Ich habe heute zum ersten Mal in dieser Saison Bundesliga-Fußball im Fernsehen gesehen. In der Sportschau. Und ich frage mich ernsthaft, ob das tatsächlich das Schlachtross des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ist.
Was gab es zu sehen? Eine Aneinanderreihung von Torchancen, von Torjubeln, schnell geschnittene Blicke in den Fan-Block und auf die Trainerbank. Ist das seriöser Sportjournalismus? Ist das der Anspruch der ARD? Jubelnde Menschen, grantelnde Menschen? Und ab und zu mal ein Satz über die schlechte Schiedsrichterleistung?
Als heute der letzte «Spielbericht» gesendet war, machte sich bei mir Ernüchterung breit. Das war also die Sportschau. So langsam wurde mir klar, warum Fußballinteressierte für «Sky» Geld auf den Tisch legen. Denn: Wenn man das Spiel live sieht, dann hat man wenigstens die Chance, einen Überblick über die Partie zu gewinnen, ganz im Gegensatz zur Sportschau.
Warum bringt es die Sportschau nicht fertig, eine Szene länger laufen zu lassen? Ich rede hier nicht von Toren und Großchancen, sondern von einem sauber vorgetragenen Angriff, also einer Szene, wo die Stärken und Schwächen der beiden Mannschaften deutlich werden. Ich will sehen, wie eine Defensive arbeitet, ich will einen Überblick haben.
Und warum verkürzt die Sportschau den Aspekt Taktik auf Auswechselungen und «Nach der Pause wurde es besser»?
Ist es zu viel verlangt, wenn ich am Samstagabend in der ARD gute Sport-Berichterstattung sehen will?


