Archiv für Februar, 2009

Lesehinweis

28. Februar 2009

Die ARD beschäftigt sich mit Arsenals Talentschule im Piemont. Eine Verquickung von Jugendarbeit und -förderung, Kaderschmiede für den FC Arsenal und Unterstützung für die Region.

Spannend dabei: Die Fußballschule gab es schon vor der Förderung durch den FC Arsenal, arbeitete damals für italienische Erstligisten. Die «Gunners» können das Objekt im Zweifelsfall problemlos abstoßen, die Vereinsbindung ist eher gering.

Elf Freunde sollt ihr sein. Gerne auch mehr.

25. Februar 2009

«Die Zeit» hat seit einigen Wochen einen wunderbaren Foto-Blog – und heute zum ersten Mal ein Fußballthema. Unter dem sehr bezeichnenden Titel «There are very few rules in existence» geht es um das sogenannte Shrovetide-Fußballspiel.

Mit ausgezeichneter Ballbehandlung und Spielübersicht hat das allerdings wenig zu tun, denn dafür gibt es einfach zu viele Mitspieler und zu laxe Regeln… ;-) Wer britische Männer in voller Aktion sehen will, der sollte unbedingt klicken.

[Ergänzung: Wer das ganze Spektakel auch einmal als Bewegtbild sehen will, der sollte sich die 4-minütige Videoreportage bei der FAZ ansehen.]

Weinreich vs. DFB – Eine Frage des Geldes

22. Februar 2009

Die Ereignisse um den Sportjournalisten Jens Weinreich und sein Gerichtsverfahren gegen den DFB bzw. dessen Präsidenten Dr. Theo Zwanziger sind keine Neuigkeit. Ich vermute, die meisten meiner Leser sind darüber informiert, hier noch einmal die Zusammenfassung:
Weinreich bezeichnete in einem Kommentar in einem Blog Zwanziger als «unglaublichen Demagogen», dieser fühlte sich unzulässig diffammiert und strengte einen Prozess an. Das Gericht sah Weinreichs Aussage vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt. (Derzeit ist es unklar, ob Zwanziger bzw. der DFB in diesem Fall in die Hauptverhandlung gehen, Zwanziger präsentierte sich in diesem Thema aber mehrfach kämpferisch.) In einer Pressemitteilung deutete der DFB seine Niederlage als Sieg, Weinreich ging mit einer einstweiligen Verfügung dagegen vor. In der Folge ergaben sich drei Teil-Prozesse, die Weinreich gegen den DFB beziehungsweise vice versa führt.

Weinreichs Problem ist der finanziell übermächtige Gegner. Der DFB ist der größte Fußballverband weltweit, er verfügt über scheinbar unerschöpfliche finanzielle Mittel. Weinreich ist ein freier Journalist, er ist naturgemäß finanziell limitiert. So langsam stößt er an seine Grenzen.
Es sieht so aus, als könnte Weinreich die bestehenden Verfahren nicht zu Ende führen, weil das finanzielle Risiko für ihn überwiegt. Gleichzeitig hat er bislang noch kein einziges Verfahren verloren, das Gericht gab ihm jedes Mal Recht.

Nun hat Jens Weinreich in seinem Blog um finanzielle Unterstützung für den Prozess gebeten. Er erklärt dort ausführlich die Situation und seine Position.

Ich habe soeben Jens Weinreich mit einer bescheidenen Summe unterstützt. Ich möchte hier nicht dazu aufrufen, es mir nachzutun, sondern ich halte es für wichtiger, dass man über den Fall nachdenkt und nach reiflicher Überlegung seine Entscheidung trifft. Und wenn diese pro Weinreich ausfällt, dann würde mich dies umso mehr freuen.

(Übrigens: Bei Jens Weinreich wird in den Kommentaren die Aktion «Zwanziger gegen Zwanziger» angeregt. Finde ich sehr griffig, auch wenn ich nicht 20€ gespendet habe.)

Deutschland gegen Norwegen

11. Februar 2009

Ein kurzes Pausenfazit

Deutschland spielt relativ gut, die Pfiffe zur Halbzeit sind unberechtigt. Aber: Noch hat die DFB-Auswahl kein Mittel gefunden, um die norwegische Defensive effektiv zu knacken.
Das Mittelfeld spielt sehr strukturiert nach vorne, öffnende Pässe und das so viel zitierte vertikale Spiel sind gut zu sehen. Aber gegen zwei norwegische Fünferketten kommt man naturgemäß kaum zu Chancen. Es gibt zwei Problemfelder im Offensivspiel:

  1. Bei vielen Pässen fehlt die Präzision, viele gute deutsche Angriffe werden abgefangen. Allerdings ist hier auch positiv das Tempo des deutschen Mittelfeldes anzumerken, das in einer ziemlich guten Geschwindigkeit Bälle weiterverarbeitet.
  2. Es kommen zu wenig Flanken auf Gomez und Klose. Beide spielen angesichts dieser Verhältnisse gut, haben keine Großchancen ausgelassen. Gomez hat nach einer harmlos scheinenden Situation zu Beginn der Partie auch einen sehr gefährlichen Schuss abgefeuert.

Das deutsche Defensivspiel fällt dagegen zurück. Ich sehe den Fehler vor allem im defensiven Mittelfeld, Torsten Frings antizipiert nur wenige Bälle, geht außerdem zu oft in den Angriff und weiß sich meistens nur durch ein Foul zu helfen. Thomas Hitzlsperger oder Simon Rolfes sollten in meinen Augen zur Halbzeit eingewechselt werden.
Mit den schnellen norwegischen Kontern tut sich die deutsche Deckung schwer, die Angriffe werden wie gesagt nicht früh genug unterbunden.

Andreas Hinkel, der zur Halbzeit das Feld für Andreas Beck räumen wird, hat gut gespielt, er war nach hinten souverän und war auch ins Offensivspiel eingebunden. Auch Michael Ballack präsentierte sich gut, auch wenn er in seinen Pässen öfters die Präzision vermissen ließ.
Wie bereits angesprochen war Torsten Frings eine der Schwächen des deutschen Spiels, auch Bastian Schweinsteiger hätte zielstrebiger in seinen Aktionen sein können.

Die Pfiffe des Publikums zur Halbzeit halte ich aber für übertrieben, vor allem das gut strukturierte deutsche Angriffsspiel wusste zu gefallen. Die DFB-Elf zeigte Übersicht, die Norweger verteidigten jedoch mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und verlegten sich aufs Kontern.

Nach dem Spiel

In der zweiten Halbzeit sah man die Fehler der ersten 45 Minuten in ausgeprägterer Form: Schlechtes Defensivverhalten, gute Angriffe, die aber zu selten abgeschlossen werden.

Insofern ist auch das Ergebnis, ein 0:1 für Norwegen, vollkommen in Ordnung. Die Skandinavier verfolgten ein klares Konzept und setzten dies auch um: Hinten solide stehen, vorne schnell kontern.
Bei Deutschland hatte man auch ein Konzept zu bieten – Stichwort vertikales Spiel -, setzte dies aber nicht konsequent um. Es mangelte an Zielstrebigkeit und Präzision, nach dem Rückstand gab man sich selbst auf.

Der Einschätzung, dass das deutsche Spiel schlecht war, folge ich nicht. Es mangelte an einigen entscheidenden Punkten, aber die wichtigen Ansätze waren relativ lange klar erkennbar.