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Die zehn besten Fußballblogs

20. Dezember 2008

medienlese.com sieht «Taktikbesprechung» auf Platz drei der zehn besten Fußballblogs. Grund genug für uns, hier selbst die zehn besten Fußballblogs zu sammeln.

Zunächst einmal: Ich halte die Einschätzung von Medienlese für nicht zutreffend. Ich möchte an dieser Stelle nicht über die Qualität von «Taktikbesprechung» philosophieren, denn ich kann sie schlicht nicht einschätzen. Aber Platz Drei halte ich für eindeutig zu hoch gegriffen. Es gibt so viele Blogs, die garantiert besser sind als dieser hier – das muss ich einfach anerkennen. Stefan Heinrich, der den Beitrag für Medienlese verfasst hat, greift an einem entscheidenden Punkt zu kurz: Auf Platz 1 sieht er die Blogs der einzelnen Bundesliga-Vereine. Ich finde, darunter gibt es so viele gute Seiten, dass ich es ablehne, diesen Sachverhalt auf ein schlichtes «alle» zu verkürzen – sie müssen einzeln genannt werden!

Gerade weil ich der Auswahl von Medienlese.com so kritisch gegenüberstehe halte ich es für sinnvoll, selbst eine eigene Auswahl zu treffen. Natürlich ist diese völlig subjektiv – aber ich denke, dass gerade diese Auswahl einen sehr guten Einblick in die Welt des Fußballs gewährt und dass diese Auswahl erstens informativer und zweitens unterhaltsamer als jeder Sportteil einer Zeitung ist.

  1. catenaccio. Jens Peters hat sich vor dieser Saison geschworen, mindestens bis zur Winterpause einen Blog über Bayer 04 Leverkusen zu betreiben – inzwischen hat er dieses Versprechen bis zur Sommerpause verlängert. «catenaccio» hat den Spitzenplatz wegen einer ganzen Reihe von Gründen verdient. Zum einen vermittelt der Blog unfassbar viele Fakten rund um die Elf von Bayer Leverkusen, aber auch darüber hinaus. Zum anderen ist Jens ein furchtbar guter Autor, dessen Texte einfach wunderbar geschrieben sind. Außerdem betreibt Jens einen ungeheuren Aufwand, angefangen bei regelmäßigem Liveblogging (oft vom ganzen Bundesliga-Wochenende) über interessante Interviews bis hin zu detaillierten Berichten über Spieler (wie die gerade begonnene Serie über die bisherigen Leistungen der Bayer-Profis).
    Kurz: catenaccio ist einfach unfassbar gut! Innerhalb kürzester Zeit ist es mein absolutes Lieblings-Fußball-Blog geworden.
  2. Königsblog. «3 Ecken 1 Elfer», den Königsblog-Vorgänger, habe ich nicht gelesen, weil ich die Seite irgendwie nicht mochte. Ganz anders jetzt: Torsten Wieland schreibt über den FC Schalke 04, er lebt mit dem Verein. Freude und Leid liegen eng beieinander, man merkt, wie Torsten hinter dem Verein steht und dennoch nicht alles gut findet, was in der Geschäftsstelle passiert. Ich gebe zu: Ich liebe Torstens Art, Artikel zu schreiben.
  3. Thor Waterschei. Einer der Klassiker unter den Fußballblogs. Bjørn schreibt zumeist kürzere Artikel, die sich sehr humorvoll mit verschiedenen Aspekten der Welt des Fußballs auseinandersetzen. Alleine schon der Blick auf die Namen der verschiedenen Kategorien zeigt, wohin die Reise geht: Wortgewandt durch sämtliche Aspekte. Der «T(h)or der Woche» als regelmäßige Serie sowie die enge Verbindung zum FC Arsenal und deren wortreiche Beschwörung machen «Thor Waterschei» zu einer Pflichtlektüre.
  4. Trainer Baade. Ein weiterer Klassiker. Seit nunmehr drei Jahren greift «Trainer Baade» ironisch eine Vielzahl von Themen auf, die durch die Medien geistern, und schwankt dabei stets zwischen dem erdverbundenen Freizeitkicker und der liebenswerten Diva. Keine Frage, ohne «Trainer Baade» würde die Fußball-Blogwelt einen sehr scharfzüngigen Kommentator vermissen.
  5. Clubfans United. Für Stefan, Alexander und Michael ist der 1. FC Nürnberg ein wichtiger Teil ihres Lebens. In ausführlichen Beiträgen befassen sie sich mit der momentanen Situation beim FCN, leiden unter und jubeln über die Auftritte der Franken. Einer der definitiv besten Vereinsblogs dieses Landes.
  6. ArgiFutbol. Ein Geheimtipp. Normalerweise bekommt man vom Fußball in Lateinamerika nicht sonderlich viel mit. Man kennt Argentinien und Brasilien als Talentschmiede, aus der die europäischen Klubs immer wieder – einer Wundertüte gleichend – junge Spieler verpflichten, die manchmal genial sind und manchmal in der Versenkung verschwinden. ArgiFutbol berichtet aus nächster Nähe von der argentinischen Liga, den Spielern, den Vereinen, den Fans – und auch der Gewalt. Ein vollkommen anderer Kosmos als der strukturierte europäische Vereinsfußball tut sich auf. Der Blog schlägt eine Brücke über den Atlantik und bietet Informationen, die es so in keinem Sportteil und in keiner Fachzeitung zu lesen gibt.
  7. FrauB – The Home of Football. Ich habe mich dazu entschieden, diesen Blog in die Liste aufzunehmen, obwohl vor kurzem bekannt gegeben wurde, dass er seine Pforten schließt. FrauB beschäftigte sich mit dem englischen Fußball und bot sehr schöne Impressionen aus der Premier League. Ich empfehle das Stöbern in den Archiven, dort finden sich so viele ausgezeichnete Artikel (an dieser Stelle sei nur kurz der Beitrag zu Liam Harker genannt).
  8. Direkter Freistoß. Oliver Fritschs Presseschau «Indirekter Freistoß» gehört zur Pflichtlektüre für Fußballinteressierte – und das dazugehörige Blog «Direkter Freistoß» eigentlich auch. Oliver berichtet vornehmlich über die Bundesliga und den DFB, verfügt dabei aber über enormes Insiderwissen. So konnte er beispielsweise den DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger während der «Causa Weinreich» zu einem Interview bewegen. Eine gelungene Verbindung zwischen professionellem Journalismus und Blog.
  9. Du Gehst Niemals Allein. Auf «Nolookpass» und «Spielmacher» wurde ich während der EM 2008 aufmerksam, weil sie ein tagesaktuelles und ausgezeichnetes Blog betrieben (das inzwischen gelöscht wurde). Als die Beiden nach dem Turnier das gemeinsame Projekt unter anderem Namen fortführten, blieb ich dabei und wurde nicht enttäuscht. Trotz inzwischen zurückgefahrener Beitrags-Frequenz ist «Du gehst niemals allein» eine ausgezeichnete Anlaufstelle.
  10. Any Given Weekend. Nick schreibt über Borussia Dortmund – so einfach ist das. Kluge Spielberichte gepaart mit Meinungen und Spielernachrichten ergeben eine runde Mischung, die schlichtweg funktioniert. Immer wieder gerne besucht…

An dieser Stelle auch noch eine Bitte um Empfehlung: Ich suche nach einem Blog über den englischen Fußball. FrauB hat ja inzwischen das Handtuch geworfen (siehe oben) und Medien – Sport – Politik ist zwar beim Live-Blogging stark, bietet aber insgesamt nicht so viele Hintergrundberichte (verständlich bei der Themenvielfalt) und setzt teilweise Fachwissen voraus. Wer kennt ein gutes Premier-League-Blog?

Doping im Fußball – Ein kleines Dossier

19. Dezember 2008

Ich lese gerade die Oktober/November-Ausgabe von nullacht (ja, ich weiß, das ist schon etwas länger her – aber wenn ich hier über den Stapel ungelesener Zeitschriften rede, dann bekomme ich schon von alleine schlechte Laune) und habe dort zufällig entdeckt, das der Themenschwerpunkt der Ausgabe ein Thema behandelt, das zuletzt in Fußball-Blogs zur Sprache kam: Doping.

Ziemlich interessant ist das ausführliche Interview mit Professor Hans Holdhaus, der u.a. für die Welt-Anti-Doping-Agentur und den österreichischen Nationalableger aktiv ist und seit 1984 alle österreichischen Olympioniken betreut. Holdhaus vertritt die These, dass Doping im Spitzensport nicht so fest verankert ist, wie zuweilen gemutmaßt wird.

Zum Thema Fußball: Es fällt auf, dass es bis auf einige Kokain- und Cannabisfälle kaum positive Dopingbefunde gibt. Woran liegt das nach Ihrer Ansicht?
Was wir jetzt über Fußball sagen werden, gilt nahezu für alle Mannschaftssportarten. Es ist generell zu beobachten, dass Doping immer schon bei Einzelsportlern einen viel höheren Stellenwert gehabt hat als bei Mannschaftssportlern. Das liegt vielleicht auch daran, dass eine Mannschaft gewohnt ist, im Kollektiv zu arbeiten. Wer sich ein bisschen mit einem Mannschaftsgefüge beschäftigt, und ich war selbst lange genug bei der Wiener Austria tätig, wird feststellen, dass es fast unmöglich für einen einzelnen Spieler ist, alleine heimlich etwas zu machen. Doping im Fußball wird also schon durch die Struktur einer Mannschaft erschwert. Das ändert sich jetzt zwar ein wenig, die Spieler zeigen mehr und mehr Eigenverantwortung – Stichwort individuelles Training -, dabei ist es klarerweise eher möglich, an falsche Berater zu geraten und Blödheiten zu machen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass sich das die meisten gar nicht trauen würden, weil man sich sofort ins Out stellen würde.
Olympique Marseille oder Juventus Turin sollen in den 90er-Jahren die ganze Mannschaft – mit oder ohne Wissen der Spieler – gedopt haben. Da fällt dann dieser Aspekt der Mannschaftsstrukturen weg.
Ja, wenn die ganze Mannschaft wissentlich oder unwissentlich gedopt wird, ist es natürlich etwas anderes. Aber es ist auch eine Tatsache, dass es im Fußball genauso viele Kontrollen gibt wie in anderen Sportarten. Man würde da nach meiner Ansicht sehr schnell draufkommen.
Würde es denn bezogen auf die Leistungsfähigkeit Sinn machen, als Fußballer zu dopen?
Das ist beinahe eine philosophische Frage. Es gibt einerseits keine Sportart, wo man von vornherein sagen kann, Doping würde nichts bringen. Im Fußball würden zum Beispiel Substanzen, die meine Ausdauer verbessern oder die Ermüdung hinausschieben, durchaus Sinn machen. Andererseits hat jede Substanz, mit der gedopt wird, Nebenwirkungen. Eine dieser Nebenwirkungen ist zum Beispiel oft eine Veränderung des Reaktionsvermögens. Annäherungen des Balles oder Abläufe am Spielfeld werden schlechter eingeschätzt und plötzlich treten für den Spieler technische Probleme auf, die er vorher nicht gehabt hat.
Mir ist kein Dopingmittel bekannt, das man im Fußball einsetzen könnte und das nicht einen negativen Effekt in der beschriebenen Art und Weise hätte. Kurz gesagt, alles in allem bringt das beim Fußball nichts. Die erzielte Leistungssteigerung machen die Nebenwirkungen wieder kaputt.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt in einem anderen Bericht Dr. Günter Gmeiner, der an einem der 33 von der WADA anerkannten Doping-Kontroll-Labore arbeitet. Von ihm und seinen Mitarbeitern wurden alle Doping-Kontrollen rund um die EM 2008 durchgeführt. Fußball sei «nicht dopinganfällig», so Gmeiner,  «bloß im Regenarationsbereich, bei den älteren Spielern, könnte die Wahrscheinlichkeit höher sein.»

Karl-Heinrich Bette, Sportsoziologe an der TU Darmstadt, befasst sich mit der Entstehung von Doping aus sozialwissenschaftlicher Sicht, auch von ihm findet sich in der nullacht-Ausgabe ein lesenswerter Artikel:

Dabei hat ein defensives, nur noch der Nachteilsvermeidung dienendes Doping längst die Oberhand gewonnen. Selbst wenn kein Athlet von sich aus zum Doping greifen wollte, sehen sich viele dazu genötigt, weil niemand sich der Dopingabstinenz der Konkurrenten sicher sein kann. Doping wird so zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Die oftmals enormen, aber zumeist mit zeitlicher Verzögerung eintretenden gesundheitlichen Risiken werden entweder verdrängt oder zähneknirschend in Kauf genommen. Die Abweichung von Athleten ist dabei keine isolierte individuelle Entscheidung, sondern findet in einer dafür anfälligen Subkultur statt und wird durch ein weitgefächertes Umfeld getragen. Ein breites Spektrum an Rechtfertigungsformeln, auf die Dopingsünder und deren Unterstützer und Sympathisanten zurückgreifen können, dient der rhetorischen Abpufferung. [...] Wirtschaft, Politik, Publikum und Massenmedien hätten in diesem Zusammenhang vor allem einzusehen, dass sie – auch ohne es zu wollen – in einer subtilen Weise Teil des Dopingproblems sind. Gegenwärtung scheint die Einsicht in die eigene Verstricktheit noch nicht weit verbreitet zu sein. Ganz im Gegenteil: Sowohl Sponsoren als auch Massenmedien und Publikum wehren sich energisch dagegen, durch das Dopingthema in irgendeiner Weise mitkontaminiert zu werden. Man wäscht seine Hände in Unschuld, verweist auf die Verantwortung der Athleten und trägt so dazu bei, dass die Dopingproblematik auf Dauer gestellt wird.

Ein interessanter Beitrag mit dem Titel «Das unbefleckte Rund» kommt von Michael Robausch:

Sind unerwünschte Substanzen [im Fußball] so verbreitet wie im gebeutelten Radlager? Das wohl auch nicht. Immerhin wagt es Toni Graf-Baumann, Vorsitzender der FIFA-Anti-Doping-Kommission, von «relativer Sauberkeit» zu sprechen. Ein größeres Problem könne da schon die Verwendung von Schmerzmitteln darstellen, um die immer länger werdenden Saisonen trotz der der Überforderung geschuldeten Wehwehchen durchzustehen.
[...] Die Komplexität des Mannschaftsspiels und dessen mannigfachen Unwägbarkeiten lassen [Doping] nicht zu. Nicht einmal randvoll mit EPO hätten die Deutschen Spanien im Endspiel der Europameisterschaft schlagen können. Und obgleich die athletischen Anforderungen zweifellos gestiegen sind: Sie bleiben bei einer Laufleistung von maximal 15 Kilometern pro Match weiterhin überschaubar und für das Publikum nachvollziehbar – was etwa schon für eine einzige Bergetappe bei der Tour de France nicht mehr gilt.

Das Problem der Schmerzmittel-Anwendung ist hingegen tatsächlich nicht zu übersehen. Aus gesicherten Quellen weiß ich, dass im Profifußball im fortschreitenden Saisonverlauf regelmäßig zu ihnen gegriffen wird und auch verschreibungspflichtige Mittel zum Einsatz kommen. Ein normales Training wird gegen Ende der Saison nur noch unter dem Einfluss von Medikamenten bestritten.
Wie drastisch Profis fit gespritzt werden, illustriert Mehmet Scholl auf seiner DVD «Frei:Gespielt» am eigenen Beispiel. Trotz mehrer angerissener Sehnen und Bänder ließ er sich für ein Champions-League-Halbfinale (ich meine 1999 in Erinnerung zu haben) mit Medikamenten «betäuben» und lief in der Startelf ohne Beschwerden auf, obwohl er am Vorabend des Spiels schon auf dem Weg zum Trainer war, um diesen zu sagen, dass er nicht einsatzfähig sei.

«Frisch geschlüpft»

19. Oktober 2008

Im Vorfeld der EM 2008 hat die Süddeutsche Zeitung auf ihrer Webseite eine Serie gestartet: Bis zum Start des Turniers wollte man in der Rubrik «Frisch geschlüpft» junge Fußballtalente, die bei der EM mitmischen würden, vorstellen. Besonders interessant ist es, diese Artikel jetzt im Rückblick zu lesen.

Bundesligisten international 2008

29. August 2008

Die Auslosungen von Champions League und UEFA-Pokal sind perfekt. Immerhin acht Vereine repräsentieren die Bundesliga international: FC Bayern München und Werder Bremen in der Champions League; Schalke 04, der HSV, VfB Stuttgart, Hertha BSC, VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund im UEFA-Cup.

Die Gegner der deutschen Vereine im Überblick:

  • FC Bayern München trifft in der Gruppe F der Champions League auf Olympique Lyon, Steaua Bukarest und den AC Florenz – definitiv eine der leichteren Gruppen der Champions League.
    Härtester Konkurrent wird wohl Olympique sein: Die Mittelfeldachse mit Juninho, Ederson, Jean Makoun und Kim Källström ist bemerkenswert, im Sturm ist der französische Torschützenkönig und EM-Teilnehmer Karim Benzema eine Gefahr. Auch die Abwehr präsentiert sich wohl sortiert: Fabio Grosso und Cris, der mehrfach zum besten Spieler Frankreichs gewählt wurde, agieren in der Abwehr. Es wird interessant zu sehen sein, wie Bayern Lyon über die Flügel zu knacken versuchen wird.
    Zu Steaua Bukarest muss man nicht viele Worte verlieren. Glaubt man den Statistiken von Transfermarkt.de, dann ist der gesamte Steaua-Kader (etwa 27,4 Mio. €) weniger wert als Franck Ribéry (30 Mio. €) oder Luca Toni (28,5 Mio. €) alleine. Eine Niederlage ist nicht zu erwarten.
    Bei AC Florenz sieht es in dieser Beziehung anders aus. Mit Adrian Mutu gibt es einen Mittelfeldspieler vom Kaliber eines Ribéry, mit Giampaolo Pazzini (wurde mehrfach mit Auszeichnungen im Junioren-Bereich bedacht) und vor allem Nationalstürmer Alberto Gilardino, der vor der Saison vom AC Mailand in die Toskana wechselte und in 25 Länderspielen neun Tore erzielte, existiert auch Qualität im Sturm. Die Bayern-Defensive wird hier wohl am meisten gefordert werden, um diese drei Offensiven aus dem Spiel zu nehmen.
  • Werder Bremen wurde gemeinsam mit Inter Mailand, Panathinaikos Athen und Anorthosis Famagusta in Gruppe B gelost. Auch für die Mannschaft von der Weser ist ein Weiterkommen eigentlich Pflicht.
    Gegen Inter Mailand wird es die Elf von Thomas Schaaf extrem schwer haben. Eine exzellente Defensive, ein stark besetztes Mittelfeld um Esteban Cambiasso und ein herausragender Sturm mit Persönlichkeiten wie Adriano, Zlatan Ibrahimovic und Hérnan Crespo – dazu José Mourinho auf der Bank. Die Bremen werden es wohl schon als Erfolg feiern, dem amtierenden italienischen Meister ein Unentschieden abzutrotzen.
    Panathinaikos könnte unter Umständen zu einem Stolperstein für Werder werden. Vor allem der Stürmer Dimitrios Salpingidis ist hier zu nennen, in der Champions-League-Qualifikation war er in drei Spielen an drei Toren beteiligt (zwei selbst erzielt, eines vorbereitet), in der letzten Spielzeit erzielte er in Griechenland 15 Tore in 29 Spielen, außerdem noch vier Treffer in sieben UEFA-Cup-Spielen. Bemerkenswert ist auch der Österreicher Andreas Ivanschitz im Mittelfeld, der bei der EM durchaus auf sich aufmerksam machte und einer der besten Österreicher des Turniers war. Auch Georgios Karagounis, der in der Vergangenheit für Inter Mailand und Benfica Lissabon spielte, ist einer der besseren Spieler des Panathinaikos-Mittelfelds. Auch Gilberto Silva, vor der Saison vom FC Arsenal gewechselt, gibt der Mittelfeldachse von Athen Stabilität und sichert vor allem defensiv ab. Der große Brasilianer wird mit seiner enormen internationalen Erfahrung Diego aus dem Spiel zu nehmen versuchen – und es scheint nicht ganz unrealistisch zu sein, wenn man davon ausgeht, dass der Bremer dabei nicht vollkommen befreit wird aufspielen können.
    Anorthosis Famagusta hat etwa die Qualität eines deutschen Zweitligisten. Der bekannteste Name im Team der Zyprer dürfte neben Abwehrspieler Traianos Dellas, der bei der EM für Griechenland spielte und auch schon vier Jahre zuvor beim Titelgewinn für die Rehhagel-Elf spielte, der Ex-Aachener Jeffrey Leiwakabessy sein. Allerdings sind die Zypern-Teams auch für ihre Heimstärke bekannt, einen Auswärtssieg im Schongang sollte Bremen keinesfalls einkalkulieren.
  • Schalke 04 ist nach dem Aus in der Champions-League-Qualifikation nun gegen Apoel Nikosia gefordert. Bekannte Namen sind auch hier Mangelware, hervorzuheben ist allenfalls Nuno Morais (Ex-FC-Chelsea) und Kamil Kosowski, der bei der WM 2006 für Polen spielte. Ein eher leichter Gegner für die Königsblauen.
  • Beim HSV-Gegner Unirea Urziceni mach ich’s kurz: Ich kenne die Rumänen nicht, keiner der Spieler hat einen Marktwert in annähernder Millionenhöhe. Würde der HSV rausfliegen, wäre es eine unglaubliche Blamage.
  • Auch der VfB Stuttgart muss in den Ostblock, genauer gesagt zu Cherno More Varna. Keine bekannten Namen, ein eher belangloser Gegner, der mit Milen Petkov einen ehemaligen bulgarischen Nationalspieler in seinen Reihen hat. Wie beim HSV gilt auch hier: Eine Niederlage wird peinlich.
  • Hertha BSC zieht es nach Irland, der Gegner heißt St. Patrick’s Athletic. Im europäischen Fußball sicherlich ein kleines Licht, aber dennoch sehr kampfstark. Spielerisch wird man von den Iren wenig erwarten, aber sie werden sich sehr lange wehren und immer auf die Sensation hoffen: Ein Konter und alles ist möglich.
  • Der VfL Wolfsburg hat zumindest einen nicht gänzlich unbekannten Gegner zugelost bekommen: Rapid Bukarest. Die Rumänen sind regelmäßig im UEFA-Cup vertreten und haben auch durchaus Spieler mit Qualität in ihren Reihen: Der brasilianische Stürmer Júlio César spielte bereits sechs Partien in der Champions League und erzielte dort zwei Tore, der Montenegriner Radomir Dalovic spielte vor einigen Jahren für Arminia Bielefeld in der Bundesliga und konnte in der Nationalmannschaft drei Treffer in vier Partien feiern – und 18 Tore in 31 Spielen in der vergangenen Spielzeit der kroatischen Liga (für NK Rijeka) sprechen für sich.
  • Den bekanntesten Gegner hat sicherlich Borussia Dortmund. Udinese Calcio hat laut Transfermarkt.de einen Kader mit höherem Marktwert als der Ruhrpott-Verein. Für Qualität stehen unter anderem der Schweizer EM-Teilnehmer Gökhan Inler, der vor der Saison ein Angebot des FC Arsenal über 25 Mio. € ablehnte, und die beiden italienischen EM-Teilnehmer Antonio di Natale und Fabio Quagliarella (beide im Sturm). Sicherlich einer der schwierigeren Gegner, aber keinesfalls eine unlösbare Aufgabe.
  • INSGESAMT haben also alle deutschen Klubs sehr gute bis ausgezeichnete Chancen, die erste Runde der internationalen Wettbewerbe zu überstehen. Hoffen wir mal, dass der deutsche Fußball sich heuer auf dem europäischen Parkett wieder etwas besser aufgelegt präsentiert als es die Champions-League-Qualifikation mit Schalke und die nicht immer souveränen UEFA-Cup-Quali-Auftritte der deutschen Vereine befürchten lassen.