister Drogheda United hineingehören, aber auf Grund der finanziellen Probleme und der Tatsache, dass sie in den Halb-Profistatus wechseln werden, wird es schwer werden, an den großen Erfolg der Vorsaison anzuknüpfen. Insofern kommen für die Meisterschaft in aller Regel nur die vier genannten Klubs in Frage. Obwohl ich eher davon ausgehe, dass für länger Zeit kein Weg an den Bohemians vorbeiführen wird. Sie haben die große Möglichkeit, den Weg für eine lange und erfolgreiche Zukunft zu legen.

T: Hat der Bohemians FC eine historische Verbindung zu Böhmen? Oder woher stammt der Name sonst?
FC: Nein, da gibt es keine Verbindung. Den Gründungsvätern des «Bohemian Football Club Dublin» gefiel einst der Name einfach gut. Die Entscheidung fiel bei einer Versammlung 1890, als man sich zwischen «Bohemians» und «Rovers» entscheiden sollte. Gut dass man ersteres wählte, denn der größte Rivale der «Bohs» sind die Shamrock Rovers.

T: Im Moment gibt es massive Finanzprobleme im irischen Fußball: der Liga-Sponsor Eircom wird sich zum Ende der Saison zurückziehen, Cork City musste von einem Investor gerettet werden, fünf der zwölf Erstligisten können die Löhne ihrer Spieler nicht zahlen (bei den Bray Wanderers haben sich Trainer und Spieler auf eine Lohnkürzung von 40% bis zum Saisonende geeinigt, um den Klub am Leben zu erhalten). Kann man da überhaupt von professionellen Strukturen sprechen? Haben sich die Vereine überschätzt und verkalkuliert? Oder kommt die Krise von außen?
FC: Ich denke, es trifft es schon richtig, wenn man sagt, dass die Vereine sich überschätzt und verkalkuliert haben. Im Grunde ist es ja ein Unding, dass man mehr ausgibt als man hat, aber so etwas ist im Fußball leider gang und gäbe. Im irischen Fußball ist dies nicht viel anders, wenngleich es dort verheerende Wirkung hat. Die Vereine hoffen, dass der Erfolg schon irgendwie eintreten wird und planen praktisch mit Geld, das noch gar nicht da ist. Spieler werden teuer bezahlt ohne zu wissen, ob man die Gehälter auch noch in ein paar Monaten zahlen kann. Sowas kann eigentlich nur schief gehen und ist alles andere als professionell. Bestes Beispiel ist Vorjahresmeister Drogheda. Die haben, als es in der Hinrunde nicht lief, personell einfach nochmal nachgelegt, obwohl schon damals klar gewesen sein muss, dass das in einem wirtschaftlichen Desaster enden würde. Der sportliche Erfolg blieb dann weiterhin aus und nun hat man den Salat. All das, was sich die Drogs in jahrelanger Kleinarbeit aufgebaut haben, ist innerhalb eines Jahres zerstört. Und so ähnlich läuft es auch bei den anderen Klubs.

T: Wie wird es jetzt weitergehen?
FC: Der Verband hat bereits vor einiger Zeit harte Auflagen für die Vereine eingeführt, als es der Liga ähnlich schlecht ging. Mit einem neuartigen Lizensierungsverfahren sollte genau das verhindert werden, was momentan passiert. Somit muss man die Maßnahmen des Verbands wohl als gescheitert ansehen. Fakt ist indes, dass Galway und Drogheda im kommenden Jahr den „full-professional-status“ ablegen.

T: Wie sehen konkret die Konsequenzen für die fünf Vereine aus, die am Abgrund stehen: Bray Wanderers, Cork City, Cobh Ramblers, Finn Harps und der Vorjahresmeister Drogheda United?
FC: Für Cork City gab es bereits Konsequenzen: Dem Klub wurden zehn Punkte während der Saison abgezogen. Gleiches gilt für Drogheda United, denen ganz aktuell ebenfalls zehn Punkte für die laufende Saison abgezogen worden sind. Bei den anderen Klubs sind Strafen derzeit noch nicht bekannt gemacht, dafür aber sehr wohl klubinterne Maßnahmen. Galway und Drogheda wechseln wie bereits erwähnt ins Halb-Profitum und bei Cobh Ramblers wird ohnehin schon länger diskutiert, ob man nicht generell wieder in den Amateursport zurückkehrt, sich also komplett aus der League of Ireland zurück.

T: In England sind irische Profis völlig normal: 26 Iren spielen in der Premier League, 52 in der First Championship. Ist die Eircom League eine reine Ausbildungsliga?
FC: Teils, teils. Denn viele der Talente gehen heutzutage schon in jungen Jahren nach England und spielen somit gar nicht mehr in der League of Ireland. Dennoch ist natürlich klar, dass fast jeder Spieler, der in Irland sein Geld verdient, die große Hoffnung hat, sich mit guten Leistungen nach England spielen zu können. In aller Regel gelingt das ja auch. Wer gut ist, der macht auch seinen Weg.

T: Das heißt, die England-Legionäre gelten in Irland nicht als herzlose Söldner, sondern einfach als die besseren Spieler?
FC: Ja, absolut. Niemand würde die England-Legionäre als Söldner bezeichnen. Viele Iren schauen ohnehin ganz neidisch auf die englische «Premier League» und lassen die heimische Liga links liegen lassen. Es ist also etwas völlig Normales, wenn Robbie Keane für Liverpool und Shay Given bei Newcastle spielt. Zudem trägt jeder irische Fußballer, egal wo er spielt, seine Heimat und sein Land im Herzen. Iren sind in erster Linie stolz auf ihr Land und dessen Unabhängigkeit; für sie ist es die größte Ehre, das Trikot der «Boys in Green» zu tragen.

T: Der Held von gestern ist Roy Keane, der Held von heute ist Robbie Keane, wer ist der Held von morgen?
FC: Ich denke Selcuk Tidim vom FC St. Pauli, den ich auch in meinem Magazin vorstellte, steht eine blühende Zukunft bevor. Er gilt als Riesentalent und ich bin gespannt, ob er es tatsächlich schaffen wird. Aus der heimischen League of Ireland denke ich in erster Linie an Spieler wie Kilian Brennan, Brian Murphy, Niall McGinn, Keith Fahey, John-Paul Kelly, Mark Quigley oder Seamus Coleman. Sie sind die herausragenden Akteure dieser Saison, zudem noch recht jung. Ich denke, diese Namen sollte man sich merken.

T: Zur Zeit ist Giovanni Trapatoni irischer Nationaltrainer. Was traust du ihm zu?
FC: Also ich muss ehrlich zugeben, alles andere als begeistert gewesen zu sein als ich davon hörte. Bisher läuft es aber unerwartet gut in der WM-Qualifikation. Ich hoffe, es bleibt so und Irland wird das Ticket nach Südafrika lösen. Dennoch hat mich Trapatoni noch nicht vollkommen überzeugt, anders als die Iren selbst, die die Arbeit von ihm in höchsten Tönen loben.

T: Dein Fan-Zine «Irischer Fußball» wurde sogar in der größten irischen Zeitung, der «Independent», erwähnt. Wie fühlt man sich nach diesem Ritterschlag?
FC: Das kam seiner Zeit schon ziemlich überraschend für mich. Ich konnte es gar nicht glauben und bin selbst heute noch ein wenig verwundert darüber. Aber es ist natürlich eine großartige Sache und auch Lohn für die Mühen, die die Arbeit an solch einem Magazin mit sich bringt. Es ist auch Lob für meinen Mitstreiter Sean McGinley, der sich für das Layout verantwortlich zeichnete und ohne den das Magazin nicht zu dem geworden wäre, was es ist. Es zeigt aber auch, dass es für die Iren schon etwas besonderes ist, wenn da ein Deutscher kommt und über den Fußball in ihrem Land ein Magazin macht. In solch einem kleinen Land wie Irland bleibt sowas dann auch nicht im Verborgenen und ist gleich in aller Munde.

T: Kannst du schon verraten, worum es in der nächsten Ausgabe gehen wird?
FC: Die nächste Ausgabe wird sich vor allem mit der zurückliegenden Saison beschäftigen. Gegenwärtig sind nur noch zwei Spieltage zu spielen. So wird es einen ausführlichen Rückblick auf die Spielzeit 2008 geben, der neue Meister wird dabei natürlich nicht zu kurz kommen und auch der unglaublich spannende Abstiegskampf wird ein großes Thema sein. Zudem wird es ein Portrait über «University College Dublin FC» geben, der einzigen Universitätsmannschaft Europas, die in der höchsten Spielklasse ihres Landes spielt. Leider dürfte das in der kommenden Saison Geschichte sein, da UCD bereits rechnerisch abgestiegen ist. Über diese Ausgabe hinaus sind die Planungen aber auch vorangetrieben und so kann ich mir zur neuen Saison eine Art Sonderheft, ähnlich dem des Kicker bzw. der Sport-Bild, mit allem Kadern, Infos zu Vereinen und was da so dazugehört, sehr gut vorstellen. Die fast vier Monate lange Saisonpause lässt einem ja alle Zeit um daran zu arbeiten.

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5 Antworten zu “«Wer gut ist, der macht auch seinen Weg»”


  1. [...] «Wer gut ist, der macht auch seinen Weg» « 15:00 Taktikbesprechung. "In Irland dagegen findet man durchaus noch den körperbetonten ehrlichen Sport." (tags: fußball irland international) [...]

  2. Henning Sagt:

    Der interviewte Fachmann, Florian Christoph, bringt es auf den Punkt, was Sport als kulturelle Leistung im eigentlichen Sinn bedeutet, oder besser gesagt, bedeuten sollte: „In Irland dagegen findet man durchaus noch den körperbetonten ehrlichen Sport.“ Doch Geld und Doping, also Korruption, verderben das Anliegen und wandeln es zugleich in Massenkonsum um, quasi als Ersatzdroge für den harten Kampf im Alltag, wo es für die vielen Fans von Klubs oft nur ums eigene Überleben geht, wo permanente Einzel-Konkurrenz herrscht. Die Marketingstrategen erkennen das Potential und ziehen den Leuten mit überteuerten Eintrittspreisen und monströsen Eventstadien das letzte Geld aus der Tasche. Solange irischer Fußball nicht von diesem Geld- und Massenphänomen erfasst wird, bleibt es irischer Fußball. Wird er interessant für Geldgeber und Markanalysten, ist es vorbei. Angebot und Nachfrage bestimmen eben was passiert.

  3. Max Sagt:

    Ich frage mich gerade, ob der Sport dadurch besser würde, wenn man sämtliches Geld aus ihm herausziehen würde. Ob dann immer noch Millionen von Jungs in Südamerika und Afrika Fußballstar werden wollen.
    Und: Meiner Meinung nach zerstört Doping nicht den Sport, sondern den Charakter des Sports – ein feiner Unterschied.

    Die Nachteile von unprofessionellem Management zeigen sich übrigens bereits im irischen Fußball: Vereine verkalkulieren sich und gehen Pleite, es geht zu Lasten der Spieler, die quasi gezwungen sind, auf Teile ihres Gehalts zu verzichten.
    Dann lieber ein professionelles, wenn auch Kommerz-orientiertes Vereinsmanagement!


  4. [...] dann das zweite Interview hier: Florian Christoph spricht über Fußball in Irland und meint «Wer gut ist, der macht auch seinen Weg» (ich mag es nicht weniger gern, das Interview erhielt aber weniger Reaktionen als das mit Etienne). [...]


  5. [...] der PDF-Zeitschrift «Fußball in Irland – Das Magazin», vor einiger Zeit habe ich mit ihm ein Interview geführt. Nun ist die neueste Ausgabe erschienen, auf 12 Seiten beschäftigt man sich mit dem [...]


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