Archiv für 'Trainer sind auch nur Menschen'Kategorie

Happy Birthday, Arsène!

22. Oktober 2009

Arsene Wenger
Foto: Von gordonflood.com unter einer CreativeCommons-Lizenz auf flickr.com veröffentlicht.

Arsène Wenger feiert heute seinen 60. Geburtstag. Alles Gute!

Diego Maradona lässt Argentinien im Stich

15. September 2009

Am Sonntag verließ Diego Maradona heimlich Argentinien, um sich in ein italienisches Fitness-Hotel abzusetzen. Er müsse Pfunde loswerden, so der offizielle Kommentar. Drei Wochen vor dem entscheidenden Spiel um die Qualifikation zur WM 2010 hält nun Carlos Bilardo, ehemaliger argentinischer Nationaltrainer und zuletzt Maradonas Berater, das Ruder in der Hand.

Es klingt nach einer typischen Geschichte um Diego Armando Maradona, sie reiht sich nahtlos ein in die verschiedenen kleinen Erzählungen um sein Leben: Seine Verehrung für Che Guevara und Fidel Castro, seine «Hand Gottes», seine Drogensucht, seine verzweifelt wirkenden Entzugs-Versuche, seine Ich-Bezogenheit («El Diez»). Aber, so scheint es, Maradona hat erkannt, dass er zwar ein unglaublicher Spieler war, aber auf anderen Bereichen versagt. Einer dieser anderen Bereiche ist die Trainerbank.

Als Maradona im Oktober 2008 die «Albiceleste» übernahm, stach vor allem ein Name in seinem Trainerstab hervor: Carlos Bilardo, der als Trainer Argentinien 1986 zum Weltmeister und 1990 zum Vize-Weltmeister machte. Der 70-Jährige galt lange als Favorit für den Posten des Nationaltrainers, doch dann kam Maradona und reklamierte den Posten für sich. Bilardo trat ins zweite Glied zurück, jetzt hält er erneut die Fäden in der Hand.

Demontiert sich Maradona selbst oder hat der argentinische Fußballverband mit leichtem Druck dafür gesorgt, dass die ewige Nummer Zehn die Reißleine zieht? Angeblich wusste Verbandspräsident Julio Grondona nichts von der übereilten Abreise Maradonas, doch angesichts der Situation in Argentiniens WM-Qualifikationsgruppe dürfte er alles andere als unglücklich sein, den Trainer-Novizen Maradona vorerst nicht mehr ertragen zu müssen.
Zwei Spiele (zuhause gegen Peru, auswärts gegen Uruguay) stehen dort noch aus; mit der aktuellen Platzierung (Rang 5) würde ein Relegationsspiel gegen eine Mannschaft aus dem Fußballverband Nord- und Mittelamerikas über die WM-Teilnahme entscheiden. Eigentlich eine lösbare Aufgabe für die Elf um den amtierenden UEFA-Champions-League-Torschützenkönig Lionel Messi, doch möglicherweise könnte Argentinien schon vorher scheitern: Kolumbien, Venezuela und Uruguay könnten die Argentinier überholen und damit aus dem Rennen werfen. Eine Schmach für die stolze Fußballnation!

Carlos Bilardo soll nun die Kohlen aus dem Feuer holen. «Wenn es zwei Trainer gibt, verwirrt das die Spieler», sagte der ergebnisorientierte Taktik-Fanatiker gegenüber der argentinischen Presse. Es blieb offen, ob er damit ausdrücken wollte, dass er bereits in der Vergangenheit de facto der zweite Nationaltrainer neben Maradona gewesen sein soll, oder ob er es ablehnt, dass Maradona zurückkehrt und Argentinien erneut übernimmt.
Bilardo, den mit dem Entdecker Maradonas, César Luis Menotti, eine herzliche Abneigung verbindet, ist einer der knallharten argentinischen Trainer, die sich auch durch ungewöhnliche Aktionen den Respekt ihrer Spieler verschaffen wollen. «El Loco», wie der promovierte Mediziner auch genannt wird, also «der Verrückte» weckte teilweise nachts seine Spieler auf, um sie abzufragen, welchen Gegenspieler sie in der nächsten Partie zu decken hätten. Nicht zuletzt durch den Triumph bei der WM 1986 machte er sich in Argentinien selbst zur Legende. Seine Verpflichtung als Co-Trainer Diego Maradonas ging auf den argentinischen Fußballverband zurück, der neben dem Neuling einen etablierten Kopf haben wollte. Selbst Maradona bekannte in Interviews, dass Bilardo geholt worden sei, für den Fall, dass er selbst versage. Dieser Fall scheint nun eingetreten zu sein. Manche gehen davon aus, dass er nicht zurückkehrt.

Gleiches Recht für alle?

5. Juni 2009

Herr Labbadia hat bei uns noch für ein weiteres Jahr einen Vertrag. Ich habe den HSV aufgefordert, die Vertragslage zu respektieren.

Mit diesen Worten bedachte Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, die inzwischen offensichtlichen Versuche, Bruno Labbadia als Nachfolger von Martin Jol zu gewinnen. Interessant sind dabei vor allem drei Aspekte:

  1. Holzhäuser schließt nicht aus, dass Labbadia wechselt. Er fordert den HSV lediglich auf, den bestehenden Vertrag zu respektieren. Eine rhetorische Spitzfindigkeit? Nein, denn…
  2. Bayer 04 Leverkusen verpflichtete vor einem Jahr Bruno Labbadia, der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls einen bestehenden Vertrag hatte, in diesem Fall mit der SpVgg Greuther Fürth. Laut Informationen von RP war der HSV auch damals schon an Labbadia interessiert (zeigte also wenig Skrupel, einen Trainer aus seinem bestehenden Vertrag herauszukaufen), entschied sich aber letztendlich für Martin Jol.
  3. Greuther Fürth ließ Labbadia damals aber nicht einfach so ziehen. Laut ARD-Informationen gab es eine Ablöse:

    Es waren wohl nicht nur verbale Argumente, die Greuther Fürth dazu bewogen, die Freigabe zu erteilen. Holzhäuser deutete an, dass eine Ablöse gezahlt wird: „Wir haben eine Lösung gefunden, die wirtschaftlich und sportlich für beide Seiten gut sein dürfte.“ Denkbar sind Ausleihgeschäfte von Spielern, die bei Bayer auf den Durchbruch warten.

    (Interessanterweise deutet die BILD-Zeitung das Holzhäuser-Zitat anders: Es habe keine fixe Ablöse gegeben, aber eine intensive Zusammenarbeit der Vereine beim Austausch von Spielern etc.)

Bayer 04 Leverkusen hatte kein Problem damit, einen vertraglich gebundenen Trainer loszueisen – und kritisiert jetzt den HSV für genau die gleiche Praxis (beim gleichen Trainer). Wohl eher ein Manöver, um den Preis in die Höhe zu treiben.

Christian Gross zum HSV?

27. Mai 2009

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 21. Mai 2008, wurde hier (als dritter Artikel seit der Entstehung) die Frage aufgeworfen, ob der Schweizer Christian Gross zu Borussia Dortmund wechseln und dort die Nachfolge von Thomas Doll antreten würde. Dem an Fußball interessierten Leser ist natürlich bewusst, dass es anders kam. Jürgen Klopp wurde Trainer beim BVB und führte die Schwarzgelben in der Rückrunde bis an die Europa-League-Plätze, die jedoch am allerletzten Spieltag durch ein Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach verspielt wurden.

Christian Gross blieb weiterhin bei seinem Schweizer Verein, dem FC Basel. Bis heute. Vor dem letzten Saisonspiel beschloss der Verwaltungsrat jedoch, dass sein Vertrag am Ende der Spielzeit vorzeitig beendet werden würde. Gross hatte Basel zehn Jahre lang trainiert und den Verein 2002 und 2008 in die Champions League geführt. Insgesamt wurde er fünf Mal Schweizer Meister (davon jedoch zwei Mal mit dem Grasshoppers Club Zürich).
Als Grund für die Entlassung wurde der sportliche Misserfolg genannt. Der FC Basel ist einen Spieltag vor dem Ende der Serie auf dem zweiten Tabellenplatz, könnte jedoch noch vom Tabellendritten BSC Young Boys Bern verdrängt werden. Beide Klubs spielen am nächsten Spieltag – Gross’ letztem Spiel als Basel-Trainer – gegeneinander. Der Tabellenvierte Grasshopper Club Zürich hat 22 Punkte Rückstand auf Basel.

Gross ist ein erfahrener Trainer. Er führte den FC Wil in die erste Schweizer Liga, wurde Schweizer Meister mit Zürich und Basel, gewann mehrfach den Landespokal und konnte Erfahrung in internationalen Wettbewerben sammeln.
Eigentlich der perfekte Trainerkandidat für den HSV, denen vor kurzem Martin Jol als Mann auf der Bank abhanden kam. Was spricht dagegen? Christian Gross selbst: «Ich werde sicher nicht schon ab morgen mit einem neuen Klub verhandeln.» Ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass sich der HSV nicht intensiv um ihn bemüht.

[Alternativhypothese: Bruno Labbadia sitzt bei Bayer 04 Leverkusen alles andere als fest im Sattel, seine Vertragsverlängerung ist noch nicht einmal bei einem Sieg im DFB-Pokalfinale gesichert. Außerdem scheint es nur noch eine Frage des Geldes zu sein, wann das 20-jährige Top-Talent Eren Derdiyok vom FC Basel zu Bayer 04 wechselt. Vielleicht fliegt Labbadia und die Werkself holt neben Derdiyok auch Gross weiter rheinaufwärts.]