Posts Tagged ‘Mario Gomez’

Jan Vennegor of Hesselink ist auf dem Markt

3. Juli 2009

30 Jahre, Champions-League-Erfahrung, mehrfacher niederländischer und schottischer Meister und Pokalsieger, für längere Zeit Teil der «Elftal» – und vereinslos. Jan Vennegor of Hesselinks Vertrag beim FC Celtic wurde (ebenso wie der von seinem Mittelfeldkollegen Paul Hartley) nach BBC-Informationen vom neuen Trainer Tony Mowbray nicht verlängert. Drei Jahre lang spielte der Niederländer für die «Bhoys» aus Glasgow, jetzt sucht er nach einem neuen Verein. Gerüchten zufolge sollen sein Ex-Verein PSV Eindhoven sowie Twente Enschede und AE Larisa aus Griechenland interessiert sein. Hesselink bekräftigte im April, dass er jederzeit gerne wieder für Eindhoven spielen würde.

Klingt nach einem klaren Wechsel zurück zum PSV – aber daran glaube ich noch nicht. Wenn man sich Hesselinks Spielweise ansieht, dann stellt man fest, dass seine enormer Kopfballstärke und sein direkter Zug zum Tor auch einigen Bundesligisten gefallen könnte. Die folgenden Aussagen sind Einschätzungen von mir, ich habe keine Ahnung, inwiefern das in den Vereinen tatsächlich diskutiert wird oder wie die Gerüchteküche brodelt.

  • Werder Bremen. Wenn Claudio Pizzaro tatsächlich gehen muss, wäre Hesselink ein Ersatz für ihn. Ein guter Schuss und vor allem sein Raumverständnis, durch das er der perfekte Abnehmer von Flanken (etwa durch Özil und Marin) ist, würden ihn ziemlich schnell in Werders erste Elf katapultieren.
  • HSV. Die Mannschaft von Bruno Labbadia hat das Problem, nur über zwei gute Stürmer, nämlich Mladen Petric und Paulo Guerrero, zu verfügen. Hier muss mit Sicherheit nachgekauft werden! Angeblich ist der HSV an Eljero Elia dran, der aber eher auf den Flügeln agiert, als weitere Kandidaten gelten Marko Pantelic und Mario Mandzukic, die beide als Stoßstürmer spielen könnten. Aber: All diese Spieler sind vertraglich gebunden, man müsste Ablöse zahlen.
  • FC Schalke 04. Den «Knappen» fehlt ein wirklich durchschlagskräftiger Angreifer; Kevin Kuranyi ist der einzige Mittelstürmer, Halil Altintop und Jefferson Farfán sind eher auf den Außenpositionen zu finden. Wie Felix Magath dieses Problem zu lösen gedenkt, ist unbekannt – aber gerade angesichts der Wechselgerüchte um Altintop halte ich es für unwahrscheinlich, dass er die Hände in den Schoß legt und sich nicht um eine Neuverpflichtung kümmert.
  • VfB Stuttgart. Es mag seltsam klingen, aber Jan Vennegor of Hesselink spielt so ähnlich wie Mario Gomez, beide haben den «Torriecher» und sind stark in der Luft. Zwar ist Hesselink mehr Ballverwerter als Ballverteiler, dies könnte aber durch ein starkes Mittelfeld oder gute Flügelspieler kompensiert werden.

Deutschland gegen Liechtenstein

28. März 2009

Liechtenstein und Wales sind die nächsten Gegner für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM 2010.

Zunächst spielt man am heutigen Samstag in Leipzig gegen Liechtenstein, am Mittwoch erwartet die walisische Auswahl den Vize-Europameister in Cardiff. Ohne Neulinge, aber dafür mit einigen angeschlagenen Spielern geht Bundestrainer Joachim Löw den beiden Partien entgegen.
Vor allem Miroslav Klose, der wegen eines Sehnenrisses verletzt ausfällt, fehlt der deutschen Elf. René Adler ist zwar zum Treffen der Nationalspieler gereist, wird aber aller Voraussicht nach nicht spielen können. Auch Arne Friedrich und Torsten Frings stehen nicht zur Verfügung.

Die Frage nach dem Sieger des Spiels stellt sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, Deutschland ist der haushohe Favorit. Zwar wird Liechtenstein mit läuferischem und kämpferischem Aufwand versuchen, möglichst lange ein Unentschieden zu halten und vielleicht den ein oder anderen Konter zu setzen, aber das qualitativ bessere Spiel werden sicherlich die Deutschen betreiben.
Spätestens ab der 70. Minute wird die DFB-Auswahl die Liechtensteiner nach Belieben dominieren, denn maximal bis dahin reicht die Kondition beim Gegner.

Ich gehe von folgender Aufstellung aus:

  • Tor: Robert Enke. Adler fällt aus und Tim Wiese ist ohnehin nur Ersatz.
  • Abwehr: Philipp Lahm, Per Mertesacker, Serdar Tasci, Andreas Hinkel. Heiko Westermann ist ein weiterer Kandidat für die erste Elf. Andreas Beck und Marcel Schäfer werden eventuell eingewechselt, wenn ein ungefährdeter Sieg bevorsteht.
  • Mittelfeld: Marcell Jansen, Michael Ballack, Simon Rolfes, Bastian Schweinsteiger. Ich vermute, der in Hamburg langsam aufblühende Jansen wird seine Chance erhalten (Randbemerkung: erst beim HSV wurde bei ihm eine Laktose- und Getreideallergie festgestellt, die ihn während seiner Zeit beim FC Bayern natürlich extrem schwächte – Klinsmanns Trainerstab war also entweder ungenau oder verließ sich auf alte Hitzfeld-Daten). Thomas Hitzlsperger wird eingewechselt werden, um Ballack oder Rolfes zu schonen. Piotr Trochowski und Marko Marin bekommen vielleicht eine Chance als Einwechselspieler.
  • Sturm: Mario Gomez, Lukas Podolski. Die Entscheidung für Gomez sehe ich als relativ eindeutig, er ist der beste Stürmer des Kaders, er agiert sowohl als Strafraumspieler als auch aus dem Mittelfeld kommend ausgezeichnet. In der Nationalmannschaft konnte er seine Qualität noch nicht wirklich beweisen, aber Löw wird an ihm festhalten und ihm hier und heute eine weitere Möglichkeit geben. Warum Podolski und nicht Helmes oder Kießling? Podolski kommt aus dem Spiel und geht mit Zug in den Strafraum. Einen solchen Spieler braucht es gegen eine liechtensteinische Abwehr, die versuchen wird, alle Deutschen möglichst konsequent in die Manndeckung zu nehmen. Podolskis Antritte werden Räume und damit Chancen schaffen. Möglicherweise wird Patrick Helmes eingewechselt, Stefan Kießling wird wahrscheinlich pausieren – er musste unter der Woche eine Trainingseinheit abbrechen, ich rechne bei ihm mit einem Einsatz gegen Wales.
  • Zusammengefasst: Enke – Lahm, Mertesacker, Tasci, Hinkel – Jansen, Ballack, Rolfes, Schweinsteiger – Gomez, Podolski

Deutschland gegen Norwegen

11. Februar 2009

Ein kurzes Pausenfazit

Deutschland spielt relativ gut, die Pfiffe zur Halbzeit sind unberechtigt. Aber: Noch hat die DFB-Auswahl kein Mittel gefunden, um die norwegische Defensive effektiv zu knacken.
Das Mittelfeld spielt sehr strukturiert nach vorne, öffnende Pässe und das so viel zitierte vertikale Spiel sind gut zu sehen. Aber gegen zwei norwegische Fünferketten kommt man naturgemäß kaum zu Chancen. Es gibt zwei Problemfelder im Offensivspiel:

  1. Bei vielen Pässen fehlt die Präzision, viele gute deutsche Angriffe werden abgefangen. Allerdings ist hier auch positiv das Tempo des deutschen Mittelfeldes anzumerken, das in einer ziemlich guten Geschwindigkeit Bälle weiterverarbeitet.
  2. Es kommen zu wenig Flanken auf Gomez und Klose. Beide spielen angesichts dieser Verhältnisse gut, haben keine Großchancen ausgelassen. Gomez hat nach einer harmlos scheinenden Situation zu Beginn der Partie auch einen sehr gefährlichen Schuss abgefeuert.

Das deutsche Defensivspiel fällt dagegen zurück. Ich sehe den Fehler vor allem im defensiven Mittelfeld, Torsten Frings antizipiert nur wenige Bälle, geht außerdem zu oft in den Angriff und weiß sich meistens nur durch ein Foul zu helfen. Thomas Hitzlsperger oder Simon Rolfes sollten in meinen Augen zur Halbzeit eingewechselt werden.
Mit den schnellen norwegischen Kontern tut sich die deutsche Deckung schwer, die Angriffe werden wie gesagt nicht früh genug unterbunden.

Andreas Hinkel, der zur Halbzeit das Feld für Andreas Beck räumen wird, hat gut gespielt, er war nach hinten souverän und war auch ins Offensivspiel eingebunden. Auch Michael Ballack präsentierte sich gut, auch wenn er in seinen Pässen öfters die Präzision vermissen ließ.
Wie bereits angesprochen war Torsten Frings eine der Schwächen des deutschen Spiels, auch Bastian Schweinsteiger hätte zielstrebiger in seinen Aktionen sein können.

Die Pfiffe des Publikums zur Halbzeit halte ich aber für übertrieben, vor allem das gut strukturierte deutsche Angriffsspiel wusste zu gefallen. Die DFB-Elf zeigte Übersicht, die Norweger verteidigten jedoch mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und verlegten sich aufs Kontern.

Nach dem Spiel

In der zweiten Halbzeit sah man die Fehler der ersten 45 Minuten in ausgeprägterer Form: Schlechtes Defensivverhalten, gute Angriffe, die aber zu selten abgeschlossen werden.

Insofern ist auch das Ergebnis, ein 0:1 für Norwegen, vollkommen in Ordnung. Die Skandinavier verfolgten ein klares Konzept und setzten dies auch um: Hinten solide stehen, vorne schnell kontern.
Bei Deutschland hatte man auch ein Konzept zu bieten – Stichwort vertikales Spiel -, setzte dies aber nicht konsequent um. Es mangelte an Zielstrebigkeit und Präzision, nach dem Rückstand gab man sich selbst auf.

Der Einschätzung, dass das deutsche Spiel schlecht war, folge ich nicht. Es mangelte an einigen entscheidenden Punkten, aber die wichtigen Ansätze waren relativ lange klar erkennbar.

Deutschland gegen Russland

11. Oktober 2008

Eine exzellente erste Halbzeit reicht der deutschen Nationalmannschaft zum wichtigen Sieg in der Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika. Gegen Ende verhinderten eine Abwehrschlacht und Glück bei einem Pfostenschuss der Russen die Punkteteilung.

Die größte Überraschung im Vorfeld der Partie war sicherlich, dass Torsten Frings nicht in der deutschen Startelf zu finden war. Thomas Hitzlsperger erhielt das Vertrauen von Bundestrainer Joachim Löw und lief mit dem von einer Verletzung genesenen Michael Ballack und Torwart-Debütant René Adler auf.
Von Anfang an spielte Deutschland guten Fußball. Zielgerichtetes Angriffsspiel, offensiv ausgerichtete Flügelspieler und konzentrierte Attacken brachten Guus Hiddinks Russen schon früh in Bedrängnis. Nach fünf Spielminuten hatte Deutschland die Lauf- und Passwege abgestimmt (in diesen ersten Minuten hatte die «Sbornaja» in Person von Pavel Pogrebnyak auch eine erste gute Möglichkeit), von da an rollte Angriff auf Angriff auf das russische Tor.

Nach neun Minuten ging Deutschland in Führung. Ein Linksschuss von Podolski landete im Tor von Igor Akinfeev. Das von Löw so geliebte und geforderte «vertikale Spiel» praktizierten die Deutschen perfekt, immer wieder gab es Steilpässe aus dem Mittelfeld in die Angriffsspitze – auch Innenverteidiger Heiko Westermann tat sich hier hervor. Bemerkenswert auch Arne Friedrich, der sonst seine Position auf der rechten Abwehrsseite verhältnismäßig defensiv interpretiert. In seinem Offensivdrang stand er Philipp Lahm heute in nichts nach, kam immer wieder bis an den gegnerischen Strafraum und sorgte für Druck auf die russische Abwehr.

Löws Elf kombinierte routiniert, hatte das Spiel im Griff und diktierte das Tempo nach Belieben. Die Spielübersicht war das Pfund, mit dem die Deutschen wucherten und letztendlich auch nach 28 Spielminuten die Führung ausbauen konnten. Schweinsteiger war in den gegnerischen Strafraum vorgedrungen und hatte das Auge für den Nebenmann – Michael Ballack verwertete aus kürzester Distanz den auf den zweiten Pfosten gespielten Ball, auch Miroslav Klose hätte zur Stelle sein können.
Klose und Podolski im deutschen Angriff harmonierten überaus gut. Während Podolski immer wieder das direkte Duell suchte und mit Tempo und Biss seinen Gegenspielern zu entwischen versuchte, arbeitete Klose mannschaftsdienlich, nahm Bälle an und verteilte diese.

Russlands Vorteil bestand einzig und allein in der Schnelligkeit. Die Defensive hatte eine bestenfalls mittelmäßige Raumaufteilung, die nur durch enormen läuferischen Einsatz zu kompensieren war. Strukturierte Spielzüge hatten Seltenheitswert. Das nominelle 4-3-3 wurde immer wieder zu einem 4-3-1-2 umgebaut, das auch bei eigenem Ballbesitz bestehen blieb.

Bis zur Pause gehörte die Partie klar der deutschen Mannschaft. Mit einer gelungenen Mischung aus Dynamik, Übersicht und Zweikampfstärke hatte sie dem Gegner ihr Spiel aufgezwungen und dieses mit zwei Toren auch erfolgreich gestaltet.
Nach dem Wiederanpfiff konnten die Deutschen den zuvor hinterlassenen guten Eindruck jedoch nicht bestätigen. Verlorene Zweikämpfe brachten die Russen ins Spiel, die nun erstmals Zug zum Tor entwickeln konnten. In der 51. Minute war René Adler dann geschlagen: Aleksandr Anyukov wagte eine Attacke, sein Schuß rutschte dem deutschen Torhüter durch die Beine, Andrey Arshavin stocherte den Ball ins Netz. Von da an kippte das Spiel, die russischen Angriffe wurden Legion, die deutsche Defensive zeigte ihre Schwächen. Beständig erhöhte Russland das Tempo, drängte auf den Ausgleich. Die Deutschen hatten sich in den ersten 45 Minuten offensichtlich verausgabt, jetzt galt es das Ergebnis zu halten und über die Zeit zu bringen – was auch gelang, nachdem wenige Minuten vor Abpfiff der Pfosten geholfen hatte, um die deutsche Führung zu wahren.

Ein Unentschieden wäre wohl insgesamt das gerechtere Resultat gewesen, doch unter dem Strich bleibt eben auch eine exzellente erste Spielhälfte der Deutschen.

Die Deutschen in der Einzelkritik
René Adler meldete in seinem Länderspieldebüt Ansprüche auf den Stammplatz im Tor an. Das Gegentor hätte er um ein Haar verhindert, in der hitzigen Schlussphase war er ein Fels in der Brandung. Der 23-Jährige strahlte Ruhe und Sicherheit aus – und hielt fast alle Bälle fest.

Arne Friedrich spielte auf der rechten Abwehrseite offensiver als gewohnt. Eine gute Partie des Berliner Kapitäns.
Per Mertesacker war vor allem in der zweiten Halbzeit gefordert und traf im entscheidenden Moment oft die richtige Entscheidung. Ein gutes Spiel.
Heiko Westermann entwickelte in der ersten Hälfte durch zahlreiche Steilpässe viel Druck. Der Schalker spielt sehr souverän und ruhig.
Philipp Lahm suchte sehr oft den Abschluss. Seine Vorstöße rissen aber auch Löcher in der eigenen Abwehr auf, dem Gegentor ging ein Fehler von ihm voraus, über seine Flanke entwickelten die Russen die größte Gefahr. War nicht schwach, aber auch nicht besonders gut.

Bastian Schweinsteiger lieferte eine überzeugende Partie ab. Setzte nach dem Anschlusstreffer ein Zeichen, indem er in den Zweikämpfen nicht aufgab. Sorgte bis zum Ende auch immer wieder für Entlastungsangriffe. Eine sehr überzeugende Vorstellung.
Michael Ballack biss sich in die Zweikämpfe. Der Kapitän brachte Leistung – und genau darum geht es.
Thomas Hitzlsperger spielte eine unauffällige Absicherung für Ballack. Kaum zu sehen, aber immer auf der Höhe, wenn er gefordert wurde.
Piotr Trochowski suchte wie Philipp Lahm sehr oft den Abschluss. Bei der Defensivarbeit mangelte es an der Abstimmung mit seinem Hintermann Lahm.

Miroslav Klose spielte mannschaftsdienlich. Große Torgefahr versprühte er nicht, er verteilte die Bälle lieber auf seine Nebenmänner. Aber keine schlechte Partie.
Lukas Podolski erzielte mit Biss die Führung. Die Lust am Spiel war dem Bayern-Edel-Reservisten deutlich anzumerken. Gut!

Mario Gomez wurde nach 71 Minuten für Miroslav Klose eingewechselt. Bei Kontern zur Stelle, aber bei seinen Versuchen schmissen sich die russischen Verteidiger oft in die Flugbahn des Balles.
Torsten Frings kam nach 83 Minuten für Trochowski und sollte die Defensive stabilisieren. Klappte auch
Simon Rolfes wurde wenige Sekunden vor Abpfiff eingewechselt, um Zeit zu schinden.

Ein Überblick über die russischen Spieler vom kicker.