Posts Tagged ‘Länderspiel’
19. November 2008
Er ist erst 18 Jahre jung, aber trotzdem schon Kapitän der U21 und (das ist Höwedes, danke Heinz) tragende Stütze der Auswahl. Die Rede ist von Toni Kroos.
Im ersten Spiel nach der Entlassung von Dieter Eilts betreute Horst Hrubesch, der etatmäßige U20-Coach, die deutsche U21. Er gilt als Kandidat für den nun frei gewordenen Posten, für den sich auch U19-Trainer Heiko Herrlich bewirbt. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer brachte auch «eine externe Lösung» ins Spiel.
Das Spiel selbst war nicht unbedingt eine Glanzleistung der Deutschen: In der ersten Hälfte war das Spiel der DFB-Auswahl durchsetzt von Fehlern, körperlich und spielerisch war Italien überlegen, zeigte aber zu wenig Zug zum deutschen Tor, um die optischen Vorteile in Ergebnisse umzuwandeln.
Zwar stabilisierten sich die Deutschen später, ein Distanzschuss mit viel Effet aus 25m Entfernung durch Bayern-Profi Kroos (von der italienischen Defensive sträflich vernachlässigt und von Jerome Boateng hervorragend freigespielt – hier zu sehen auf YouTube) in der 48. Minute sorgte für die Führung und beruhigte die DFB-Junioren weiter, aber wirklich ungefährdet war der deutsche Sieg nie: eine Viertelstunde vor Schluss vergab der Italiener Alessio Cerci eine Großchance und schoss freistehend und unbedrängt nach einem Torwartfehler aus zwei Metern Torentfernung nur an den Pfosten.
Hrubesch sah die Fehler, aber auch das Potenzial der von ihm betreuten Spieler: «Leider haben wir etwas zu wenig nach vorne getan, das hätte ich mir anders gewünscht. Aber wenn diese Mannschaft weiter zusammenwächst, hat sie gute Chancen in Schweden.»
Kritik setzte es vor allem für Mesut Özil, der zuletzt für Werder Bremen in der Bundesliga einige gute Spiele gemacht hatte. Sport.ARD.de urteilte: «Besonders enttäuschend war auf deutscher Seite die Leistung des Bremers Mesut Özil, der auf der linken offensiven Außenbahn keinerlei Beweglichkeit zeigte, keine Akzente setzte und zudem die Defensivarbeit vernachlässigte.»
Der Spielbericht des kickers: «Italien begann stark in der Osnatel-Arena. Der Ball lief gut durch die Reihen der Gäste, bei denen Giovinco das Geschehen an sich riss und einige vielversprechende Angriffe initiierte. Bei den Gastgebern war zu wenig Bewegung im Spiel, schon im Aufbau fehlerhaft war der Ball meist kurz hinter der Mittellinie weg.»
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19. November 2008
- «Die Zeit» hat auf ihrer Webseite eine Bildergalerie veröffentlicht, die sich mit den vergangenen Partien der beiden Länder beschäftigt. Wer schon immer einmal sehen wollte, wie 1908 Kaiser Wilhelm über den Platz schreitet, dem seien die Aufnahmen wärmstens empfohlen. In Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel bietet «Die Zeit» einen gelungenen Abriss deutsch-englischer Fußballgeschichte, immer wieder wird der Blick auf einzelne Akteure gelenkt: Der einohrige Dresdner Richard Hofmann (der beim 3:3 1930 auf sich aufmerksam machen sollte und später von den Nazis gesperrt wurde, weil er als Werbeträger für Zigaretten gegen das Amateurstatut verstieß), die englische Auswahl 1938 (die beim ersten Spiel gegen eine gemeinsame deutsch-österreichische Elf – zwei Monate zuvor hatte sich das Deutsche Reich Österreich einverleibt – sich den Gegebenheiten anpassten und vor Spielbeginn auch den Hitlergruß zeigten, weil die britische Politik sie dazu nötigte), Duncan Edwards (der 1956 im Alter von 19 Jahren brillieren und zwei Jahre später später im «Munich Air Disaster» sterben sollte).
- Ich werde das Spiel heute abend wohl nicht verfolgen können, deswegen wird es hier auch keinen Spielbericht geben. Mein Vorschlag für eine Aufstellung: Adler – Schäfer, Mertesacker, Friedrich (Westermann), Hinkel (Friedrich) – Rolfes, Jones – Trochowski, Schweinsteiger – Klose, Helmes. Ich denke, dass Weis und Marin nicht in der Startelf stehen werden, aber wohl relativ früh eingewechselt werden (Weis für Jones).
- Übrigens: Wie die BBC berichtet, wird Theo Walcott etwa drei Monate lang ausfallen. Eine Schulterverletzung verhindert seinen Einsatz, heute abend wird Fabio Capello ihn wahrscheinlich durch Shaun Wright-Phillips (wechselte in der Sommerpause vom FC Chelsea zu Manchester City) ersetzen.
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26. Juli 2008
16 Jahre sind ins Land gegangen, seit Deutschland zum letzten Mal einen Juniorentitel gewann (1992 mit der U16). 3:1 siegte die deutsche U19 (trainiert von «Kopfballungeheuer» Horst Hrubesch) über die Azzurini und wurde Europameister.
In der Folge meine Notizen zum Spiel:
- Ich habe das Spiel erst ab der 55. Minute gesehen, aber Italien blieb für mich zu 90% harmlos. Der Anschlusstreffer zum 2:1 wecke noch einmal die Hoffnungen der Azzurini, aber davor und danach blieben sie harmlos.
- Vicente del Bosque wird immer wieder in den Mund gelegt, dass die Harmonie zwischen Talent und Ordnung entscheidend sei. Genau das war der Schlüssel der Deutschen, vor allem bei den Angriffen: dynamisch und spritzig nach vorne, aber nie die eigenen Räume vergessend. Sehr schön!
- Drei Spieler fielen mir in der zweiten Halbzeit besonders auf. Der erste ist Torwart Ron-Robert Zieler (Manchester United), der lange Zeit eine gute Figur machte, beim Gegentor jedoch nicht ganz schuldlos war. Er geht nach oben, wird aber vom gegnerischen Stürmer übersprungen (der deutsche Verteidiger bleibt absichtlich am Boden, um den eigenen Torwart nicht zu behindern – eine gute Aktion!). Auffällig bei Zieler war aber die Mischung aus Konzentration und Härte. Immer orientiert zu Ball und Spieler, aber nie nur daran interessiert, den Ball zu sichern oder aus der Gefahrenzone zu bringen. Der England-Legionär hatte immer auch den Gegenspieler im Blick und machte diesem mit seiner Physis klar, wer der Chef im Ring ist. Meiner Meinung nach schoss er dabei zeitweise etwas über das Ziel hinaus und rempelte für meinen Geschmack ein, zwei Mal zu oft.
- Timo Gebhart (TSV 1860 München) war mit Sicherheit der überragende Akteur der Partie. Der Mittelfeldspieler, an dem vor der Saison auch die TSG Hoffenheim interessiert war, interpretierte seine Rolle mit Parallelen zu Cristiano Ronaldo in einer geringfügig disziplinierteren Form. Gebhart hatte eine unglaubliche Laufleistung, war bei allen Angriffen dabei und half in der Abwehr aus. Mit seiner feinen Technik brachte er die italienische Defensive in Schwierigkeiten. Entscheidend dabei: seine Geschwindigkeit. Gebhart sieht, wo er den Ball haben will und befördert ihn schnell dorthin – zu schnell für die gegnerische Abwehr. Konsequent auch sein Verhalten im Strafraum: der Blick für den Nebenmann ist vorhanden, der Zug zum Tor auch. Nicht abzustreiten ist aber auch ein bei Cristiano Ronaldo nicht untypischer Anhang zur Eitelkeit und zu Kapriolen. Gebhardt ist zwar ein guter Spieler, die absolute Disziplin in allen Lebenslagen ist seine Sache aber nicht.
Meine Prognose: Gebhart sehen wir in nicht allzu ferner Zukunft in der Bundesliga und auch im Kader der deutschen Senioren-Nationalmannschaft.
- Richard Sukuta-Pasu (Bayer 04 Leverkusen) kann nach diesem Spiel definitiv eines der größten deutschen Sturm-Talente genannt werden. Der jüngste Akteur im Kader (18 Jahre und 6 Monate, er könnte damit noch ein Jahr bei den A-Junioren spielen) erinnerte in seiner Spielweise an Miroslav Klose mit einem robusteren Zweikampfverhalten. Schnell und engagiert, die Lücken in der Abwehr durch Vorstöße suchend und mit Überblick beim Torabschluss (gut verzögert beim 2:0).
Meine Prognose: In zwei Jahren spielt Sukuta-Pasu bei einem Bundesligisten im Sturm oder ist zumindest ein Kandidat für Einwechselungen. In spätestens vier Jahren sehen wir ihn in der Senioren-Nationalmannschaft debütieren. Wenn er die Form des heutigen Abends beibehält, dann ist er bei der WM 2010 in Südafrika als Ersatz für Klose dabei.
- Bezeichnend für alle deutschen Spieler war die Lauffreude und die überlegene Physis. Während Italien bei deutschen Angriffen nur zögerlich aufrückte, waren die DFB-Junioren am eigenen Strafraum immer Herr der Lage, da sie Mittelfeldspieler nach hinten zogen und auch die Stürmer sich zurückfallen ließen. Selbst in der letzten Spielminute sprintete ein Deutscher vom eigenen in den gegnerischen Strafraum, flankte – und Gebhardt schoss den Torwart mit sehr viel Pech an. Bei einem klaren 3:1 noch eine solche Offensivaktion vorzutragen (und es war keineswegs die einzige, nach dem 3:1 attackierte fast ausschließlich Deutschland) zeugt von der so oft geforderten «Siegermentalität».
[Nachtrag: Für Interessierte gibt es hier noch meine Notizen im Vorfeld der Junioren-EM.]
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29. Juni 2008
Die bessere Mannschaft hat heute abend gewonnen. Deutschland baute zwei Mal Druck auf, direkt nach dem Anpfiff und direkt nach der Einwechselung von Kevin Kuranyi – insgesamt hatten Jogis Jungs etwa 15 Minuten lang Feldvorteile. Die restlichen 75 Minuten drückte Spanien, und das ordentlich. Das deutsche Offensivspiel stockte im Mittelfeld, verlor die Zweikämpfe, die Stürmer hingen in der Regel in der Luft.
Glückwunsch an Luis Aragonés und seine Jungs!
Und ein Dank an die deutsche Nationalmannschaft, ihr habt insgesamt ein großes Turnier gespielt! Kopf Hoch, Jens! Du hast heute abend die wenigsten Fehler gemacht und den Pokal am meisten gewollt.
2006 Dritter, 2008 Zweiter, 2010 Erster?
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Tags: Deutschland, EM 2008, Euro 2008, Europameisterschaft, Finale, Jens Lehmann, Joachim Löw, Kevin Kuranyi, Länderspiel, Luis Aragonés, Nationalmannschaft, Spanien