Der FC Liverpool gehört mit Sicherheit zu einem der faszinierendsten Fußballvereine der Welt. Der englische Rekordmeister ist bekannt für seine außergewöhnliche Fan-Kultur, das Stadion an der Anfield Road und die Tribüne «The Kop» sind ebenso legendär wie Trainer Bill Shankly.
Auch um das Wappentier des Vereins, den «Liverbird», ranken sich einige Geschichten. Der Vogel ist ein Symbol für die Stadt an der Mersey, Robert B. Fishman beschreibt ihn in einer Reisereportage für die taz so:
Auf den Turmspitzen des Royal Liver Building, das einer Versicherung gehört, sitzen zwei große, schwarze Vögel: die Liver Birds. Die Ratsherren hatten als Ausdruck ihrer Macht und ihres Reichtums bei einem Bildhauer zwei Adler bestellt. Der Mann wusste wohl nicht so genau, wie ein Adler aussieht. So schuf er eine krude Mischung aus Kormoran und Greifvogel.
Zum ersten Mal belegt wird der «Liverbird» übrigens in den 1350er Jahren, wo dieser auf einem Siegel der Stadt zu sehen sieht. Das Siegel verweist aber auch auf König Johann Ohneland, der die Gründung der Stadt im Jahre 1207 anerkannte – möglicherweise ist die Vogelgestalt also älter. (Johann Ohneland ist übrigens der jüngere Bruder von Richard Löwenherz und bekannt als der englische König, der die Magna Charta unterzeichnen musste.) Der Zweig im Schnabel der Gestalt ist eine Verbindung zum Adelshaus Anjou-Plantagenêt, das etwa 300 Jahre lang den englischen König stellte. Für Johann Ohneland ist die Verwendung von Adlern typisch, der Liverbird könnte also auf einen solchen zurückgehen.
Im 17. Jahrhundert geriet diese Geschichte in Vergessenheit, vielmehr glaubte man bei der Betrachtung des Vogels an einen Kormoran, der bei der Küstennähe Liverpools ein übliches Bild ist. Ein Heraldikbuch dieser Zeit konstruiert eine Parallele zum niederländischen Wort «lefler», eine Unterfamilie der Ibisse (Löffler).
1797 beschrieb das College of Arms, Englands Behörde für Heraldik, den Vogel als einen Kormoran; der Zweig im Schnabel wurde als Laver, eine Seetang-Art, gedeutet – auf diese soll auch der Name des Vogels zurückgehen. Sämtliche Hinweise auf Johann Ohneland wurden somit von offizieller Seite negiert.
Mit dem geschwungenen Schnabel und dem verkürzten Kopf erinnert die Interpretation im Wappen des FC Liverpool mehr an einen Greifvogel als an einen Kormoran. Ausgesprochen wird die Gestalt übrigens /ˈlaɪvəbɜːd/ (also wie «life», nicht wie «to live»).