Schon seit einiger Zeit war absehbar, dass die talentierten Bender-Zwillinge nicht ihre komplette Fußballerkarriere beim TSV 1860 München verbringen würden, doch wie schnell und unkompliziert der Transfer von Sven Bender jetzt über die Bühne ging, ist dennoch überraschend.
Der 20-Jährige gilt als eines der größten deutschen Talente, in der vergangenen Saison spielte er regelmäßig bei den «Löwen» (bis zum 19. Spieltag absolvierte er alle Partien), zuvor wurde er gemeinsam mit seinem Bruder Lars und seinem damaligen Vereinskollegen Timo Gebhart (inzwischen VfB Stuttgart) U19-Europameister, mit der U17-Auswahl des TSV 1860 wurde er deutscher Meister.
Immer wieder hatten Klubs aus ganz Europa ihr Interesse an dem Mittelfeldspieler gezeigt, der Verein lehnte jedoch alle Angebote ab, auch wenn diese von Real Madrid, Manchester United, dem FC Liverpool oder auch Bundesligisten wie Bayer 04 Leverkusen kamen. Manfred Schulte, der Spielerberater der Zwillinge, ließ aber keinen Zweifel daran, dass seine Klienten langfristig eine Nummer zu groß für 1860 München sein würden und dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis ein Abschied nötig sei.
Dieser Zeitpunkt scheint nun gekommen zu sein, im Tausch gegen den bereits an die «Löwen» ausgeliehenen Antonio Rukavina wechselt Sven Bender zu Borussia Dortmund und unterschreibt dort einen Vertrag bis 2013. Über die weiteren Details des Transfers vereinbarten die Vereine Stillschweigen, Gerüchten zufolge hat der BVB zusätzlich zu Rukavina eine niedrige siebenstellige Summe gezahlt.
Welche Frage nimmt Bender im Dortmunder Mittelfeld ein? Gibt es überhaupt einen Platz für ihn neben Blaszczykowski, Hajnal, Kringe, Kehl, Sahin?
In der letzten Saison zeigte sich ein weiteres Mal die Verletzungsanfälligkeit von Spielern wie Kringe und Kehl, auch Blaszczykowski fiel länger aus. Durch solche Verletzungen könnte Bender schnell in die erste Elf rutschen. Aber auch wenn alle Spieler gesund sind, könnte er eine Chance haben: Der Abgang von Kevin-Prince Boateng scheint beschlossene Sache, seine Spielweise war überhart und rüpelhaft, er war teilweise auch einfach eine Last für das Dortmunder Spiel. Bender könnte ähnlich wie Boateng seine Chance erhalten, sich in der ersten Elf zu beweisen.
Wie man nach und nach junge Profis an die erste Elf heranführt, bewies erst Markus Babbel in der vergangenen Rückrunde, wo er den Ex-«Löwen» Timo Gebhart behutsam aufbaute – inzwischen scheint dieser Roberto Hilbert verdrängen zu können.
Weitere große Neuverpflichtungen im Mittelfeld gibt es noch nicht, Jürgen Klopp scheint vielmehr festgestellt zu haben, dass es an der Breite fehlt und der BVB Probleme bekommt, wenn Spieler verletzt sind. Neben Bender spielt auch der Neuzugang Markus Feulner (den Klopp noch aus seiner Mainzer Zeit kennt) im Mittelfeld, doch einen Platz in der Startelf dürfte er sich wahrscheinlich nicht dauerhaft sichern können. Auch der nach Karlsruhe ausgeliehene Giovanni Federico kehrt zurück, wurde jedoch unter Klopp ausgemustert – und wird wahrscheinlich verkauft, wenn sich ein Abnehmer findet.