31. Dezember 2008
BBC Sport bietet online einen Überblick über alle Premier-League-Vereine und ihre geplanten und vermuteten Spielertransfers in der Winterpause. Wer sich für den englischen Fußball interessiert, der sollte diesen (zugegebenermaßen etwas längeren Artikel) unbedingt lesen.
Im Überblick:
- FC Liverpool: Die Reds versuchen gerade, ein neues Stadion finanziell zu stemmen, weswegen Geld für Einkäufe wohl nur nach Verkäufen vorhanden wäre – außerdem ist Rafael Benitez dafür bekannt, den Kader lieber im Sommer zu verstärken. Mögliche Baustellen sind die Verteidigung, ein abschlussstarker Mittelstürmer und der rechte Flügel. Über Emile Heskey (Wigan) wird viel spekuliert, die BBC wiegelt aber eher ab. Ein Außenseitertipp für die rechte Verteidigung wäre Glen Johnson (Portsmouth), nachdem Philipp Degen dort nicht in Form kommt. Auch bezüglich Aaron Lennon (Tottenham) läuft die Gerüchteküche heiß, er könnte kommen, wenn Jermaine Pennant oder Yossi Benayoun gehen und Liverpool noch Geld drauflegt. In den Augen von BBC-Reporter Mike Hughes wäre aber Alex Witsel (Standard Liege) ein noch besserer Deal als Lennon.
- FC Chelsea: Eigentlich wollte Chelsea auf dem Transfermarkt nicht sonderlich aktiv werden, Luiz Felipe Scolari fordert aber einen Stürmer und einen Verteidiger. Tuncay (Middlesborough) und Amr Zaki (Wigan) gelten ebenso als Kandidaten wie Andrei Arshavin (Zenit St. Petersburg), die BBC bringt auch Michael Owen (Newcastle) ins Spiel.
- Manchester United: Sir Alex Ferguson hat bereits angekündigt, im Winter nicht aktiv werden zu wollen. Zwar fällt Owen Hargreaves lange aus, aber ManUtd ist auf dieser Position gut besetzt und muss nicht nachkaufen. Falls Ersatztorwart Ben Foster geht, wäre hier ein Nachfolger nötig, ich gehe aber auch hier von einer vereinsinternen Lösung aus, zumal die Nummer Drei, Tomasz Kuszczak, auch kein schlechter Mann ist und man eine neue Nummer Drei problemlos aus der eigenen Jugend rekrutieren und als langfrisitigen Nachfolger für Edwin van der Saar aufbauen könnte. Daneben gibt es noch das Dauerthema Carlos Tevez, der von West Ham United nur ausgeliehen ist – die Red Devils wollen ihn schon seit längerem dauerhaft verpflichten.
- Aston Villa: Für 10-15 Millionen Pfund werden ein kopfballstarker Stürmer und eventuell ein Ersatz für Ashley Young, der von Real Madrid umworben wird. Jermain Defoe (Portsmouth), Darren Bent (Tottenham) und Kevin Doyle (FC Reading) gelten als mögliche Neuzugänge.
- FC Arsenal: Für 20-30 Millionen Pfund kann Arsène Wenger einkaufen, die BBC hat vor allem einen Mangel an Führungsfiguren entdeckt und Schwächen in zentralem Mittelfeld und Verteidigung erkannt. Mögliche Kandidaten: Xabi Alonso (Liverpool), Yaya Touré (Barcelona), aber auch Andrei Arshavin (Zenit St. Petersburg). Für die Abwehr Philippe Mexes (AS Rom) oder Giorgio Chiellini (Juventus Turin, der 24-Jährige gilt als neuer Abwehrchef der italienischen Nationalmannschaft).
- FC Everton: Die Toffees haben kein Geld und brauchen dringend einen Stürmer. Möglicherweise wird Wagner Love (ZSKA Moskau) ausgeliehen oder David Nugent (Portsmouth) geholt.
- Wigan Athletic: Wahrscheinlich geht Emile Heskey, dessen Vertrag im Sommer ohnehin ausläuft. Mit seiner Ablöse könnte man einen Ersatz im Sturm finanzieren – und es heißt, dass Heskey eventuell auch gegen den Willen des Trainers verkauft werden könnte, wenn die Summe stimmt… Kevin Doyle (Reading) oder Marko Pantelic (Berlin) kursieren als mögliche Nachfolger von Heskey.
- Hull City: Vorne, hinten und im Mittelfeld soll’s Verstärkungen geben, jeweils auf den zentralen Positionen. Möglicherweise binden die Tigers Marlon King und Kamil Zayatte langfristig an den Verein, derzeit sind beide nur ausgeliehen. Hull verfügt mit 5-10 Millionen Pfund über eine für englische Verhältnisse kleine Kriegskasse, eventuell wird sie für den Kauf von Fraizer Campbell (von ManUtd an Tottenham ausgeliehen) geplündert, der Stürmer der englischen U21 war bereits im Sommer im Visier von Hull, ein Gebot über 5 Millionen Pfund scheiterte damals aber.
- FC Fulham: Fulham war in der Winterpause in den letzten Jahren immer relativ aktiv. Gesucht werden ein zentraler Mittelfeldspieler und eventuell ein Verteidiger. Kagiso Dikgacoi (Lamontville Golden Arrows, Südafrika) wird kommen, falls er eine Arbeitserlaubnis erhält (scheiterte bereits im Sommer), Benjamin Huggel (FC Basel) und Christophe Berra (Hearts of Midlothian, wird auch von weiteren Premier-League-Klubs umworben) sind die anderen Kandidaten.
- West Ham United: Die Hammers sind im Besitz jenes Isländers, der während der Finanzkrise seine Bank verstaatlichen lassen musste, um einen Crash zu verhindern. West Ham ist damit zu einem teuren Anhängsel geworden, Geld für neue Spieler gibt es nicht. Man wird sich wohl vor allem darauf konzentrieren, Spieler teuer zu verkaufen und günstig zu ersetzen. Eine ganze Reihe von Spielern könnte gehen: Craig Bellamy, Matthew Upson, Scott Parker, Lee Bowyer, Luis Boa Morte, Nigel Quashie, Danny Gabbidon, … Je nachdem wer geht, wird es Neuverpflichtungen geben, Sebastian Giovinco (Juventus) gilt als Wunschkandidat von Trainer Gianfranco Zola, andere interessierte Vereine (wie Arsenal oder Sevilla) dürften aber wohl keine Schwierigkeiten haben, West Ham zu überbieten…
- Bolton Wanderers: Gesucht werden vor allem ein Innenverteidiger und möglicherweise Ersatz für die Spieler, die Ex-Bolton-Trainer Sam Allardyce zu Blackburn holt. Wie einige andere englische Klubs ist Bolton interessiert an Christophe Berra (Hearts of Midlothian), aber auch Mark Beevers (Sheffield Wednesday) könnte die Defensive verstärken.
- FC Portsmouth: 32 Millionen Pfund Schulden schleppt der Klub mit sich herum, dementsprechend sieht auch das Budget für Neuverpflichtungen aus… Vielmehr scheint es nun geboten, den derzeitigen Kader zusammenzuhalten. Mit Lassana Diarra ging bereits ein Leistungsträger, weitere Spieler, die auf dem Sprung sein sollen, sind Peter Crouch und Glen Johnson. Sollten Nwankwo Kanu und Sol Campbell gehen, würde sich vor allem die Abteilung Finanzen freuen: Beide beziehen, gemessen an ihren Leistungen, exorbitante Gehälter. In meinen Augen der wahrscheinlichste Deal: Glen Johnson geht für gutes Geld, im Gegenzug wird der Chelsea-Youngster Jack Cork geholt, von dem Trainer Tony Adams begeistert sein soll. Den Linksverteidiger Nadir Belhadj konnte man erfolgreich an den Verein binden (er war nur ausgeliehen), ansonsten sieht es für Portsmouth trübe aus, ein Fan im Forum der BBC schildert die Lage so: «January is going to be a VERY twitchy month for every Pompey fan. Let’s just hope all the rumours are just that – rumours.» Die Zeiten könnten rosiger sein.
- Manchester City: Keine Frage, dank Petro-Dollars aus Dubai kann ManCity im Winter die Einkaufstour fortsetzen bzw. richtig beginnen. Im Sturm, im Mittelfeld und auch auf der linken Abwehrseite rechnet die BBC mit Neuzugängen – ich würde hier aber keinen Bereich ausschließen und befürchte eine wahllos erscheinende Einkaufstour wie sie bei Chelsea vor einigen Jahren zu sehen war, als der Klub zu Geld kam. Es kursiert eine Liste mit über 60 Spielernamen, die ManCity angeblich verpflichten will – zur Erinnerung, beim Fußball stehen nur 11 Spieler auf dem Feld…
Die Scheichs träumen davon, Kaká (AC Mailand), Gianluigi Buffon (Juventus) und Fernando Torres (Liverpool) zu verpflichten, realistischere Kandidaten sind Roque Santa Cruz, Stephen Warnock ( beide Blackburn), Wayne Bridge (Chelsea) oder Craig Bellamy (West Ham).
- Newcastle United: Nachdem Mike Ashley den Verein nun vorerst doch nicht verkauft, scheint wieder so etwas wie Ruhe in Newcastle einzukehren. Joe Kinnear will zwei Spieler holen, vor allem auf der linken Defensivseite besteht Bedarf. Man spekuliert über John Arne Riise (AS Rom), Stephen Warnock (Blackburn) und Matthew Upson (West Ham). Skandalnudel Joey Barton und Routinier Nicky Butt könnten verkauft werden.
- AFC Sunderland: Rick Sbragia kämpft vor allem gegen die immensen Gehaltskosten, gleichzeitig wurde ihm Geld für neue Spieler versprochen. Kieran Richardson könnte den Verein verlassen, im Gegenzug ist man an Jimmy Bullard (Fulham) und Verteidiger Matthew Upson (West Ham) interessiert. Djibril Cissé, derzeit nur ausgeliehen, könnte dauerhaft geholt werden. Das Top-Talent Fabian Delph (Leeds) wird neben Sunderland auch von Arsenal und ManUtd umworben, auch Leeds selbst will den Spieler halten – Sunderland dürfte keine Chance haben, zumal Delph ein Wunschkandidat des inzwischen zurückgetretenen Trainers Roy Keane war.
- Tottenham Hotspur: Gesucht werden neue Spieler für im Prinzip alle Bereiche außer dem zentralen Mittelfeld. Die BBC berichtet von einer ganzen Reihe Spieler, an denen die Spurs dran sein sollen, für wahrscheinliche Kandidaten halte ich Jermain Defoe, Glen Johnson, Niko Kranjcar und Sylvain Distin, die alle bereits in Portsmouth unter Harry Redknapp spielten. Real-Madrid-Coach Juande Ramos soll sich für einige Kicker der Spurs interessieren, namentlich Aaron Lennon, Didier Zokora und David Bentley; auch einige andere Spieler, darunter Kevin Prince-Boateng, sollen auf dem Sprung sein.
- FC Middlesbrough: Geld für Neueinkäufe muss bei Boro erst durch Verkäufe erwirtschaftet werden. Im zentralen Mittelfeld ist der Verein etwas dünn besetzt, als Kandidat für eine Verpflichtung gilt der serbische U21-Nationalspieler Nemanja Matic (MFK Kosice), der bereits ein Probetraining absolvierte.
- Stoke City: Tony Pulis wird sehr wahrscheinlich nachrüsten, als sehr wahrscheinlicher Kandidat gilt Flügelspieler Joe Ledley (Cardiff), an dem man bereits im Sommer dran war. Möglicherweise wird auch für den Sturm Tommy Smith (Watford, momentan überschuldet) geholt. Priorität genießt aber – auch in den Augen der Fans – Ledley.
- Blackburn Rovers: Gesucht werden ein kreativer Mittelfeldspieler, ein Mann für den rechten Flügel und wahrscheinlich Ersatz für Roque Santa Cruz. Es heißt, dass Sam Allardyce vor allem Spieler verpflichten will, mit denen er schon früher zusammengearbeitet hat, konkret wären dies etwa Kevin Davies, Kevin Nolan und El-Hadji Diouf. Das Budget hängt extrem davon ab, wie viel ein Verkauf von Santa Cruz einbringt.
- West Bromwich Albion: Präsident Jeremy Peace erklärte bereits öffentlich, Geld für Neuzugänge wäre nicht da. Bei Verstärkungen wird sich West Brom also wahrscheinlich auf Leihverträge konzentrieren, so z.B. Carlos Vela und Jay Simpson (beide Arsenal). Das Problem: In 20 Spielen hat Albion nur 16 Tore erzielt – eigentlich bräuchte man einen Knipser, aber für den ist wohl kein Geld da…
Veröffentlicht in Das internationale Geschäft, Personalpolitik | Kommentar schreiben »
Tags: Manchester United, FC Chelsea, Edwin van der Saar, Owen Hargreaves, Carlos Tevez, FC Basel, Tottenham Hotspur, Philipp Degen, Zenit St. Petersburg, Sir Alex Ferguson, England, Luiz Felipe Scolari, Fernando Torres, Giorgio Chiellini, Gianluigi Buffon, Marko Pantelic, Juventus Turin, Darren Bent, Andrei Arshavin, Premier League, FC Arsenal, AC Mailand, FC Barcelona, Cardiff City, Carlos Vela, Manchester City, Real Madrid, Kaká, Island, FC Liverpool, BBC, Stoke City, Rafael Benítez, Peter Crouch, Roy Keane, FC Portsmouth, Hertha BSC Berlin, Djibril Cissé, Newcastle United, Mike Ashley, Dubai, Dubai International Group, Arsène Wenger, Joe Kinnear, Südafrika, West Bromwich Albion, Aston Villa, Roque Santa Cruz, Blackburn Rovers, Wayne Bridge, West Ham United, Hearts of Midlothian, FC Middlesbrough, Kevin-Prince Boateng, Sebastian Giovinco, AFC Sunderland, Sam Allardyce, Juande Ramos, FC Sevilla, AS Rom, Jay Simpson, ZSKA Moskau, Aaron Lennon, Hull City, Gianfranco Zola, FC Fulham, Emile Heskey, Glen Johnson, Jermaine Pennant, Yossi Benayoun, Mike Hughes, Alex Witsel, Standard Liege, Amr Zaki, Tuncay, Michael Owen, Alex Ferguson, Ben Foster, Tomasz Kuszczak, Ashley Young, Jermain Defoe, Kevin Doyle, FC Reading, Xabi Alonso, Yaya Touré, Philippe Mexes, Wagner Love, Toffees, FC Everton, David Nugent, Wigan Athletic, Marlon King, Kamil Zayatte, Fraizer Campbell, Kagiso Dikgacoi, Lamontville Golden Arrows, Benjamin Huggel, Christophe Berra, Craig Bellamy, Matthew Upson, Scott Parker, Lee Bowyer, Luis Boa Morte, Nigel Quashie, Danny Gabbidon, Bolton Wanderers, Mark Beevers, Sheffield Wednesday, Lassana Diarra, Nwankwo Kanu, Sol Campbell, Jack Cork, Tony Adams, Nadir Belhadj, John Arne Riise, Stephen Warnock, Joey Barton, Nicky Butt, Rick Sbragia, Jimmy Bullard, Fabian Delph, Leeds United, Niko Kranjcar, Sylvain Distin, Harry Redknapp, Didier Zokora, David Bentley, Nemanja Matic, MFK Kosice, Tony Pulis, Joe Ledley, Tommy Smith, FC Watford, Kevin Davies, Kevin Nolan, El-Hadji Diouf, Jeremy Peace
20. Dezember 2008
Ich hatte vorhin die Möglichkeit, die letzte Viertelstunde der Premier-League-Partie FC Fulham gegen FC Middlesborough anzusehen.
Um es kurz zu machen: Diese 15 Minuten waren um ein vielfaches interessanter als eine komplette Sportschau-Ausgabe. (Die deutsche Radio-Schlusskonferenz möchte ich hier explizit ausklammern, denn die gefällt mir wirklich ziemlich gut, was wohl auch mit Kindheitserinnerungen zu tun hat, weswegen ich beim Hören immer noch an meinen frisch gebadeten Großvater und den Geruch von Haarwasser denken muss.)
Fulham (24 Punkte aus 17 Spielen, derzeit Platz acht) und Middlesborough (20 aus 18, Platz 13) sind alles andere als Spitzenmannschaften in der Premier League, ich habe alle drei Treffer von Fulham verpasst und wurde dennoch gut unterhalten. Zu sehen gab es ein schnelles Spiel nach Form, das in dieser Konsequenz nur bei wenigen Bundesliga-Klubs zu sehen ist. Es gab Torraumszenen auf beiden Seiten (vor allem für Fulham, aber Middlesborough war nicht so klar unterlegen, wie es das 3:0-Endergebnis vermuten lässt), es gab Laufduelle, Tacklings und sehr kluge öffnende Pässe – also wirklich guten Fußball.
Ich hatte das Gefühl, dass der durchschnittliche Premier-League-Profi taktisch wesentlich geschulter ist als der Otto-Normal-Bundesliga-Kicker. Ein Verständnis für den freien Raum im Offensivspiel, für sinnvolle Anspielstationen in der Vorwärtsbewegung, für schnelles Umschalten und kluges Verhindern von Möglichkeiten durch gutes Stellungsspiel und angemessene Raumaufteilung ist in der Bundesliga schlicht nicht so ausgeprägt.
Was auch sehr schön zu sehen war: Die Stimmung im «Craven Cottage» wurde nicht von Ultras gemacht, sondern von gewöhnlichen Fans, die beim Spiel mitfieberten. Wesentlich atmosphärischer, meiner Meinung nach! (Eindeutig ein Argument für reine Sitzplatzstadien wie das des FC Fulham mit seinen 26.000 Plätzen, die sich alle auf einem einzigen Rang und sehr nah am Spielfeldrand befinden.)
Und: Im englischen Fernsehen sieht man, wie harmonisch ein Spiel mit zwei Kommentatoren bestritten werden kann. Nicht wie hierzulande ein Kommentator und ein «Experte», sondern zwei Kommentatoren, die sich um das laufende Spiel kümmern. Beide wirkten sehr entspannt (jedenfalls im Vergleich zu den anscheinend unter Dauerdruck stehenden Bundesliga-Berichterstattern), konnten auch das Spiel unkommentiert laufen lassen und schalteten sich immer wieder mit Hintergrundinformationen ein. Wenn Premiere das bietet, dann kaufe ich auch ein Abo! (Und dann, wenn die Berichterstattung über den englischen Fußball gut ist, wie ich gehört habe, hat man da in letzter Zeit nachgelassen.)
Veröffentlicht in Auf dem Platz, Im Blitzlichtgewitter | 6 Kommentare »
Tags: Bundesliga, Craven Cottage, England, FC Fulham, FC Middlesborough, Premier League, Premiere, Sportschau
20. Dezember 2008
medienlese.com sieht «Taktikbesprechung» auf Platz drei der zehn besten Fußballblogs. Grund genug für uns, hier selbst die zehn besten Fußballblogs zu sammeln.
Zunächst einmal: Ich halte die Einschätzung von Medienlese für nicht zutreffend. Ich möchte an dieser Stelle nicht über die Qualität von «Taktikbesprechung» philosophieren, denn ich kann sie schlicht nicht einschätzen. Aber Platz Drei halte ich für eindeutig zu hoch gegriffen. Es gibt so viele Blogs, die garantiert besser sind als dieser hier – das muss ich einfach anerkennen. Stefan Heinrich, der den Beitrag für Medienlese verfasst hat, greift an einem entscheidenden Punkt zu kurz: Auf Platz 1 sieht er die Blogs der einzelnen Bundesliga-Vereine. Ich finde, darunter gibt es so viele gute Seiten, dass ich es ablehne, diesen Sachverhalt auf ein schlichtes «alle» zu verkürzen – sie müssen einzeln genannt werden!
Gerade weil ich der Auswahl von Medienlese.com so kritisch gegenüberstehe halte ich es für sinnvoll, selbst eine eigene Auswahl zu treffen. Natürlich ist diese völlig subjektiv – aber ich denke, dass gerade diese Auswahl einen sehr guten Einblick in die Welt des Fußballs gewährt und dass diese Auswahl erstens informativer und zweitens unterhaltsamer als jeder Sportteil einer Zeitung ist.
- catenaccio. Jens Peters hat sich vor dieser Saison geschworen, mindestens bis zur Winterpause einen Blog über Bayer 04 Leverkusen zu betreiben – inzwischen hat er dieses Versprechen bis zur Sommerpause verlängert. «catenaccio» hat den Spitzenplatz wegen einer ganzen Reihe von Gründen verdient. Zum einen vermittelt der Blog unfassbar viele Fakten rund um die Elf von Bayer Leverkusen, aber auch darüber hinaus. Zum anderen ist Jens ein furchtbar guter Autor, dessen Texte einfach wunderbar geschrieben sind. Außerdem betreibt Jens einen ungeheuren Aufwand, angefangen bei regelmäßigem Liveblogging (oft vom ganzen Bundesliga-Wochenende) über interessante Interviews bis hin zu detaillierten Berichten über Spieler (wie die gerade begonnene Serie über die bisherigen Leistungen der Bayer-Profis).
Kurz: catenaccio ist einfach unfassbar gut! Innerhalb kürzester Zeit ist es mein absolutes Lieblings-Fußball-Blog geworden.
- Königsblog. «3 Ecken 1 Elfer», den Königsblog-Vorgänger, habe ich nicht gelesen, weil ich die Seite irgendwie nicht mochte. Ganz anders jetzt: Torsten Wieland schreibt über den FC Schalke 04, er lebt mit dem Verein. Freude und Leid liegen eng beieinander, man merkt, wie Torsten hinter dem Verein steht und dennoch nicht alles gut findet, was in der Geschäftsstelle passiert. Ich gebe zu: Ich liebe Torstens Art, Artikel zu schreiben.
- Thor Waterschei. Einer der Klassiker unter den Fußballblogs. Bjørn schreibt zumeist kürzere Artikel, die sich sehr humorvoll mit verschiedenen Aspekten der Welt des Fußballs auseinandersetzen. Alleine schon der Blick auf die Namen der verschiedenen Kategorien zeigt, wohin die Reise geht: Wortgewandt durch sämtliche Aspekte. Der «T(h)or der Woche» als regelmäßige Serie sowie die enge Verbindung zum FC Arsenal und deren wortreiche Beschwörung machen «Thor Waterschei» zu einer Pflichtlektüre.
- Trainer Baade. Ein weiterer Klassiker. Seit nunmehr drei Jahren greift «Trainer Baade» ironisch eine Vielzahl von Themen auf, die durch die Medien geistern, und schwankt dabei stets zwischen dem erdverbundenen Freizeitkicker und der liebenswerten Diva. Keine Frage, ohne «Trainer Baade» würde die Fußball-Blogwelt einen sehr scharfzüngigen Kommentator vermissen.
- Clubfans United. Für Stefan, Alexander und Michael ist der 1. FC Nürnberg ein wichtiger Teil ihres Lebens. In ausführlichen Beiträgen befassen sie sich mit der momentanen Situation beim FCN, leiden unter und jubeln über die Auftritte der Franken. Einer der definitiv besten Vereinsblogs dieses Landes.
- ArgiFutbol. Ein Geheimtipp. Normalerweise bekommt man vom Fußball in Lateinamerika nicht sonderlich viel mit. Man kennt Argentinien und Brasilien als Talentschmiede, aus der die europäischen Klubs immer wieder – einer Wundertüte gleichend – junge Spieler verpflichten, die manchmal genial sind und manchmal in der Versenkung verschwinden. ArgiFutbol berichtet aus nächster Nähe von der argentinischen Liga, den Spielern, den Vereinen, den Fans – und auch der Gewalt. Ein vollkommen anderer Kosmos als der strukturierte europäische Vereinsfußball tut sich auf. Der Blog schlägt eine Brücke über den Atlantik und bietet Informationen, die es so in keinem Sportteil und in keiner Fachzeitung zu lesen gibt.
- FrauB – The Home of Football. Ich habe mich dazu entschieden, diesen Blog in die Liste aufzunehmen, obwohl vor kurzem bekannt gegeben wurde, dass er seine Pforten schließt. FrauB beschäftigte sich mit dem englischen Fußball und bot sehr schöne Impressionen aus der Premier League. Ich empfehle das Stöbern in den Archiven, dort finden sich so viele ausgezeichnete Artikel (an dieser Stelle sei nur kurz der Beitrag zu Liam Harker genannt).
- Direkter Freistoß. Oliver Fritschs Presseschau «Indirekter Freistoß» gehört zur Pflichtlektüre für Fußballinteressierte – und das dazugehörige Blog «Direkter Freistoß» eigentlich auch. Oliver berichtet vornehmlich über die Bundesliga und den DFB, verfügt dabei aber über enormes Insiderwissen. So konnte er beispielsweise den DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger während der «Causa Weinreich» zu einem Interview bewegen. Eine gelungene Verbindung zwischen professionellem Journalismus und Blog.
- Du Gehst Niemals Allein. Auf «Nolookpass» und «Spielmacher» wurde ich während der EM 2008 aufmerksam, weil sie ein tagesaktuelles und ausgezeichnetes Blog betrieben (das inzwischen gelöscht wurde). Als die Beiden nach dem Turnier das gemeinsame Projekt unter anderem Namen fortführten, blieb ich dabei und wurde nicht enttäuscht. Trotz inzwischen zurückgefahrener Beitrags-Frequenz ist «Du gehst niemals allein» eine ausgezeichnete Anlaufstelle.
- Any Given Weekend. Nick schreibt über Borussia Dortmund – so einfach ist das. Kluge Spielberichte gepaart mit Meinungen und Spielernachrichten ergeben eine runde Mischung, die schlichtweg funktioniert. Immer wieder gerne besucht…
An dieser Stelle auch noch eine Bitte um Empfehlung: Ich suche nach einem Blog über den englischen Fußball. FrauB hat ja inzwischen das Handtuch geworfen (siehe oben) und Medien – Sport – Politik ist zwar beim Live-Blogging stark, bietet aber insgesamt nicht so viele Hintergrundberichte (verständlich bei der Themenvielfalt) und setzt teilweise Fachwissen voraus. Wer kennt ein gutes Premier-League-Blog?
Veröffentlicht in Der Ball im Netz, Im Blitzlichtgewitter | 27 Kommentare »
Tags: 3 Ecken 1 Elfer, Any Given Weekend, ArgiFutbol, Catenaccio, Causa Weinreich, Clubfans United, DFB, Direkter Freistoß, Dr. Theo Zwanziger, Du gehst niemals allein, EM 2008, Empfehlungen, England, Euro 2008, Europameisterschaft, FrauB, Fußballblog, Indirekter Freistoß, Jens Peters, Königsblog, Liam Harker, Medien Sport Politik, Medienlese, Nolookpass, Oliver Fritsch, Premier League, Spielmacher, Stefan Heinrich, T(h)or der Woche, Thor Waterschei, Top 10, Torsten Wieland, Trainer Baade
4. Dezember 2008
Nachdem der AFC Sunderland acht von 15 Premier-League-Spielen verlor, zog Trainer Roy Keane die Konsequenzen und trat heute zurück.
«Keano», bei Manchester United einer der besten Mittelfeldspieler der 1990er, war 2006 Trainer von Sunderland geworden und führte den Verein zur Überraschung vieler Experten binnen kürzester Zeit in die Premier League. Sunderland konnte in der höchsten Spielklasse den Abstieg vermeiden, kämpft nun aber härter denn je um den Klassenerhalt. Fünf Niederlagen in den letzten sechs Spielen, 15 Punkte aus 15 Spielen, mit Platz 18 einer der Abstiegsplätze – Sunderland geht schweren Zeiten entgegen.
Keane selbst hatte immer wieder betont, dass seine Zukunft in Sunderland nicht gesichert sei, in den vergangenen Wochen wollte der Verein ihn wiederholt zum Bleiben bewegen. Nun hat er seine Entscheidung gefällt.
Keane hatte seit dem August 2006 für 33 Neuverpflichtungen insgesamt 70 Millionen Pfund ausgegeben, er holte Spieler wie Kenwyne Jones, Kieran Richardson, Anton Ferdinand nach Sunderland. Teuerste Neuverpflichtung (auch in der Vereinsgeschichte) war mit neun Millionen Pfund Torhüter Craig Gordon.
Mehr Informationen gibt es bei der BBC: Einerseits ein sehr interessanter Artikel (mit Video), andererseits eine Bildergalerie zu Keanes Wirken als Spieler und Trainer.
Nachtrag: Bei Medien-Sport-Politik gibt es einen interessanten Kommentar zu Roy Keane:
Auch wenn es jetzt so ein bisschen wie die Flucht aussieht, wird Roy Keane sich das sicherlich gut überlegt haben. Denn ein Hirte verlässt nicht so einfach seine Herde. Denn wie ein kleiner Hirte wirkte Keane in letzter Zeit, schwarzer Mantel immer bis oben zugeknöpft, der Vollbart wuchs und wuchs. Hätte man ihm noch einen Stock gegeben, wäre es das perfekte Bild gewesen. Aber das soll gar nicht negativ gemeint sein. Keane hat durchaus sehr gute Arbeit in Sunderland erledigt. Doch trotzdem bleibt seine letzten Schritte fraglich und zweifelhaft. [...] Derweil beginnen die Bemühungen um einen Nachfolger in Sunderland. Ganz oben auf der Liste soll Big Sam Allardyce stehen. Also quasi das genaue Gegenteil zu Keane, zumindest was das Hinterfragen angeht. Aber vielleicht brauchen die Black Cats gerade jetzt einen kleinen Paradigmenwechsel.
Veröffentlicht in Trainer sind auch nur Menschen | Kommentar schreiben »
Tags: AFC Sunderland, Anton Ferdinand, BBC, Craig Gordon, England, FC Sunderland, First Championship, Kenwyne Jones, Kieran Richardson, Manchester United, Medien Sport Politik, Premier League, Roy Keane, Sam Allardyce, Trainer