Archiv für September, 2009

Null Acht startet Fußball-Filmreihe

18. September 2009

Diego Maradona – ein fußballerisches Genie und eine polarisierende Persönlichkeit. Dank der «Hand Gottes» vielleicht sogar ein Phänomen der Pop-Kultur?

In seinem Film «Maradona by Kusturica» arbeitet sich der Regisseur Emir Kusturica an dem argentinischen Phänomen ab. Entstanden ist eine 90-minütige Dokumentation, die unter anderem bei den Filmfestspielen in Cannes 2008 gezeigt wurde.

Seine Österreich-Premiere (und das ist der eigentliche Grund für diese Meldung) feiert «Maradona by Kusturica» am 6. Oktober 2009 in Wien als Debüt-Film der Filmreihe von «Null Acht», dem selbst ernannten Magazin für Rasenpflege.

Was? «Maradona by Kusturica». Ein 90-minütiges Denkmal für Diego Maradona, Auftakt der Filmreihe «Im Flutlicht» von «Null Acht».
Wann? Dienstag, 06.10.2009. 20:30. Achtung, Änderung: 20 Uhr.
Wo? Schikaneder, Margaretenstraße 24, A-1040 Wien
Wie teuer? 5€.

Mehr Informationen (und eine Pressemappe) gibt es auf der Webseite von Null Acht.

[Disclaimer: Ich schreibe gelegentlich für «Null Acht», allerdings bislang ohne Bezahlung. Das Magazin hat meiner Meinung nach Unterstützung jeder Art vollkommen verdient.]

3:0 – Rapid Wien zerlegt den HSV

17. September 2009

Wendiger, schneller, giftiger – das war Rapid Wien an diesem Septemberabend.
Beide Mannschaften begannen mit viel Tempo, doch nachdem der HSV seine Torchancen nicht nutzen konnte, ging Rapid nach 35 Minuten in Führung und ließ jegliche Ordnung bei den norddeutschen Gästen verschwinden. Angesichts des enormen Einsatzes der Österreicher zeigten sich diese eingeschüchtert, zudem verhinderte die enge Deckung und die gute Laufarbeit in der Wiener Defensive, dass der HSV gefährlich werden konnte. Konsequent in diesem Sinne war dann auch das 2:0 vor der Pause, das wie schon der Führungstreffer durch die Ungeschicktheit der Hamburger Abwehr begünstigt wurde.

Rapid Wien zeigte sich laufstark, verbissen und stellenweise auch hart. Das Stellungsspiel in der Abwehr funktionierte fehlerlos, die Spieleröffnung geschah in einem beeindruckendem Tempo. Um Überzahlsituationen für den HSV zu vermeiden, bediente man sich eines ebenso alten wie effektiven Mittels: Wenn man zu wenig Spieler hinter dem Ball hatte, wurde der ballführende Gegner entweder hart attackiert oder sofort gefoult.

Hamburg fand kein Mittel gegen die dicht stehenden Österreicher, die mit enormen Einsatz die Führung verteidigten beziehungsweise ausbauten. Bälle konnten nicht behauptet werden oder gingen verloren, der ballführende Spieler wurde konsequent gedoppelt und alle Anspielmöglichkeiten verbaut. Eine solch konsequente Defensivleistung wie die von Rapid Wien (gegen einen zugegebenermaßen desorientierten HSV) habe ich lange nicht gesehen!

Die Geschichte der Fußballtaktik beim SWR

17. September 2009

Vor einiger Zeit wurde hier im Blog eine Artikelserie bei Spox.com vorgestellt, die sich mit der Entstehung der Taktik im Fußball beschäftigte. Damals kritisierte ich den pseudo-jovialen Plauderton, der in den einzelnen Artikeln mitschwang.

Eine etwas bessere Alternative habe ich kürzlich beim SWR gefunden. Die zehnteilige Artikelserie beschäftigt sich mit den üblichen Spielsystemen, ist aber deutlich knapper gefasst, wirkt aber dennoch auf mich irgendwie seriöser und fundierter. (Auch wenn die Qualität der Beiträge anfangs etwas schwankt.)

Diego Maradona lässt Argentinien im Stich

15. September 2009

Am Sonntag verließ Diego Maradona heimlich Argentinien, um sich in ein italienisches Fitness-Hotel abzusetzen. Er müsse Pfunde loswerden, so der offizielle Kommentar. Drei Wochen vor dem entscheidenden Spiel um die Qualifikation zur WM 2010 hält nun Carlos Bilardo, ehemaliger argentinischer Nationaltrainer und zuletzt Maradonas Berater, das Ruder in der Hand.

Es klingt nach einer typischen Geschichte um Diego Armando Maradona, sie reiht sich nahtlos ein in die verschiedenen kleinen Erzählungen um sein Leben: Seine Verehrung für Che Guevara und Fidel Castro, seine «Hand Gottes», seine Drogensucht, seine verzweifelt wirkenden Entzugs-Versuche, seine Ich-Bezogenheit («El Diez»). Aber, so scheint es, Maradona hat erkannt, dass er zwar ein unglaublicher Spieler war, aber auf anderen Bereichen versagt. Einer dieser anderen Bereiche ist die Trainerbank.

Als Maradona im Oktober 2008 die «Albiceleste» übernahm, stach vor allem ein Name in seinem Trainerstab hervor: Carlos Bilardo, der als Trainer Argentinien 1986 zum Weltmeister und 1990 zum Vize-Weltmeister machte. Der 70-Jährige galt lange als Favorit für den Posten des Nationaltrainers, doch dann kam Maradona und reklamierte den Posten für sich. Bilardo trat ins zweite Glied zurück, jetzt hält er erneut die Fäden in der Hand.

Demontiert sich Maradona selbst oder hat der argentinische Fußballverband mit leichtem Druck dafür gesorgt, dass die ewige Nummer Zehn die Reißleine zieht? Angeblich wusste Verbandspräsident Julio Grondona nichts von der übereilten Abreise Maradonas, doch angesichts der Situation in Argentiniens WM-Qualifikationsgruppe dürfte er alles andere als unglücklich sein, den Trainer-Novizen Maradona vorerst nicht mehr ertragen zu müssen.
Zwei Spiele (zuhause gegen Peru, auswärts gegen Uruguay) stehen dort noch aus; mit der aktuellen Platzierung (Rang 5) würde ein Relegationsspiel gegen eine Mannschaft aus dem Fußballverband Nord- und Mittelamerikas über die WM-Teilnahme entscheiden. Eigentlich eine lösbare Aufgabe für die Elf um den amtierenden UEFA-Champions-League-Torschützenkönig Lionel Messi, doch möglicherweise könnte Argentinien schon vorher scheitern: Kolumbien, Venezuela und Uruguay könnten die Argentinier überholen und damit aus dem Rennen werfen. Eine Schmach für die stolze Fußballnation!

Carlos Bilardo soll nun die Kohlen aus dem Feuer holen. «Wenn es zwei Trainer gibt, verwirrt das die Spieler», sagte der ergebnisorientierte Taktik-Fanatiker gegenüber der argentinischen Presse. Es blieb offen, ob er damit ausdrücken wollte, dass er bereits in der Vergangenheit de facto der zweite Nationaltrainer neben Maradona gewesen sein soll, oder ob er es ablehnt, dass Maradona zurückkehrt und Argentinien erneut übernimmt.
Bilardo, den mit dem Entdecker Maradonas, César Luis Menotti, eine herzliche Abneigung verbindet, ist einer der knallharten argentinischen Trainer, die sich auch durch ungewöhnliche Aktionen den Respekt ihrer Spieler verschaffen wollen. «El Loco», wie der promovierte Mediziner auch genannt wird, also «der Verrückte» weckte teilweise nachts seine Spieler auf, um sie abzufragen, welchen Gegenspieler sie in der nächsten Partie zu decken hätten. Nicht zuletzt durch den Triumph bei der WM 1986 machte er sich in Argentinien selbst zur Legende. Seine Verpflichtung als Co-Trainer Diego Maradonas ging auf den argentinischen Fußballverband zurück, der neben dem Neuling einen etablierten Kopf haben wollte. Selbst Maradona bekannte in Interviews, dass Bilardo geholt worden sei, für den Fall, dass er selbst versage. Dieser Fall scheint nun eingetreten zu sein. Manche gehen davon aus, dass er nicht zurückkehrt.