Archiv für 'Aus der Vergangenheit'Kategorie

Die Geschichte der Fußballtaktik beim SWR

17. September 2009

Vor einiger Zeit wurde hier im Blog eine Artikelserie bei Spox.com vorgestellt, die sich mit der Entstehung der Taktik im Fußball beschäftigte. Damals kritisierte ich den pseudo-jovialen Plauderton, der in den einzelnen Artikeln mitschwang.

Eine etwas bessere Alternative habe ich kürzlich beim SWR gefunden. Die zehnteilige Artikelserie beschäftigt sich mit den üblichen Spielsystemen, ist aber deutlich knapper gefasst, wirkt aber dennoch auf mich irgendwie seriöser und fundierter. (Auch wenn die Qualität der Beiträge anfangs etwas schwankt.)

Eine kleine Geschichte der Fußball-Taktik

2. August 2009

Vor einiger Zeit erschien bei Spox.com eine achtteilige Artikelserie zur Entstehung und Entwicklung der Fußball-Taktik. In lockerer Schreibweise werden die Entwicklung des Abseits und der dazugehörigen Falle dargelegt, aber auch Formationen und Spielpositionen. (Gelegentlich schweift der Autor Andreas Renner aber etwas ab und plaudert ganz allgemein über Anekdötchen aus der Anfangszeit des Fußballs.)

Hier sind alle acht Teile:

Kurt Landauer, Ex-Präsident des FC Bayern München

1. August 2009

Die Vereinshistorie des FC Bayern München konzentriert sich oftmals auf die Nachkriegszeit. Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller und vielleicht «Bulle» Roth, später dann Lothar Matthäus und Giovane Elber, die üblichen Verdächtigen eben.

Ein Name, der mir bislang neu war, ist Kurt Landauer. Landauer, Jahrgang 1884, war in den 1920er Jahren Präsident des FC Bayern München, in seine Zeit fiel der erste Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1932. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde das Leben für den Juden Landauer gefährlich, er geriet ins Visier des NS-Terrors und landete vorübergehend im KZ Dachau, bevor ihm die Flucht aus Deutschland gelang.
Ab 1947 baute er den FC Bayern München wieder auf.

Ronny Blaschke hat für 11Freunde einen interessanten Artikel über Kurt Landauer und den Umgang des FC Bayern mit seiner jüdischen Historie verfasst.

Der FC Liverpool und sein Wappentier

12. Oktober 2008

Der FC Liverpool gehört mit Sicherheit zu einem der faszinierendsten Fußballvereine der Welt. Der englische Rekordmeister ist bekannt für seine außergewöhnliche Fan-Kultur, das Stadion an der Anfield Road und die Tribüne «The Kop» sind ebenso legendär wie Trainer Bill Shankly.

Auch um das Wappentier des Vereins, den «Liverbird», ranken sich einige Geschichten. Der Vogel ist ein Symbol für die Stadt an der Mersey, Robert B. Fishman beschreibt ihn in einer Reisereportage für die taz so:

Auf den Turmspitzen des Royal Liver Building, das einer Versicherung gehört, sitzen zwei große, schwarze Vögel: die Liver Birds. Die Ratsherren hatten als Ausdruck ihrer Macht und ihres Reichtums bei einem Bildhauer zwei Adler bestellt. Der Mann wusste wohl nicht so genau, wie ein Adler aussieht. So schuf er eine krude Mischung aus Kormoran und Greifvogel.

Zum ersten Mal belegt wird der «Liverbird» übrigens in den 1350er Jahren, wo dieser auf einem Siegel der Stadt zu sehen sieht. Das Siegel verweist aber auch auf König Johann Ohneland, der die Gründung der Stadt im Jahre 1207 anerkannte – möglicherweise ist die Vogelgestalt also älter. (Johann Ohneland ist übrigens der jüngere Bruder von Richard Löwenherz und bekannt als der englische König, der die Magna Charta unterzeichnen musste.) Der Zweig im Schnabel der Gestalt ist eine Verbindung zum Adelshaus Anjou-Plantagenêt, das etwa 300 Jahre lang den englischen König stellte. Für Johann Ohneland ist die Verwendung von Adlern typisch, der Liverbird könnte also auf einen solchen zurückgehen.

Im 17. Jahrhundert geriet diese Geschichte in Vergessenheit, vielmehr glaubte man bei der Betrachtung des Vogels an einen Kormoran, der bei der Küstennähe Liverpools ein übliches Bild ist. Ein Heraldikbuch dieser Zeit konstruiert eine Parallele zum niederländischen Wort «lefler», eine Unterfamilie der Ibisse (Löffler).
1797 beschrieb das College of Arms, Englands Behörde für Heraldik, den Vogel als einen Kormoran; der Zweig im Schnabel wurde als Laver, eine Seetang-Art, gedeutet – auf diese soll auch der Name des Vogels zurückgehen. Sämtliche Hinweise auf Johann Ohneland wurden somit von offizieller Seite negiert.

Mit dem geschwungenen Schnabel und dem verkürzten Kopf erinnert die Interpretation im Wappen des FC Liverpool mehr an einen Greifvogel als an einen Kormoran. Ausgesprochen wird die Gestalt übrigens /ˈlaɪvəbɜːd/ (also wie «life», nicht wie «to live»).