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Deutschland gegen Norwegen

11. Februar 2009

Ein kurzes Pausenfazit

Deutschland spielt relativ gut, die Pfiffe zur Halbzeit sind unberechtigt. Aber: Noch hat die DFB-Auswahl kein Mittel gefunden, um die norwegische Defensive effektiv zu knacken.
Das Mittelfeld spielt sehr strukturiert nach vorne, öffnende Pässe und das so viel zitierte vertikale Spiel sind gut zu sehen. Aber gegen zwei norwegische Fünferketten kommt man naturgemäß kaum zu Chancen. Es gibt zwei Problemfelder im Offensivspiel:

  1. Bei vielen Pässen fehlt die Präzision, viele gute deutsche Angriffe werden abgefangen. Allerdings ist hier auch positiv das Tempo des deutschen Mittelfeldes anzumerken, das in einer ziemlich guten Geschwindigkeit Bälle weiterverarbeitet.
  2. Es kommen zu wenig Flanken auf Gomez und Klose. Beide spielen angesichts dieser Verhältnisse gut, haben keine Großchancen ausgelassen. Gomez hat nach einer harmlos scheinenden Situation zu Beginn der Partie auch einen sehr gefährlichen Schuss abgefeuert.

Das deutsche Defensivspiel fällt dagegen zurück. Ich sehe den Fehler vor allem im defensiven Mittelfeld, Torsten Frings antizipiert nur wenige Bälle, geht außerdem zu oft in den Angriff und weiß sich meistens nur durch ein Foul zu helfen. Thomas Hitzlsperger oder Simon Rolfes sollten in meinen Augen zur Halbzeit eingewechselt werden.
Mit den schnellen norwegischen Kontern tut sich die deutsche Deckung schwer, die Angriffe werden wie gesagt nicht früh genug unterbunden.

Andreas Hinkel, der zur Halbzeit das Feld für Andreas Beck räumen wird, hat gut gespielt, er war nach hinten souverän und war auch ins Offensivspiel eingebunden. Auch Michael Ballack präsentierte sich gut, auch wenn er in seinen Pässen öfters die Präzision vermissen ließ.
Wie bereits angesprochen war Torsten Frings eine der Schwächen des deutschen Spiels, auch Bastian Schweinsteiger hätte zielstrebiger in seinen Aktionen sein können.

Die Pfiffe des Publikums zur Halbzeit halte ich aber für übertrieben, vor allem das gut strukturierte deutsche Angriffsspiel wusste zu gefallen. Die DFB-Elf zeigte Übersicht, die Norweger verteidigten jedoch mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und verlegten sich aufs Kontern.

Nach dem Spiel

In der zweiten Halbzeit sah man die Fehler der ersten 45 Minuten in ausgeprägterer Form: Schlechtes Defensivverhalten, gute Angriffe, die aber zu selten abgeschlossen werden.

Insofern ist auch das Ergebnis, ein 0:1 für Norwegen, vollkommen in Ordnung. Die Skandinavier verfolgten ein klares Konzept und setzten dies auch um: Hinten solide stehen, vorne schnell kontern.
Bei Deutschland hatte man auch ein Konzept zu bieten – Stichwort vertikales Spiel -, setzte dies aber nicht konsequent um. Es mangelte an Zielstrebigkeit und Präzision, nach dem Rückstand gab man sich selbst auf.

Der Einschätzung, dass das deutsche Spiel schlecht war, folge ich nicht. Es mangelte an einigen entscheidenden Punkten, aber die wichtigen Ansätze waren relativ lange klar erkennbar.

Deutschland gegen Russland

11. Oktober 2008

Eine exzellente erste Halbzeit reicht der deutschen Nationalmannschaft zum wichtigen Sieg in der Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika. Gegen Ende verhinderten eine Abwehrschlacht und Glück bei einem Pfostenschuss der Russen die Punkteteilung.

Die größte Überraschung im Vorfeld der Partie war sicherlich, dass Torsten Frings nicht in der deutschen Startelf zu finden war. Thomas Hitzlsperger erhielt das Vertrauen von Bundestrainer Joachim Löw und lief mit dem von einer Verletzung genesenen Michael Ballack und Torwart-Debütant René Adler auf.
Von Anfang an spielte Deutschland guten Fußball. Zielgerichtetes Angriffsspiel, offensiv ausgerichtete Flügelspieler und konzentrierte Attacken brachten Guus Hiddinks Russen schon früh in Bedrängnis. Nach fünf Spielminuten hatte Deutschland die Lauf- und Passwege abgestimmt (in diesen ersten Minuten hatte die «Sbornaja» in Person von Pavel Pogrebnyak auch eine erste gute Möglichkeit), von da an rollte Angriff auf Angriff auf das russische Tor.

Nach neun Minuten ging Deutschland in Führung. Ein Linksschuss von Podolski landete im Tor von Igor Akinfeev. Das von Löw so geliebte und geforderte «vertikale Spiel» praktizierten die Deutschen perfekt, immer wieder gab es Steilpässe aus dem Mittelfeld in die Angriffsspitze – auch Innenverteidiger Heiko Westermann tat sich hier hervor. Bemerkenswert auch Arne Friedrich, der sonst seine Position auf der rechten Abwehrsseite verhältnismäßig defensiv interpretiert. In seinem Offensivdrang stand er Philipp Lahm heute in nichts nach, kam immer wieder bis an den gegnerischen Strafraum und sorgte für Druck auf die russische Abwehr.

Löws Elf kombinierte routiniert, hatte das Spiel im Griff und diktierte das Tempo nach Belieben. Die Spielübersicht war das Pfund, mit dem die Deutschen wucherten und letztendlich auch nach 28 Spielminuten die Führung ausbauen konnten. Schweinsteiger war in den gegnerischen Strafraum vorgedrungen und hatte das Auge für den Nebenmann – Michael Ballack verwertete aus kürzester Distanz den auf den zweiten Pfosten gespielten Ball, auch Miroslav Klose hätte zur Stelle sein können.
Klose und Podolski im deutschen Angriff harmonierten überaus gut. Während Podolski immer wieder das direkte Duell suchte und mit Tempo und Biss seinen Gegenspielern zu entwischen versuchte, arbeitete Klose mannschaftsdienlich, nahm Bälle an und verteilte diese.

Russlands Vorteil bestand einzig und allein in der Schnelligkeit. Die Defensive hatte eine bestenfalls mittelmäßige Raumaufteilung, die nur durch enormen läuferischen Einsatz zu kompensieren war. Strukturierte Spielzüge hatten Seltenheitswert. Das nominelle 4-3-3 wurde immer wieder zu einem 4-3-1-2 umgebaut, das auch bei eigenem Ballbesitz bestehen blieb.

Bis zur Pause gehörte die Partie klar der deutschen Mannschaft. Mit einer gelungenen Mischung aus Dynamik, Übersicht und Zweikampfstärke hatte sie dem Gegner ihr Spiel aufgezwungen und dieses mit zwei Toren auch erfolgreich gestaltet.
Nach dem Wiederanpfiff konnten die Deutschen den zuvor hinterlassenen guten Eindruck jedoch nicht bestätigen. Verlorene Zweikämpfe brachten die Russen ins Spiel, die nun erstmals Zug zum Tor entwickeln konnten. In der 51. Minute war René Adler dann geschlagen: Aleksandr Anyukov wagte eine Attacke, sein Schuß rutschte dem deutschen Torhüter durch die Beine, Andrey Arshavin stocherte den Ball ins Netz. Von da an kippte das Spiel, die russischen Angriffe wurden Legion, die deutsche Defensive zeigte ihre Schwächen. Beständig erhöhte Russland das Tempo, drängte auf den Ausgleich. Die Deutschen hatten sich in den ersten 45 Minuten offensichtlich verausgabt, jetzt galt es das Ergebnis zu halten und über die Zeit zu bringen – was auch gelang, nachdem wenige Minuten vor Abpfiff der Pfosten geholfen hatte, um die deutsche Führung zu wahren.

Ein Unentschieden wäre wohl insgesamt das gerechtere Resultat gewesen, doch unter dem Strich bleibt eben auch eine exzellente erste Spielhälfte der Deutschen.

Die Deutschen in der Einzelkritik
René Adler meldete in seinem Länderspieldebüt Ansprüche auf den Stammplatz im Tor an. Das Gegentor hätte er um ein Haar verhindert, in der hitzigen Schlussphase war er ein Fels in der Brandung. Der 23-Jährige strahlte Ruhe und Sicherheit aus – und hielt fast alle Bälle fest.

Arne Friedrich spielte auf der rechten Abwehrseite offensiver als gewohnt. Eine gute Partie des Berliner Kapitäns.
Per Mertesacker war vor allem in der zweiten Halbzeit gefordert und traf im entscheidenden Moment oft die richtige Entscheidung. Ein gutes Spiel.
Heiko Westermann entwickelte in der ersten Hälfte durch zahlreiche Steilpässe viel Druck. Der Schalker spielt sehr souverän und ruhig.
Philipp Lahm suchte sehr oft den Abschluss. Seine Vorstöße rissen aber auch Löcher in der eigenen Abwehr auf, dem Gegentor ging ein Fehler von ihm voraus, über seine Flanke entwickelten die Russen die größte Gefahr. War nicht schwach, aber auch nicht besonders gut.

Bastian Schweinsteiger lieferte eine überzeugende Partie ab. Setzte nach dem Anschlusstreffer ein Zeichen, indem er in den Zweikämpfen nicht aufgab. Sorgte bis zum Ende auch immer wieder für Entlastungsangriffe. Eine sehr überzeugende Vorstellung.
Michael Ballack biss sich in die Zweikämpfe. Der Kapitän brachte Leistung – und genau darum geht es.
Thomas Hitzlsperger spielte eine unauffällige Absicherung für Ballack. Kaum zu sehen, aber immer auf der Höhe, wenn er gefordert wurde.
Piotr Trochowski suchte wie Philipp Lahm sehr oft den Abschluss. Bei der Defensivarbeit mangelte es an der Abstimmung mit seinem Hintermann Lahm.

Miroslav Klose spielte mannschaftsdienlich. Große Torgefahr versprühte er nicht, er verteilte die Bälle lieber auf seine Nebenmänner. Aber keine schlechte Partie.
Lukas Podolski erzielte mit Biss die Führung. Die Lust am Spiel war dem Bayern-Edel-Reservisten deutlich anzumerken. Gut!

Mario Gomez wurde nach 71 Minuten für Miroslav Klose eingewechselt. Bei Kontern zur Stelle, aber bei seinen Versuchen schmissen sich die russischen Verteidiger oft in die Flugbahn des Balles.
Torsten Frings kam nach 83 Minuten für Trochowski und sollte die Defensive stabilisieren. Klappte auch
Simon Rolfes wurde wenige Sekunden vor Abpfiff eingewechselt, um Zeit zu schinden.

Ein Überblick über die russischen Spieler vom kicker.

Deutschland gegen Finnland – Ist das Unentschieden ein Sieg oder eine Niederlage?

10. September 2008

Wer vor dem Spiel 100€ darauf gesetzt hätte, dass Miroslav Klose gegen Finnland drei Tore schießt, der wäre jetzt wohl Millionär. Und wer vor dem Spiel 100€ darauf gesetzt hätte, dass Deutschland einen ungefährdeten Sieg einfährt, der wäre jetzt sein Geld los.

Es war von Anfang an zu sehen, dass die DFB-Elf mit dem druckvollen Start der Finnen nicht gerechnet hatte – auch wenn Joachim Löw im Interview später Gegenteiliges behauptete. Finnland praktizierte das, was eigentlich als Löws Spiel-Philosophie gilt: Hinten sicher stehen und dann schnell nach vorne spielen. Und das funktionierte ganz passabel, brachte die unerfahrene deutsche Defensive immer wieder in Bedrängnis. Auf den ersten Blick mag man die deutsche Innenverteidigung, also Serdar Tasci und Heiko Westermann, als die Hauptschuldigen ausmachen – aber bei einem genaueren Blick stellt sich dieser Gedanke als falsch heraus. Natürlich ist es für die beiden Abwehrspieler, die insgesamt nicht einmal zehn Länderspiele absolviert haben (Tasci drei, Westermann sechs), nicht leicht, gegen die erfahrenen finnischen Legionäre zu verteidigen – aber die eigentlichen Fehler werden woanders gemacht, nämlich in der Außenverteidigung und im gesamten Mittelfeld.

Philipp Lahm und Clemens Fritz haben kein gutes Spiel gemacht. Sie waren defensiv sehr schlecht und kamen offensiv kaum zum Zug. Thomas Hitzlsperger habe ich lange Zeit nicht gesehen, lediglich bei Eckbällen und Freistößen war er präsent; aber im laufenden Spiel war der Stuttgarter, der zuletzt seine Pläne für einen dauerhaften Platz im deutschen Mittelfeld enthüllte, kaum zu sehen. Simon Rolfes trat vor allem offensiv in Erscheinung, defensiv war auch er nicht zu beobachten.
Die deutsche Abwehr hatte vor allem Probleme, wenn Finnland konterte. Rolfes und Hitzlsperger waren nicht auf ihrem Posten und nicht fähig, schnell umzuschalten und den Angriff zu unterbinden oder zumindest zu verlangsamen, was der deutschen Viererkette und vor allem den aufgerückten Außenverteidigern Zeit gegeben hätte, um die Lücken zu schließen. Aber ganz ehrlich: So wie Lahm und Fritz heute über den Platz gehechelt sind und ihre Zweikämpfe verloren haben, hätte das wohl auch nicht mehr viel genützt. Es bleibt festzuhalten, dass sowohl Deutschland als auch Finnland das Mittelfeld schnell überbrückten und den Ball zügig in die Spitze spielten.
Andreas Hinkel, der in der 82. Spielminute für Fritz eingewechselt wurde, präsentierte sich souveräner als sein Vorgänger, hatte allerdings nicht die Zeit, um in großen Aktionen zu glänzen. Aber: Seine Flanken kamen scharf und zumindest für mich ist Hinkel wieder eine durchaus reelle Option für die Nationalmannschaft. (Und vielleicht würden das alle so sehen, wenn man ihn etwa zur 70. Minute eingewechselt und er die Chance gehabt hätte, spielerisch noch etwas zu gestalten.)

Bastian Schweinsteiger und Piotr Trochowski sind offensiv eingestellte Flügelspieler, die schon fast hängende Spitzen spielen und sich nur selten effektiv an der Defensivarbeit beteiligen. Das machte es natürlich noch einmal schwerer, den Laden zusammenzuhalten. Schweinsteiger und Trochowski standen zu weit vorne, um Flanken aus dem Halbfeld zu verhindern, Lahm und Fritz erwischten einen grauenhaften Tag, reagieren zu langsam und stehen zu weit vom flankenden Gegenspieler entfernt. Die Innenverteidigung konnte nicht mehr viel machen, Robert Enke war bei allen drei Gegentoren chancenlos.
Während Deutschland auf die zweimalige finnische Führung in der ersten Halbzeit prompt reagierte, taten sich die DFB-Kicker in der zweiten Spielhälfte schwerer. In der 53. Minute erzielte der für Mikkael Forssell eingewechselte Daniel Sjölund das 3:2, erst dreißig Minuten später glich Klose aus. Man hatte das Gefühl, als ob die Deutschen nach Wiederanpfiff nicht damit gerechnet hatten, dass Finnland einfach weiterspielen und seine Chancen suchen würde. Erst als Finnland die Luft ausging, sich auf das Verteidigen beschränkte und kaum noch Entlastungsangriffe vor, erst dann gewann Deutschland Oberwasser, ließ den Ball um den finnischen Strafraum kreisen. Dennoch, drei Probleme blieben: Das erste waren die zu hohen Flanken, die von der großgewachsenen finnischen Innenverteidigung (sämtliche Baum-Witze verbieten sich hier; Petri Pasanen 1,87m, Sami Hyypiä 1,93m) problemlos kontrolliert wurden – und trotzdem haben es Schweinsteiger, Trochowski und Hitzlsperger immer wieder versucht… Das zweite Problem hörte auf den Namen Lukas. Im Gegensatz zum Liechtenstein-Spiel war heute Podolski nicht ansatzweise im Spiel. Kaum Bälle auf ihn, kaum Aktionen. Vielleicht wäre er auf einem der Mittelfeldflügel besser aufgehoben gewesen (obwohl: lieber doch nicht, da hätte er ja auch wieder nach hinten arbeiten müssen). Kein Druck im Spiel, keine zwingenden Aktionen, kaum Szenen gegen eine massive finnische Defensive. Schade. Und drittens: Die Deutschen hielten den Ball zu lange, kein Hauch von One-Touch-Fußball wehte durch das Stadion. Und das nutzte Finnland aus, indem der ballführende deutsche Spieler schnell und hart attackiert wurde. Schnellere Kombinationen hätten die Finnen ins Leere laufen lassen, doch diese Geschwindigkeit vermisste man heute im deutschen Spiel.

So, nach langen Meckereien kommen wir zum positiven Aspekt des Abends. Miroslav Klose. Ich sagte: Miroslav Klose. Ja, Miroslav Klose!

Der spielte heute abend famos. Nach der ersten verpassten Kopfball-Chance hatte ich in meinem Kopf ein weiteres erfolgloses Spiel, nach dem sich die deutsche Fußball-Presse fragt: Wann platzt der Knoten? Ob der heute zersprang, ob Klose heute wie einst Alexander der Große diesen Gordischen Knoten in seinem Kopf einfach zerschlug, das werden die kommenden Spiele zeigen. Heute sah das zumindest sehr gut aus. Vor allem das erste Tor: Eine halbhohe Flanke von Trochowski, Klose legt den Ball mit der Brust quer zur Laufrichtung des Verteidigers (Hyypiä) und schiebt ihn dann eiskalt am Tor vorbei – so, als ob es nie eine Krise gegeben hätte. Danach war sein Kampfesmut erwacht und deutlich zu sehen, er setzte sich ein und ihm gelang Vieles; etwa das 2:0, bei dem Klose seinem eigenen, von Torhüter Jussi Jääskeläinen parierten Kopfball nachsetzt und diesen trocken ins Tor bugsiert. Das 3:0 war in diesem Sinne zwangsläufig: Der Ball prallt hin und her, Deutsche schießen, Finnen werfen sich in die Schüsse. Der vierte Versuch (ich habe bei der Wiederholung mitgezählt) schließlich sitzt, Kloses drittes Tor an diesem Abend ist perfekt.
Aber: Ich sehe schon die Schlagzeile vor mir, wenn er in der nächsten Partie keinen Treffer erzielt. Eintagsfliege? Ich hoffe nicht…

Die Deutschen in der Einzelkritik

Robert Enke: Bei den Gegentoren ohne Chance. Ansonsten nicht viel gefordert, aber sehr sicher. Drei Tore sind aber für einen Torhüter keine schöne Sache, auch wenn er bei den ersten beiden Toren fast dran war.

Clemens Fritz: In grauenhafter Form. Verliert Zweikämpfe und Bälle. Ging spät raus, für meinen Geschmack hätte er auch in der Halbzeit oder zur sechzigsten Minute das Feld verlassen dürfen.
Serdar Tasci: Hatte mit seinem Innenverteidiger-Kollegen Westermann Probleme gegen die routinierten finnischen Angreifer. Da er kaum Unterstützung von den Außenverteidigern und aus dem Mittelfeld erhielt, verschärften sich diese Probleme. Die Gegentore waren zwangsläufig.
Heiko Westermann: Mit etwas höherer Fehlerquote als Tasci, aber auch er ein Opfer der Umstände. Alleine gegen drei bis vier konternde Finnen hat er eben keine Chance.
Philipp Lahm: Kein gutes Spiel des Münchners. Sah beim ersten Gegentor nicht gut aus, bewirkte auch ansonsten wenig. Ließ sich schon sehr früh im Spiel bei finnischen Angriffen ausspielen und überlaufen.

Thomas Hitzlsperger: Bei Standardsituationen da, ansonsten nicht. Muss sich vorwerfen lassen, nicht konsequent genug die finnischen Angriffe gestört zu haben.
Simon Rolfes: Versuchte immer wieder Pässe in die Spitze, die aber in der Regel an einem finnischen Abwehrbein hängen blieben. Defensiv blass.
Piotr Trochowski: Als Flankengeber gefordert und auch präsent. Sein Ball auf Klose beim 1:0 war große Klasse. Arbeitete aber – wie das gesamte Mittelfeld – zu wenig nach hinten.
Bastian Schweinsteiger: Heute die schlechte Kopie Trochowskis. Versuchte Flanken, aber ihm gelangen keine. Defensiv nicht vorhanden.

Miroslav Klose: Der beste Spieler der Deutschen. Fand den alten Willen wieder, biss und kämpfte, setzte nach, traute sich und wurde belohnt. Wenn er diese Form hält, werden alle Diskussionen um ihn innerhalb von wenigen Wochen in sich selbst zusammenbrechen.
Lukas Podolski: Nur pro forma auf dem Platz. Kaum Aktionen, kaum Druck, kaum Mut, kaum Schüsse.

Mario Gomez: Wurde eingewechselt. Gute Szene, als Pasanen seinen Ball von der Linie kratzte und so das Tor verhinderte. Hat aber noch die alte EM-Krankheit: Trifft den Ball nicht richtig, es kullert und hüpft.
Patrick Helmes: Ganz klar der zweitbeste deutsche Stürmer heute abend. Spielte nach seiner Einwechselung einen überzeugten Rechtsaußen, war oft anspielbar und sicher in der Ballbehandlung, zeigte Zug zum Tor. Ich hätte ihn gerne früher für Podolski gesehen.
Andreas Hinkel: Auch ihn hätte ich gerne früher gesehen. Konnte sich in acht Spielminuten kaum einbringen, seine Bälle kamen aber angenehm scharf. Sieht nach einem zweiten Frühling in der Nationalelf aus.

Übrigens wurde mehrfach live gebloggt. Das Spiel zum Nachlesen:

Anmerkungen zur beginnenden Bundesliga-Saison

16. August 2008

Gestern abend das Auftaktspiel, heute darf der Großteil der anderen Klubs ran. Hier kommen gleich unvollständige Anmerkungen zu verschiedenen Bundesliga-Vereinen. Am Ende der Saison noch einmal lesen und mich als Propheten loben und preisen.

  • FC Bayern München: An den großen Umbruch unter Jürgen Klinsmann glaube ich nicht. Ich sehe die Sache so: Bayern hat sich einen soliden Trainer geholt, der vieles anders machen will. Ob er das auch tatsächlich tut, steht auf einem anderen Blatt. Im Moment stürzt sich die Presse auf Klinsmanns Buddha-Figuren, statt sich auf die Mannschaft zu konzentrieren. Bayern wird Meister, aber keinesfalls souverän. Ein harter Kampf und die Meisterschale am Ende.
  • Hamburger SV: Eine beeindruckende Frühform in der Vorbereitung. Der Start wird gelingen, irgendwann wird der Einbruch kommen. Und an diesem Punkt wird sich Martin Jol zum ersten Mal wirklich beweisen müssen. Ich denke, dass der HSV sich insgesamt verbessert hat und vielleicht an der Spitze mitmischen kann.
  • Werder Bremen: Hat sich Bremen verstärkt? Ich glaube nicht. Meine Vermutung ist, dass Thomas Schaaf durch mannschaftliche Geschlossenheit nach vorne kommen will. Weil Bremen dabei aber Talente und keine etablierten Spieler verpflichtet hat, wird wohl diese Saison der Einbruch kommen und Werder die Position in der Spitzengruppe verlieren. Am Ende steht meiner Meinung nach ein UEFA-Cup-Platz und der Abgang Diegos.
  • VfB Stuttgart: Armin Veh sind meiner Meinung nach die besten Neuverpflichtungen gelungen. Mit Jens Lehmann ein Routinier fürs Tor, mit Jan Simak einen Bundesliga-Rückkehrer für das offensive Mittelfeld, mit Khalid Boulahrouz ein perfekter Ersatz in Fernando Meira, der die VfB-Innenverteidigung verlässt. Einzig ein zweiter richtig guter Stürmer neben Mario Gomez fehlt Stuttgart noch, aber auch so werden die Schwaben wieder zeitweise an der Tabellenspitze zu finden sein.
  • Bayer Leverkusen: Der Star ist der Trainer – wenn man der Berichterstattung glaubt. Bruno Labbadia wird als größtes deutsches Trainertalent gelobt, das nun bei der Werkself zeigen darf, zu was er imstande ist. Von Patrick Helmes halte ich sehr viel, bei der Mittelfeld-Neuverpflichtung Renato Augusto bin ich noch etwas skeptisch. Hat Bayer einen zweiten Stürmer in Top-Form und eine funktionierende Innenverteidigung, dann hat die Mannschaft durchaus die Möglichkeit, den dritten Platz zu erreichen.
  • Borussia Dortmund: Jürgen Klopp als neuer Heilsbringer für geschundene Borussia-Seelen. Dabei baut der Ex-Mainzer vor allem auf junge Talente, die erste Innenverteidigung soll aus den beiden 19-Jährigen Neven Subotic und Mats Hummels bestehen. Klopp ist jedenfalls ein Defensivstratege, hatte mit Mainz zuletzt die wenigsten Gegentore in der zweiten Liga – es sieht also nicht unbedingt schlecht aus für die BVB-Defensive. Das Mittelfeld wurde mit Tamás Hajnal gut verstärkt; im Sturm scheint Nelson Valdez endlich zu vernünftiger Form gekommen zu sein. Ich behaupte: Dortmund wird nächste Saison den UEFA-Cup auf dem sportlichen Weg erreichen.
  • Borussia Mönchengladbach: Der in meinen Augen beste Aufsteiger wird sich ohne größere Probleme in der Bundesliga etablieren. Gladbach verfügt über den besten Kader eines Aufsteigers, hat mannschaftliche Geschlossenheit ohne große Star-Allüren. Einzig Marko Marin sticht aus dem Kollektiv hervor und wird wohl immer wieder die entscheidende Wende im Gladbacher Spiel bringen.
  • Karlsruher SC: Für mich einer der akutesten Abstiegskandidaten. Antonio da Silva mag vielleicht Tamás Hajnal ersetzen, aber mein Bauch sagt mir, dass es diese Saison nicht mehr gut geht mit Karlsruhe. Die Sturmprobleme wurden nicht wirklich gelöst, Karlsruhe wird wegen der wenigen selbst erzielten Tore wohl in die Zweite Bundesliga absteigen.