Archiv für Mai, 2009
27. Mai 2009
Vor ziemlich genau einem Jahr, am 21. Mai 2008, wurde hier (als dritter Artikel seit der Entstehung) die Frage aufgeworfen, ob der Schweizer Christian Gross zu Borussia Dortmund wechseln und dort die Nachfolge von Thomas Doll antreten würde. Dem an Fußball interessierten Leser ist natürlich bewusst, dass es anders kam. Jürgen Klopp wurde Trainer beim BVB und führte die Schwarzgelben in der Rückrunde bis an die Europa-League-Plätze, die jedoch am allerletzten Spieltag durch ein Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach verspielt wurden.
Christian Gross blieb weiterhin bei seinem Schweizer Verein, dem FC Basel. Bis heute. Vor dem letzten Saisonspiel beschloss der Verwaltungsrat jedoch, dass sein Vertrag am Ende der Spielzeit vorzeitig beendet werden würde. Gross hatte Basel zehn Jahre lang trainiert und den Verein 2002 und 2008 in die Champions League geführt. Insgesamt wurde er fünf Mal Schweizer Meister (davon jedoch zwei Mal mit dem Grasshoppers Club Zürich).
Als Grund für die Entlassung wurde der sportliche Misserfolg genannt. Der FC Basel ist einen Spieltag vor dem Ende der Serie auf dem zweiten Tabellenplatz, könnte jedoch noch vom Tabellendritten BSC Young Boys Bern verdrängt werden. Beide Klubs spielen am nächsten Spieltag – Gross’ letztem Spiel als Basel-Trainer – gegeneinander. Der Tabellenvierte Grasshopper Club Zürich hat 22 Punkte Rückstand auf Basel.
Gross ist ein erfahrener Trainer. Er führte den FC Wil in die erste Schweizer Liga, wurde Schweizer Meister mit Zürich und Basel, gewann mehrfach den Landespokal und konnte Erfahrung in internationalen Wettbewerben sammeln.
Eigentlich der perfekte Trainerkandidat für den HSV, denen vor kurzem Martin Jol als Mann auf der Bank abhanden kam. Was spricht dagegen? Christian Gross selbst: «Ich werde sicher nicht schon ab morgen mit einem neuen Klub verhandeln.» Ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass sich der HSV nicht intensiv um ihn bemüht.
[Alternativhypothese: Bruno Labbadia sitzt bei Bayer 04 Leverkusen alles andere als fest im Sattel, seine Vertragsverlängerung ist noch nicht einmal bei einem Sieg im DFB-Pokalfinale gesichert. Außerdem scheint es nur noch eine Frage des Geldes zu sein, wann das 20-jährige Top-Talent Eren Derdiyok vom FC Basel zu Bayer 04 wechselt. Vielleicht fliegt Labbadia und die Werkself holt neben Derdiyok auch Gross weiter rheinaufwärts.]
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Tags: Bayer 04 Leverkusen, Bruno Labbadia, BSC Young Boys Bern, Christian Gross, Eren Derdiyok, FC Basel, FC Wil, Grasshopper Club Zürich, Hamburger SV, HSV, Martin Jol, Transfermarkt.ch
22. Mai 2009
David Odonkor, einer der WM-Helden von 2006, zieht es anscheinend zurück nach Deutschland. Nachdem er zuletzt beim Tabellensechzehnten der spanischen Primera División, Betis Sevilla, nur noch sporadisch zum Einsatz kam, erwägt er nun laut Informationen des «sid» eine Rückkehr in die Bundesliga.
Es gibt in Deutschland drei oder vier interessierte Mannschaften. Wenn ich eine davon auswählen könnte, wäre es Hannover 96.
Ein taktisches Manöver? Hannovers Präsident Martin Kind erklärte, er hätte dieses angebliche Interesse seines Vereins erst durch die Presse erfahren. Andererseits könnte Hannovers neuer Sportdirektor Jörg Schmadtke, der erst seit wenigen Wochen im Amt ist, in diesen Fall verwickelt sein. Aus seiner Zeit bei Alemannia Aachen ist bekannt, dass Schmadtke zuweilen dazu neigt, Entscheidungen nicht mit dem Vereinsvorstand abzusprechen – das würde Kinds Ahnungslosigkeit erklären.
Es ist unbekannt, ob und zu welchen Bundesligisten Odonkors Spieleragentur «Sieger Sport» bereits Kontakte geknüpft hat. Möglicherweise könnte auch die Agentur «Teamgeist», die Andreas Hinkel betreut, mit dem Transfer zu tun haben, bei beiden Agenturen fungiert ein gewisser Klaus Schaude als Ansprechpartner.
Seriöse Quellen, die eine Tendenz anzeigen, existieren derzeit nicht. Laut Transfermarkt.de soll auch BSC Young Boys Bern an einer Verpflichtung von Odonkor interessiert sein.
Meine Vermutungen:
- Jörg Schmadtke ist an Odonkor interessiert, hat seinem Präsidenten aber davon nichts erzählt. Dieser erfährt es dummerweise über die Presse.
- Der 1. FC Köln deckt mit seinem Scouting-Netzwerk den iberischen Fußball gut ab. Odonkor als Vorlagengeber für Lukas Podolski könnte eine interessante Option für die kommende Saison sein. (Gegen Ende seiner Dortmunder Zeit schlug Odonkor präzise Flanken, ob das noch immer so ist, kann ich nicht beurteilen.)
- Die TSG Hoffenheim will zur neuen Saison einen zweistelligen Millionenbetrag in neue Spieler investieren. Da Rangnick über einen sehr schnellen Sturm verfügt (zum Beispiel Demba Ba), würde Odonkor gut in dieses Spielsystem passen. Möglicherweise gelingt es Rangnick auch, Odonkors «eigenwillige» Technik und Ballbehandlung zu verbessern. (In der Vergangenheit ließ er auf Videos Bewegungsanalysen seiner Spieler erstellen, um Fehler zu entdecken. Ich weiß nicht mehr, welchen Spieler Rangnick hier als Beispiel heranzog – ich habe wieder Demba Ba im Hinterkopf -, aber die Verbesserung war bemerkenswert.)
- Ich könnte mir auch vorstellen, dass einer der Zweitliga-Aufsteiger (SC Freiburg ist bereits aufgestiegen, der FSV Main 05 und der 1. FC Nürnberg steigen entweder direkt auf oder erreichen den Relegationsplatz) Interesse an einer Belebung für die Offensive hätte.
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Tags: 1. FC Köln, 1. FC Nürnberg, 11Freunde, 1899 Hoffenheim, Alemannia Aachen, Andreas Hinkel, Betis Sevilla, Borussia Dortmund, BSC Young Boys Bern, Bundesliga, David Odonkor, Demba Ba, FSV Mainz 05, Hannover 96, Jörg Schmadtke, Klaus Schaude, Lukas Podolski, Martin Kind, Primera Division, Ralf Rangnick, SC Freiburg, sid, Sieger Sport, Teamgeist, Transfermarkt.de, TSG Hoffenheim
18. Mai 2009
In einer lange offenen Partie wurde die deutsche U17-Auswahl durch einen starken Freistoß kurz vor dem Ende der Verlängerung Europameister. Die Niederländer waren bereits nach sieben Minuten in Führung gegangen, Thy und Trinks erzielten die Tore für die DFB-Elf.
Das 1:0 in der siebten Minute durch Luc Castaignos erzielte niederländische Führungstor wurde in der 34. Spielminute ausgeglichen: Nach einem Freistoß konnte der Keeper Patrick ter Mate den Ball noch abwehren, doch Lennart Thy, der sich aus dem allgemeinen Strafraumgetümmel herausgestohlen hatte, konnte das Leder mit einem wuchtigen Kopfball über die Linie bringen.
Vor 25.000 Zuschauern in Magdeburg dominierten die deutschen Junioren Holland in der zweiten Halbzeit. Dennoch mangelte es mehrfach an klar zu Ende gespielten Aktionen. Vor allem über die rechte Seite entstand viel Druck, doch besonders im zentralen Mittelfeld waren mehrfach leichte Ballverluste zu sehen. Mario Götze und vor allem Lennart Thy waren im Sturm sehr agil, konnten viele Bälle erobern und behaupten, sie zeigten jedoch Schwächen im Abschluss.
Holland blieb insgesamt zu ungefährlich, erst der eingewechselte Rangelo Janga kreierte Chancen für «Oranje».
Nach der regulären Spielzeit stand es 1:1.
Insgesamt fehlte der deutschen Elf auch in der Verlängerung eine wirkliche Struktur im Spiel. Ein gutes Passspiel im zentralen Mittelfeld existierte nicht, immer wieder musste der Umweg über die Abwehr oder die Flügel gewählt werden. Dass ein Deutscher sich alleine gegen zwei Holländer behaupten musste, war keine Seltenheit – diese strategischen Defizite wurden zwar von den Spielern selbstständig erkannt, jedoch muss dies früher geschehen, um die Situation sauber zu lösen. Umgekehrt blockierten sich vor allem nach Ecken oder Freistößen mehrfach deutsche Spieler gegenseitig. Mit mehr Routine und Eingespieltheit wird sich dies zwar vermindern, aber klare Regelungen, welcher Spieler Priorität im Ballbesitz hat, könnten auch früh schon Abhilfe schaffen.
Die vielen Spiele in kurzer Zeit waren beiden Teams in der Verlängerung anzumerken. Klare Chancen aus dem Spiel heraus entstanden selten und wurden in der Regel von einzelnen, entschlossenen Spielern eingeleitet. Vor allem Matthias Zimmermann und Florian Trinks taten sich hier hervor, sie gingen entschieden in die Zweikämpfe und gaben ihr letztes Hemd, um den Sieg für ihre Mannschaft zu erreichen. Ein Freistoß von Trinks, der scharf getreten und vom Innenpfosten ins Tor prallte, brachte die deutsche U17 dann tatsächlich kurz vor dem Ende der zweiten Halbzeit der Verlängerung in Führung.
Danach wurde das Spiel aggressiver, Zimmermann und Trinks mussten sich gegen rüde Attacken der Niederländer wehren, hielten sich dabei aber auch selbst nicht zurück (vor allem Trinks hatte noch in der regulären Spielzeit heftig den holländischen Torwart attackiert). Mats van Hujivgevoort, der bereits zu Beginn der zweiten Halbzeit die Gelbe Karte gesehen hatte, wurde nach einer klaren Tätlichkeit an Trinks, dem er auf den Brustkorb trat, überraschenderweise kurz vor Schluss nicht des Feldes verwiesen.
Angesichts der harmlosen Holländer konnte die deutsche U17 das Spiel verdient gewinnen. Lennart Thy, der im Abschluss Defizite zeigte, und Florian Trinks, der manchmal überhart agierte, taten sich dabei auf deutscher Seite besonders hervor.
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Tags: Abenteuer Fußball, Deutschland, Florian Trinks, Holland, kicker, kicker.de, Lennart Thy, Luc Castaignos, Mario Götze, Mats van Hujigenvoort, Matthias Zimmermann, Niederlande, Oranje, Rangelo Janga, U17, U17-EM
12. Mai 2009
Bei den 11Freunden habe ich heute einen interessanten und ausführlichen Artikel von Benni Kuhlhoff gefunden, der sich mit der Situation in Dortmund und Jürgen Klopps Arbeit befasst. Neben der inzwischen ja nicht mehr originellen Feststellung, dass Klopp Klinsmanns Credo, jeden Spieler jeden Tag besser zu machen, tatsächlich verwirklicht hat, im Gegensatz zum Ex-Nationaltrainer, findet sich dort eine Passage, die ich mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt habe:
Dortmund hat in dieser Saison bisher nur vier Mal verloren, so selten wie keine andere Mannschaft der Liga. [...] Denn Dortmund ist unter Jürgen Klopp nicht mehr die unsichere Mannschaft, die einfach nur irgendwie mitspielen will, sondern eine Einheit, die in jedem Spiel ihr Konzept verfolgt und auf Sieg spielt. Diese konsequenten, klar erkennenbare Linie wird auch eine Genugtuung für den kritisch beäugten Klopp sein. Nicht Wenige zweifelten vor der Saison, ob Klopp mit einer Aufgabe bei einem großen Club und vor allem außerhalb seiner Mainzer Heimat zurecht kommen würde. [...] Und auch der Fußballehrer Klopp selbst scheut sich nicht, Neues zu lernen. Zu Beginn der Saison verzichtete er beispielsweise noch dankend auf den Schweizer Alexander Frei im Sturmzentrum der Schwarz-Gelben, weil dessen Art Fußball zu spielen, nicht in das Konzept von Klopp zu passen schien. Zu passiv, zu wenig Arbeit nach hinten, das waren die Attribute, die den Publikumsliebling Frei zum Bankdrücker machten und ihn sogar im Winter über eine Abgang nachdenken ließen. Stattdessen vertraute Klopp auf Mohamed Zidan, der das ihm geschenkte Vertrauen aber zu selten in Zählbarem zurückzahlte. Also gab Klopp Frei eine zweite Chance und seit dessen Rückkehr in die Startformation gewann auch das Dortmunder Angriffspiel zunehmend an Stabilität. Seit der Schweizer wieder in der Startelf steht, ist Dortmund ungeschlagen.
Kuhlhoff geht weiterhin auf die Entwicklung ein, die eine Reihe von Spielern unter Klopp gemacht haben. Neben Felipe Santana und Neven Subotic nennt er Patrick Owomoyela, Roman Weidenfeller (was ich ablehnen würde – Weidenfeller war zuvor ein Torwart, der etwas besser als der Durchschnitt war, und ist es auch jetzt geblieben) und Nuri Sahin. Ich frage mich: Was ist mit Jakub Blaszczykowksi, der eine wichtige Rolle im Offensivspiel einnimmt? Was ist mit Sebastian Kehl, der so lange nicht mehr als ein Hoffnungsträger war und jetzt der charakterstarke Anführer und Kapitän dieses Teams ist?
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Tags: 11Freunde, Alexander Frei, Benni Kuhlhoff, Borussia Dortmund, Felipe Santana, Jakub Blaszczykowski, Jürgen Klinsmann, Jürgen Klopp, Mohamed Zidan, Neven Subotic, Nuri Sahin, Patrick Owomoyela, Roman Weidenfeller, Sebastian Kehl