Posts Tagged ‘Michael Ballack’

3x England, 1x Spanien – Die Champions League

16. April 2009

Die Partien des Halbfinales der Champions League stehen fest. In der Runde der letzten vier stehen drei englische und ein spanisches Team: Der FC Arsenal, der FC Chelsea, Manchester United und der FC Barcelona.

FC Arsenal – Manchester United
Cleverness oder Müdigkeit? ManUtd tat im Viertelfinalrückspiel gegen den FC Porto nicht mehr als nötig. Eine kurze Druckphase zu Beginn und eine herausragende Aktion von Cristiano Ronaldo genügte den «Red Devils», um ins Halbfinale einzuziehen.

Der FC Arsenal lieferte gegen den FC Villarreal eine zügige Partie, die chronisch junge Truppe von Arsène Wenger spielte den spanischen Gegner über weite Strecken an die Wand.

Wie endet das Halbfinale der beiden englischen Vertreter? Die größere Routine hat sicherlich Manchester, das jedoch gegen den FC Porto sehr verschlafen über den Platz trabte. Wayne Rooney als omnipräsenter Dauerläufer war einer der wenigen Aktivposten, ansonsten lief das Spiel im Schongang und mangelte an Kreativität und Spielfreude.
Bei den «Gunners» spielte vor allem Cesc Fabregas, der durch kluge Pässe in die tiefe Angriffe einleitete, herausragend.

Viel wird darauf ankommen, wie konsequent die Abwehrreihen agieren. Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney und Dimitar Berbatov bilden ein äußerst schlagkräftiges und vor allem flexibles Angriffstrio, das gegebenenfalls auch auf engstem Raum herausragend agiert. Es wird Arsenal einige Anstrengung abverlangen, wenn man diese Offensive aus dem Spiel nehmen will – alle Anspielstationen und potenziellen Laufwege müssen berücksichtigt werden!
Umgekehrtes gilt auch für Arsenal: Der Angriff ist agil, die schnellen Anrgiffe über die Außenbahn durch Robin van Persie oder Samir Nasri werden mit Sicherheit ein Problem für ManUtd werden. Da Manchester mit den zwei hünenhaften Innenverteidigern Rio Ferdinand und Nemanja Vidic Vorteile in den Luftduellen haben wird, muss Arsenal zwingend durch kluge Pässe zum Erfolg kommen. Möglicherweise setzt Wenger auch den «Brecher» Emmanuel Adebayor auf die Bank und hofft auf kleinere und agilere Spieler.

Es wird viel von der Tagesform abhängen. Agiert Manchester erneut so lethargisch wie gegen den FC Porto, dürfte der FC Arsenal die Nase vorn haben. Kontrolliert die Londoner Defensive Manchesters Angriffs-Trio nicht, ist die Elf von Sir Alex Ferguson im Vorteil.

FC Chelsea – FC Barcelona
Das Viertelfinal-Hinspiel zwischen dem FC Bayern München und dem FC Barcelona zeigte die besondere Klasse der Katalanen. Schnelles, direktes Spiel und eine erfrischende Offensive um Lionel Messi, Samuel Eto’o und Thierry Henry.

Der FC Chelsea erlebt unter Guus Hiddink eine Wiederauferstehung; der russische Nationaltrainer ist sich auch nicht zu schade, frühzeitig zu wechseln und eine neue taktische Marschroute zu wählen. In dem Kader der Superstars genießt er anscheinend absolute Autorität.

Nicolas Anelka und Didier Drogba pflegen ein ähnliches Spiel, beide sind groß und arbeiten kaum defensiv. Dies ist vielleicht der entscheidende Nachteil gegen den FC Barcelona, der ein sehr laufintensives Angriffsspiel betreibt. Vor allem im Hinspiel wird es schwer für die Londoner werden, ohne den gesperrten Ashley Cole die eigene Defensive zu koordinieren.
Hat Chelsea eine Chance? Vielleicht aus dem Mittelfeld heraus. Frank Lampard und Michael Ballack können das Tempo eines Spiels variieren (ebenso wie Messi und Xavi Alonso bei Barcelona), außerdem wird ihre Robustheit in Zweikämpfen dafür sorgen, dass die «Blues» einige Bälle im Mittelfeld erobern. Ein schneller und gut vorgetragener Angriff – und schon könnte die englische Elf führen.

Insgesamt sehe ich die Vorteile aber eher beim FC Barcelona. Messi, Henry und Eto’o sind kaum kontrollierbar und werden immer wieder im Strafraum zu Chancen kommen. Zwar steht mit Petr Cech bei Chelsea ein herausragender Torhüter zwischen den Pfosten, der viele Bälle abfangen wird – aber über zwei Spiele hinweg werden sich Großchancen für Barcelona nicht verhindern lassen.

Deutschland gegen Liechtenstein

28. März 2009

Liechtenstein und Wales sind die nächsten Gegner für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM 2010.

Zunächst spielt man am heutigen Samstag in Leipzig gegen Liechtenstein, am Mittwoch erwartet die walisische Auswahl den Vize-Europameister in Cardiff. Ohne Neulinge, aber dafür mit einigen angeschlagenen Spielern geht Bundestrainer Joachim Löw den beiden Partien entgegen.
Vor allem Miroslav Klose, der wegen eines Sehnenrisses verletzt ausfällt, fehlt der deutschen Elf. René Adler ist zwar zum Treffen der Nationalspieler gereist, wird aber aller Voraussicht nach nicht spielen können. Auch Arne Friedrich und Torsten Frings stehen nicht zur Verfügung.

Die Frage nach dem Sieger des Spiels stellt sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, Deutschland ist der haushohe Favorit. Zwar wird Liechtenstein mit läuferischem und kämpferischem Aufwand versuchen, möglichst lange ein Unentschieden zu halten und vielleicht den ein oder anderen Konter zu setzen, aber das qualitativ bessere Spiel werden sicherlich die Deutschen betreiben.
Spätestens ab der 70. Minute wird die DFB-Auswahl die Liechtensteiner nach Belieben dominieren, denn maximal bis dahin reicht die Kondition beim Gegner.

Ich gehe von folgender Aufstellung aus:

  • Tor: Robert Enke. Adler fällt aus und Tim Wiese ist ohnehin nur Ersatz.
  • Abwehr: Philipp Lahm, Per Mertesacker, Serdar Tasci, Andreas Hinkel. Heiko Westermann ist ein weiterer Kandidat für die erste Elf. Andreas Beck und Marcel Schäfer werden eventuell eingewechselt, wenn ein ungefährdeter Sieg bevorsteht.
  • Mittelfeld: Marcell Jansen, Michael Ballack, Simon Rolfes, Bastian Schweinsteiger. Ich vermute, der in Hamburg langsam aufblühende Jansen wird seine Chance erhalten (Randbemerkung: erst beim HSV wurde bei ihm eine Laktose- und Getreideallergie festgestellt, die ihn während seiner Zeit beim FC Bayern natürlich extrem schwächte – Klinsmanns Trainerstab war also entweder ungenau oder verließ sich auf alte Hitzfeld-Daten). Thomas Hitzlsperger wird eingewechselt werden, um Ballack oder Rolfes zu schonen. Piotr Trochowski und Marko Marin bekommen vielleicht eine Chance als Einwechselspieler.
  • Sturm: Mario Gomez, Lukas Podolski. Die Entscheidung für Gomez sehe ich als relativ eindeutig, er ist der beste Stürmer des Kaders, er agiert sowohl als Strafraumspieler als auch aus dem Mittelfeld kommend ausgezeichnet. In der Nationalmannschaft konnte er seine Qualität noch nicht wirklich beweisen, aber Löw wird an ihm festhalten und ihm hier und heute eine weitere Möglichkeit geben. Warum Podolski und nicht Helmes oder Kießling? Podolski kommt aus dem Spiel und geht mit Zug in den Strafraum. Einen solchen Spieler braucht es gegen eine liechtensteinische Abwehr, die versuchen wird, alle Deutschen möglichst konsequent in die Manndeckung zu nehmen. Podolskis Antritte werden Räume und damit Chancen schaffen. Möglicherweise wird Patrick Helmes eingewechselt, Stefan Kießling wird wahrscheinlich pausieren – er musste unter der Woche eine Trainingseinheit abbrechen, ich rechne bei ihm mit einem Einsatz gegen Wales.
  • Zusammengefasst: Enke – Lahm, Mertesacker, Tasci, Hinkel – Jansen, Ballack, Rolfes, Schweinsteiger – Gomez, Podolski

Deutschland gegen Norwegen

11. Februar 2009

Ein kurzes Pausenfazit

Deutschland spielt relativ gut, die Pfiffe zur Halbzeit sind unberechtigt. Aber: Noch hat die DFB-Auswahl kein Mittel gefunden, um die norwegische Defensive effektiv zu knacken.
Das Mittelfeld spielt sehr strukturiert nach vorne, öffnende Pässe und das so viel zitierte vertikale Spiel sind gut zu sehen. Aber gegen zwei norwegische Fünferketten kommt man naturgemäß kaum zu Chancen. Es gibt zwei Problemfelder im Offensivspiel:

  1. Bei vielen Pässen fehlt die Präzision, viele gute deutsche Angriffe werden abgefangen. Allerdings ist hier auch positiv das Tempo des deutschen Mittelfeldes anzumerken, das in einer ziemlich guten Geschwindigkeit Bälle weiterverarbeitet.
  2. Es kommen zu wenig Flanken auf Gomez und Klose. Beide spielen angesichts dieser Verhältnisse gut, haben keine Großchancen ausgelassen. Gomez hat nach einer harmlos scheinenden Situation zu Beginn der Partie auch einen sehr gefährlichen Schuss abgefeuert.

Das deutsche Defensivspiel fällt dagegen zurück. Ich sehe den Fehler vor allem im defensiven Mittelfeld, Torsten Frings antizipiert nur wenige Bälle, geht außerdem zu oft in den Angriff und weiß sich meistens nur durch ein Foul zu helfen. Thomas Hitzlsperger oder Simon Rolfes sollten in meinen Augen zur Halbzeit eingewechselt werden.
Mit den schnellen norwegischen Kontern tut sich die deutsche Deckung schwer, die Angriffe werden wie gesagt nicht früh genug unterbunden.

Andreas Hinkel, der zur Halbzeit das Feld für Andreas Beck räumen wird, hat gut gespielt, er war nach hinten souverän und war auch ins Offensivspiel eingebunden. Auch Michael Ballack präsentierte sich gut, auch wenn er in seinen Pässen öfters die Präzision vermissen ließ.
Wie bereits angesprochen war Torsten Frings eine der Schwächen des deutschen Spiels, auch Bastian Schweinsteiger hätte zielstrebiger in seinen Aktionen sein können.

Die Pfiffe des Publikums zur Halbzeit halte ich aber für übertrieben, vor allem das gut strukturierte deutsche Angriffsspiel wusste zu gefallen. Die DFB-Elf zeigte Übersicht, die Norweger verteidigten jedoch mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und verlegten sich aufs Kontern.

Nach dem Spiel

In der zweiten Halbzeit sah man die Fehler der ersten 45 Minuten in ausgeprägterer Form: Schlechtes Defensivverhalten, gute Angriffe, die aber zu selten abgeschlossen werden.

Insofern ist auch das Ergebnis, ein 0:1 für Norwegen, vollkommen in Ordnung. Die Skandinavier verfolgten ein klares Konzept und setzten dies auch um: Hinten solide stehen, vorne schnell kontern.
Bei Deutschland hatte man auch ein Konzept zu bieten – Stichwort vertikales Spiel -, setzte dies aber nicht konsequent um. Es mangelte an Zielstrebigkeit und Präzision, nach dem Rückstand gab man sich selbst auf.

Der Einschätzung, dass das deutsche Spiel schlecht war, folge ich nicht. Es mangelte an einigen entscheidenden Punkten, aber die wichtigen Ansätze waren relativ lange klar erkennbar.

Vom Wühlen in den Archiven

3. Februar 2009

Anfang August 2007 stand die TSG Hoffenheim vor ihrer ersten Saison in der Zweiten Bundesliga. Unter dem Titel «Im Klub des Milliardärs» hat Moritz Müller-Wirth damals für das «ZEITmagazin Leben» den Verein beleuchtet. Im Nachhinein liest es sich ungemein interessant, wie Hoffenheim damals gesehen wird – und dass die Qualitäten von heutigen Leistungsträgern wie Tobias Weis (der als «Tobias Wels» ebenso unter falschem Namen auftritt wie Sehad Salihovic, der bei Müller-Wirth «Sahilovic» heißt) oder Vedad Ibisevic nicht erkannt werden. Am Ende prophezeit Müller-Wirth, dass die TSG Hoffenheim wie die in Sinsheim ausgestellte Concorde sei: Sieht gut aus, ist aber letztendlich nicht viel mehr als Hybris.
Eine Fehleinschätzung, wie sich zeigen sollte…

Und da [in der Gegenwart] sieht es mit den Superlativen [bei der TSG Hoffenheim] nicht so eindrücklich aus. Die Spieler des Klubs, erzählen Beobachter der vergangenen Saison, seien für die Regionalliga ausreichend, aber richtige Stars seien nicht auszumachen. Die beiden besten Torschützen waren der Bundesliga-Oldtimer Francisco Copado und der bei Hertha BSC ausgemusterte Sehad Sahilovic. Neuzugänge sind die bislang völlig unbekannten Isaac Vorsah, 19 Jahre alt, aus Ghana und Tobias Wels, 22 Jahre, vom VFB Stuttgart – und immer zwei Jungnationalspieler: Per Nilsson, der fünfmal für Schweden auflief, und Vedad Ibisevic, der einmal das Nationaltrikot Bosniens trug.
Gelten sicher als große Talente, aber es war schon eine gewisse Enttäuschung, dass sich umworbene Spieler wie der Freiburger Alexander Iashvili lieber für den Bundesliga-Aufsteiger Karlsruher SC entschieden haben als für das lukrative und perspektivische Hoffenheimer Abenteuer. Es heißt, man sei weiter auf der Suche. Trainer Rangnick sagt, man werde in aller Ruhe die richtigen Leute finden, die zu ihrem Konzept passten.
[...]
Ralf Rangnick hat schon eine Menge erlebt in diesem Geschäft. Er weiß, im Fußball kann es immer auch schiefgehen. Und: Aus dem Projekt Hoffenheim kann schnell auch eine Lachnummer werden, nur mal angenommen, die Medien würden den millionenschweren Zukunftsverein mit Häme überschütten, wenn er sich wochenlang in der Abstiegsregion wiederfände. Ist es dieses Wissen, dass Rangnick bei unserer Begegnung so unruhig wirken lässt? Er läuft durch die Räume der Geschäftsstelle in einer Gangart, die man beim Dressurreiten als Übergang zwischen Schritt und Trab bezeichnen würde, dabei leicht nach vorn gebeugt. Es ist diese Art von Unruhe, die im guten Fall Kreativität fördert, die aber schon bei leichter Überdosis ziemlich nerven kann.
[...]
Wir reden noch mal [mit Dietmar Hopp] über Hoffenheim. Über den ganz großen Traum. Könnte er sich vorstellen, zum Beispiel Leute wie Ballack oder Drogba eines Tages nach Hoffenheim zu holen, also so viel zu investieren, wie es zum Beispiel der FC Bayern für diese Saison getan hat? „Ja“, sagt Dietmar Hopp in seinem Golfklub-Büro, „das könnte ich mir vorstellen.“ Und es würde ja auch irgendwie passen, als SAP-Chef hat er mit seinen Betriebssystemen die Computerwelt umgekrempelt, jetzt wäre die Fußballbranche dran.
Erfolg und Misserfolg: Von der Baustelle des neuen Hoffenheimer Stadions aus ist zu sehen, wie aus der beschaulichen badischen Landschaft auf Höhe der Großen Kreisstadt Sinsheim ein riesiges Modell des Flugzeugs Concorde in den Himmel ragt, auch so ein Fremdkörper. Heute ist das museumsreife Überschallflugzeug eher ein Symbol für Größenwahn als für grandiose Technik. Aber toll sieht es aus.