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Das Scouting der TSG Hoffenheim

2. November 2008

25 Punkte aus elf Spielen bedeuten die derzeitige Tabellenführung für die TSG Hoffenheim. Der als «FC SAP» geschmähte Verein scheint in der Bundesliga angekommen zu sein – und teilweise mehr als das.

Tempofußball, eine durchschlagskräftige Offensive, gewaltiger Zug zum gegnerischen Tor bei gleichzeitiger Spielintelligenz zeichnen das Spiel der Badener aus.

Allerdings hat Hoffenheim auch eine andere Seite: Wenn es Niederlagen gibt, dann hagelt es Gegentore. Zwei Spiele gingen verloren, gegen Werder Bremen und gegen Bayer Leverkusen, jedes Mal gab es fünf Gegentreffer.

Ralf Rangnick bekam in dem Vorort von Sinsheim Zeit und Geld, um seine fußballerischen Ideen zu verwirklichen. Dietmar Hopp, der zentrale Geldgeber des Vereins, ließ ihm freie Hand und finanzierte alles, was Rangnick wünschte. Bei einem solchen Umfeld ohne großen Druck scheint es leicht, erfolgreichen Fußball zu spielen.
Aber Hoffenheim ist keine zusammengekaufte Söldnertruppe, ist keine Auswahl der besten Spieler Europas. Wirklich große Namen findet man bei Hoffenheim nicht. Carlos Eduardo vielleicht, er spielte drei Mal für die brasilianische U20 und ist der teuerste Transfer der Zweitligageschichte. Francisco Copado spielte einst für den HSV, die SpVgg Unterhaching und Eintracht Frankfurt, in dieser Bundesligasaison stand er insgesamt 49 Minuten auf dem Rasen. Jochen Seitz war für den VfB Stuttgart aktiv, bei Hoffenheim hat er in dieser Saison keine einzige Minute gespielt. Andreas Ibertsberger stand im vorläufigen EM-Kader Österreichs – und wurde nicht für das Turnier nominiert. Andreas Beck machte beim VfB Stuttgart auf sich aufmerksam und tat sich auch in verschiedenen deutschen Juniorenauswahlen hervor.

Der wirklich große Name aber fehlt. Hoffenheim hat in der Sommerpause zehn Millionen Euro auf dem Transfermarkt ausgegeben, im Jahr zuvor waren es sogar 18 Millionen. Aber: Für die Rangnick-Truppe tritt im Mittelfeld kein ausgemusterter Alt-Star wie David Beckham gegen den Ball, sondern der 23-jährige Tobias Weis, der vor einem Jahr 150.000€ Ablöse kostete.
Es ist deutlich zu sehen, dass Rangnick eine Mannschaft formen will. Auf Geld muss er keine Rücksicht nehmen, er hat Hopp als Trumpf in der Hinterhand. Und Rangnick nimmt auf Geld keine Rücksicht – in doppelter Hinsicht: Seine Mannschaft besteht aus Spielern wie Weis, der 150.000€ kostet, und aus Spielern wie Carlos Eduardo, für den man die 46-fache Summe auf den Tisch legen musste.

Rangnick und seine Spielerbeobachter haben ein Anforderungsprofil im Kopf, an dem sie Spieler messen. Ob dieser Spieler vorher in der Bundesliga aktiv war oder wie Isaac Vorsah in der ghanaischen Liga ist zweitrangig. Priorität hat die individuelle Klasse.

Die TSG Hoffenheim leistet sich einen Luxus im modernen Fußball, der sich auszahlt: Konsequentes Scouting. Die Neuzugänge dieser Saison spielten vorher in Brasilien, Deutschland, Österreich, Ghana und der A-Jugend-Bundesliga. Das viel gerühmte Sturmtrio war noch vor einem Jahr quer durch Europa verstreut: Vedad Ibisevic spielte für Alemannia Aachen, Chinedu Obasi für Lyn Oslo und Demba Ba für Excelsior Mouscron.
In Hoffenheim erkannte man die Qualität – und man erkannte, dass die drei Spieler sich gegenseitig ergänzen würden.

Nach einer Eingewöhnungsphase haben die meisten Fußballfans erkannt, dass Hoffenheim den Fußball nicht zerstört, sondern kultiviert. Die TSG ist kein Spekulationsobjekt, Hopp ist persönlich mit dem Verein verbunden und möchte sehen, wie dieser schönen Fußball spielt, was wiederum eine Bereicherung für die Bundesliga ist. Inzwischen nickt man anerkennend, wenn der Name Hoffenheim fällt. Ja, die spielen schon gut. Aber wann, das wird dann immer schnell nachgeschoben, wann brechen die ein, wann hat der Lauf ein Ende?

Ich persönlich denke, dass das nicht so schnell passieren wird. Vor den letzten Bundesligaspielen wird die Luft vielleicht etwas raus sein. Aber einen UEFA-Cup-Platz halte ich bei dieser Spielweise für ein realistisches Ziel. Und es würde mich freuen, wenn die TSG nächstes Jahr nicht nur die Bundesliga, sondern auch englische, italienische und spanische Mannschaften aufmischt.

Ein Punk im österreichischen Fußball

18. Oktober 2008

Die ARD interviewt Andreas Bammer, 23-jähriger Mittelstürmer des SV Ried, der so etwas wie der neue Yves Eigenrauch werden könnte. Bammer erzählt, dass ihn Fußball eigentlich nicht so interessiert, wenn er vom Training nach Hause kommt, und von seiner Jugend als Punk.

Übrigens: Eventuell spielt Bammer schon nächste Saison für den FC St. Pauli. Schon letztes Jahr wollte Bammer zu seinem Lieblingsverein wechseln, hatte aber schon bei Ried unterschrieben, als aus Hamburg die Einladung zum Probe-Training kam.

Laptop vs. Taktikfuchs

11. Juli 2008

Die vergangene EM war bei den Trainern ein Clash of Cultures, ein Konkurrenzkampf der Ideologien. Eine Generation junger Trainer, sportwissenschaftlich ausgebildet und Experten in Sachen Trainingslehre und -auswertung, probte den Aufstand und trat an gegen die Nationaltrainer alter Prägung: Alles irgendwie aus dem Bauch oder der Erfahrung heraus, dafür aber mit einem unglaublichen Gespür.
Es stellt sich die Frage: Wer ist als Sieger hervorgegangen? Ich habe alle Nationaltrainer der EM in Gruppen eingeteilt und mir vorgenommen, einen näheren Blick auf beide Seiten zu werfen.

Vorneweg: Drei Trainer habe ich ausgespart. Roberto Donadoni (Italien), Jakob Kuhn (Schweiz) und Victor Piţurcă (Rumänien) konnte ich nicht eindeutig zuordnen. Bei Donadoni und Kuhn konnte ich mich nicht entscheiden, in welche Gruppe ich sie stecken sollte, bei Piţurcă wusste ich schlicht zu wenig.

Ansonsten stehen sich gegenüber:
Die Generation Laptop

  • Joachim Löw (Deutschland). Der Inbegriff eines modernen Trainers. Als Spieler eher unbekannt, entwickelte er im Rahmen seiner Trainerausbildung Modelle zur idealen Anordnung einer Viererabwehrkette. Fitness und taktisches Zweikampfverhalten sind seine zentralen Forderungen, taktisches Verständnis für ihn absolute Pflicht.
  • Marco van Basten (Niederlande). Der Reformator des niederländischen Fußballs. Wandte sich gegen die alten Lehrmeister, die Fußball als Offensivsport begriffen, und brachte der «Elftal» ein gesundes Defensivverhalten bei. Die Verbindung dieser beiden Welten, Offensive und Defensive, war für ihn das Ziel.
  • Slaven Bilic (Kroatien). Bemühte sich um eine konsequente Verjüngung der kroatischen Nationalmannschaft. Das auf Luka Modric zugeschnittene System und seine Überlegungen zu Zweikampfüberlegenheit und deren Umsetzung befördern ihn eindeutig in diesen Kreis.
  • Lars Lagerbäck (Schweden). Einer der ersten Vertreter der Videoanalyse. Der studierte Sportwissenschaftler ist ein Vertreter modernster Trainingslehre.
  • Josef Hickersberger (Österreich). Wollte ein junges Team und orientierte sich an Deutschland bei der WM 2006. Scheinbar der neueste Schrei in der Gruppe der Laptop-Trainer: Fitness-Experten aus dem Team von Mark Verstegen. Auch Österreich hatte in diesem Bereich aufgerüstet

Die Generation Taktikfuchs

  • Luis Aragonés (Spanien). Der älteste Trainer des Turniers stellte nach Symphathie auf, nominierte politisch missliebige Fußballer erst gar nicht für die EM und schien auch bei der jeweiligen Aufstellung nicht immer das Leistungsprinzip zu berücksichtigen (zum Beispiel bei Cesc Fabregas, der trotz guter Spiele kaum Einsatzminuten bekam).
  • Otto Rehhagel (Griechenland). Sein Credo von einer sicheren Abwehr war sprichwörtlich. Griechenland igelte sich ein und spielte mit «König Ottos» altmodischer Defensiv-Taktik.
  • Raymond Domenech (Frankreich). Bekannt dafür, bei der Aufstellung unter anderem auch die Sternzeichen der Spieler zu berücksichtigen.
  • Karel Brückner (Tschechien). Die Standard-Taktik: Hohe Bälle auf Koller. Brückner ist nicht gerade für Revolutionen auf oder neben dem Platz bekannt.
  • Luiz Felipe Scolari (Portugal). Der 59-jährige Brasilianer ist bemüht, effektive Spielsysteme zu finden und zu verfeinern. Portugals feiner Angriffsfußball in der Vorrunde ist ein Produkt dieser Anstrengungen.
  • Fatih Terim (Türkei). Schwitzte an der Seitenlinie stapelweise Hemden durch. Die türkischen Siege in letzter Minute zeugen weniger von einer großen taktischen Leistung während des Spiels, sondern vom entscheidenden Glück auf den letzten Metern.
  • Leo Beenhakker (Polen). Das Kollektiv steht bei dem niederländischen Trainer im Vordergrund und dementsprechend trat seine polnische Elf auf.
  • Guus Hiddink (Russland). Die Stationen in seiner Trainerkarriere unterschieden sich stark, eine Grundkonstante blieb aber. Hiddink legt Wert darauf, den Gegner in Grund und Boden zu rennen und ihn durch Laufarbeit und Tempo aus dem Spiel zu nehmen.

Das Verfahren
Die in meinen Augen objektivste Möglichkeit des Vergleichs ist die Vergabe von Punkten für jedes Spiel. Die Spiele der KO-Runde habe ich auf das 3-Punkte-System umgerechnet, eine Entscheidung durch Elfmeterschießen (egal ob gewonnen oder verloren) zählt als Unentschieden.
Die Generation Laptop

  • Deutschland: 12 Punkte (4 Siege, 2 Niederlagen)
  • Niederlande: 9 Punkte (3 Siege, 1 Niederlage)
  • Kroatien: 9 Punkte (3 Siege, 1 Niederlage)
  • Schweden: 3 Punkte (1 Sieg, 2 Niederlagen)
  • Österreich 1 Punkt (1 Unentschieden, 2 Niederlagen)
  • Summe: 34 Punkte
  • Durchschnitt (Punkte): 6,8
  • Durchschnitt (Punkte pro Spiel): 1,7

Die Generation Taktikfuchs

  • Spanien: 18 Punkte (6 Siege)
  • Griechenland: 0 Punkte (3 Niederlagen)
  • Frankreich: 1 Punkt (1 Unentschieden, 2 Niederlagen)
  • Tschechien: 3 Punkte (1 Sieg, 2 Niederlagen)
  • Portugal: 6 Punkte (2 Siege, 2 Niederlagen)
  • Türkei: 9 Punkte (3 Siege, 2 Niederlagen)
  • Polen: 1 Punkt (1 Unentschieden, 2 Niederlagen)
  • Russland: 9 Punkte (3 Siege, 2 Niederlagen)
  • Summe: 47 Punkte
  • Durchschnitt (Punkte): 5,875
  • Durchschnitt (Punkte pro Spiel): 1,46875

Die Auswertung
Quantitativ waren die Trainer der Generation Laptop bei dieser EM schwächer vertreten als die erfahrenen Taktikfüchse. Aber qualitativ konnte die neue Trainergeneration überzeugen. Im Schnitt haben Nationalmannschaften von Laptop-Trainern im Verlauf der EM einen Punkt mehr geholt, bei den Punkten pro absolviertem Spiel ergibt sich auch ein leichter Vorsprung von 0,25 Punkten für die Generation Laptop.
Dennoch: Wirklich stichhaltig sind diese Zahlen noch nicht, denn bei den Taktikfüchsen waren die Werte viel breiter gestreut als bei den Laptop-Anhängern. So müssen Otto Rehhagel, der sich ohne Punkt von dieser EM verabschiedete, und Luis Aragonés, der alle Spiele gewann, sich in die gleiche Kategorie einordnen lassen.
Repräsentative Ergebnisse wird es wohl erst geben, wenn sich über mehrere Europameisterschaften ein Verhältnis von 50:50 unter den Trainern eingestellt hat. Und: Vielleicht ist ja auch die mathematische Herangehensweise diskutabel; denn den schönsten Fußball der EM hat eine von einem Taktikfuchs betreute Mannschaft gespielt: Luis Aragonés’ Spanier.

Die EM aus deutscher Sicht

30. Juni 2008

Vize-Europameister, das hört sich eigentlich ganz ordentlich an. Ein Rückblick auf das Turnier. Alle Spiele, alle Spieler.

Die Spiele
Eine der besseren Einschätzungen habe ich bei 11Freunde gefunden:

Ordentlich gegen Polen, desaströs gegen Kroatien, Dienst nach Vorschrift gegen Österreich, irreal gut gegen Portugal, gespenstisch gegen die Türkei, mittellos gegen Spanien. Seien wir ehrlich: Das reicht nicht für den Titel.

Kai Pahl gelingt bei allesaussersport eine etwas tiefergehende Analyse:

Für Deutschland rundet der zweite Platz nach der EM die Stagnation der Post-Klinsmann-Ära ab. Einige Komparsen wurden durchgewechselt und die zweite Garnitur scheint besser und tiefer zu sein, als sie in der Ribbeck- oder Völler-Ära war. Das Grundgerüst ist aber grosso modo das gleiche geblieben. Dieses Grundgerüst spielte eine EM eher unter den Erwartungen und das konnten die anderen Spieler nicht rausreißen. [...] Manchmal ist da Brillianz zu sehen. Manchmal werden Spiele verschenkt, weil man nicht reinkommt. Aber immer wieder gibt es das gleiche Problem: die Mannschaft hat nicht die Werkzeuge und die Spielintelligenz die im Spiel sich stellenden Probleme zu lösen.

Gegen Polen (2:0) ging es angemessen los. Podolski zeigte sich in sehr guter Form. Allerdings war auch schon das große Problem der EM offensichtlich: Eine nicht funktionierende Innenverteidigung. Den Unterschied machte Podolski, allein Podolski. (Spielanalyse bei kicker.de)

Gegen Kroatien (1:2) war es eine Tortur. Die deutsche Mannschaft gewann die wenigsten Zweikämpfe, vor allem bei Duellen in der Luft sah es schlecht aus. Da die Kroaten das Mittelfeld eng machten, kamen die meisten deutschen Angriffsversuche nicht darüber hinaus. Den Anschlusstreffer besorgte wieder Lukas Podolski, der nach einem zu kurzen Abwehrversuch Kroatiens das Leder ins Netz hämmerte. Odonkor, von Löw eingewechselt um das rechte Mittelfeld zu beleben, war eine Katastrophe und keinesfalls mit seiner Form von 2006 zu vergleichen -  es waren auch seine einzigen Einsatzminuten bei der EM. (Spielanalyse bei kicker.de)

Gegen Österreich (1:0) untermauerte Michael Ballack, dass er diesen Titel wirklich viel. Ein wuchtiger Freistoß, schnell und präzise, kurz nach Wiederanpfiff reichte Deutschland, um die österreichischen Träume von einem «zweiten Córdoba» zu beenden. Gomez vergibt freistehend zwei Meter vor dem Tor die Chance zur frühen Führung und spielt sich damit aus dem Kader. Mit dem Sieg gelingt Deutschland der Einzug ins Viertelfinale, allerdings nur als Gruppenzweiter, wo man gegen den starken Sieger der Gruppe A, die Portugiesen, antreten muss.

Gegen Portugal (3:2) spielte die deutsche Mannschaft das beste Spiel ihrer EM. Lehmann im Tor war immer präsent und konzentriert, die Taktik-Variante mit zwei defensiven und einem offensiven Mittelfeldspieler brachte nach hinten Sicherheit und nach vorne Entlastung. Eine Klasse für sich waren Schweinsteiger und Podolski, die auf den Außenpositionen im Mittelfeld spielten und dort gehörig für Wirbel sorgten. Ballack spielte ein ausgezeichnetes Spiel, Rolfes und Hitzlsperger im defensiven Mittelfeld ließen den verletzungsbedingt fehlenden Frings vergessen.

Gegen die Türkei (3:2) siegte Deutschland durch ein spätes Tor von Lahm. Die Hoffnung, dass mit dem Viertelfinale der Knoten in spielerischer Hinsicht geplatzt sei, zerschlug sich, Deutschland schluderte hinten und verlor viele Bälle schon beim Aufbauspiel im Mittelfeld. Nach diesem knappen Sieg war klar: Ohne eine Steigerung würde man das Finale nicht gewinnen.

Gegen Spanien (0:1) schoss Deutschland innerhalb von neunzig Minuten genau vier Mal auf das spanische Tor – so wird man nicht Europameister! Es gab zwei starke Phasen der DFB-Elf: Die Anfangs-Viertelstunde und direkt nach Kevin Kuranyis Einwechselung (58. Spielminute). Die deutsche Abwehr – vor allem Mertesacker – war zu keinem Zeitpunkt sattelfest, erneut haperte es am Aufbauspiel im Mittelfeld, der Stürmer (bzw. nach Kuranyis Einwechselung die Stürmer) hing in der Luft und wartete auf Flanken, die nicht kamen. Insgesamt stellt das Ergebnis den Spielverlauf nicht dar, Spanien hätte mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnen müssen, war die lauffreudigere, kombinationssicherere und zweikampfstärkere Mannschaft, wurde verdient Europameister.

Die Spieler

Jens Lehmann: Am Anfang wackelig, später stabil. Gegen Portugal eine Glanzleistung trotz zweier Gegentore. Lehmann dirigierte und rettete, was zu retten war. Für seine schlechten Vorderleute konnte er nichts.

Robert Enke & René Adler: spielten nicht.

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Arne Friedrich: Spielte seit dem Österreich-Spiel. Schaltete gegen Portugal Cristiano Ronaldo weitestgehend aus. Konnte in Halbfinale und Finale diese Glanzleistung nicht wiederholen. Ich hatte vor der EM prognostiziert, dass Friedrich mehr Einsatzzeit erhalten würde, als viele hofften – im Nachhinein zutreffend. Gehörte zu den besseren deutschen Abwehrspielern.

Clemens Fritz: Spielte nur in der Vorrunde, wurde gegen Portugal für den ausgelaugten Schweinsteiger zehn Minuten vor Schluss zur Ergebnissicherung eingewechselt. Nicht in der Form, in der man sich ihn erwartet hatte.

Marcell Jansen: Spielte die ersten beiden Spiele, später nur Ersatz. In der Vorrunde schlecht, im Finale annehmbar (kam zur zweiten Halbzeit für den verletzten Lahm).

Philipp Lahm: Mit Licht und Schatten. Manchmal enorme Zweikampfstärke, manchmal nicht. Wurde von seinem Vordermann Podolski nur selten in der Defensivarbeit unterstützt und hatte deswegen eine der schwierigsten Aufgaben.

Per Mertesacker: Man hatte erwartet, dass er dem unsicheren Metzelder Sicherheit geben würde. Er tat es nicht. Anfangs okay, gegen Ende immer schlechter, zuletzt schlechter als Metzelder. Dem Bremer steckten 32 Bundesligaspiele in den Knochen, die Konzentration war nicht da, das Stellungsspiel oft fehlerhaft. Seine Zweikämpfe waren oft keine gezielten Aktionen, sondern Gewurschtele und Gestochere. Mertesacker ist 23, aber von ihm hat man schon wesentlich bessere Spiele gesehen als bei dieser EM.

Christoph Metzelder: Fing schwach an und steigerte sich mit jedem Spiel. Zuletzt machte er kaum noch Fehler, musste aber oft für Mertesacker die Kohlen aus dem Feuer holen. Aber auch er: Weiter unter seinen Möglichkeiten.

Heiko Westermann: Spielte nicht.

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Michael Ballack: Laut auf dem Platz, brachte aber selbst nicht immer die Leistung, die er von anderen einforderte. Exzellentes Spiel gegen Portugal, ansonsten immer eine Mischung aus Licht und Schatten. Es lag auch an ihm, dass die Deutschen zu viele Zweikämpfe im Mittelfeld verloren. Das 4-2-3-1 aus dem Portugal-Spiel ging auf seine Idee zurück, zeigte taktisches Verständnis. Vielleicht nach 2010 ein Assistent des Bundestrainers oder gar selbst Bundestrainer?

Tim Borowski: Wurde zwei Mal eingewechselt, beide Male zur Ergebnissicherung. Im Spiel gegen Portugal gut, war eine Verstärkung für das Mittelfeld. Gegen Österreich wurde er erst in der 90. Spielminute aufs Feld gebracht.

Torsten Frings: Der Beißer aus Bremen spielte nicht sein bestes Turnier. Anfangs annehmbar im Defensivverhalten, aber zu wenigen präzisen Aktionen in der Offensive. Seine Zuspiele, vor allem die höheren, litten unter einer weiten Streuung und erreichten ihr Ziel oft nicht. Mit dem Rippenbruch ging es weiter abwärts: Er wollte, aber er konnte nicht.

Thomas Hitzlsperger: Ersetzte mit Rolfes im Portugal-Spiel Frings mustergültig, glänzte vor allem mit sauberen Pässen in die Spitze. Im Halbfinale und im Finale konnte er dies nicht wiederholen. Ein zwiespältiger Eindruck, denn gegen Portugal ging ein großer Teil des besseren Verhaltens im Mittelfeld auf Hitzlsperger zurück.

David Odonkor: Kam gegen Kroatien nach der Halbzeitpause, um das rechte Mittelfeld zu beleben – und scheiterte. Vor allem, dass er teilweise als Rechtsverteidiger aushelfen musste, brach ihm das Genick. Nach vorne bewegte er nichts. Machte nach diesem Spiel kein weiteres.

Simon Rolfes: Zwei Spiele, gegen Portugal Licht, gegen Spanien Schatten. Zeigte im Viertelfinale Überblick und das Gefühl für den richtigen Pass zum richtigen Zeitpunkt. Aber: Spielte sich näher an die erste Elf.

Bastian Schweinsteiger: Einer der wenigen deutschen Lichtblicke dieser EM! Zeigte seine Qualitäten auf den Flügeln im Mittelfeld, hatte Zug nach vorne. Schoss zwei Tore, bereitete zwei vor. Einziges Manko: Arbeitete nach hinten nicht immer gut mit – aber angesichts seiner langen Laufwege in der Offensive verständlich. Wenn er beim FC Bayern nicht zum Stammspieler wird, sollte er sich in der Winterpause einen neuen Verein suchen.

Piotr Trochowski: Spielte nicht.

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Mario Gomez: In der Bundesliga-Saison ein kompletter Stürmer: kann kontern, kann Kopfbälle spielen, kann «knipsen», kann schießen. Bei der EM war davon nichts zu sehen. Gomez wirkte blockiert, verkrampft und wurde zum Chancentod. Nach seiner vergebenen Großchance gegen Österreich mental endgültig am Boden. Der Stuttgarter machte sich selbst zu viel Druck, wirkte nie entspannt. Schade.

Miroslav Klose: Traf gegen Portugal und die Türkei, hatte es aber oft schwer. Am Anfang des Turniers war Gomez an seiner Seite schwach, später musste er es allein mit der gesamten gegnerischen Abwehr aufnehmen. Spielte immer leicht unter den Erwartungen, man erhofft sich von ihm mehr Torschüsse, nicht nur Kopfbälle nach Standardsituationen.

Kevin Kuranyi: Drei Spiele als Einwechselspieler, meist nur Kurzeinsätze. Zuerst bekam Gomez (angesichts der Bundesliga-Form zu Recht) den Vorzug, später war Klose die einzige Spitze.

Oliver Neuville: Spielte etwa zehn Minuten gegen Österreich, hatte aber eine gute Konterchance, die er leider vergab. In seinem letzten Turnier war er nicht der Einwechsel-Joker, da die Eingewechselten oft nur das Ergebnis sichern sollten.

Lukas Podolski: Spielte stark! Wenn er bei Bayern keinen Stammplatz erhält, sollte er auf der Stelle wechseln. Als Außenspieler im Mittelfeld und als zweiter Stürmer sehr gut! Drei Tore und zwei Vorlagen – Podolski kann mit seiner eigenen Leistung zufrieden sein. In der Defensivarbeit blieb er blass, für einen gelernten Stürmer ist das aber kein Wunder. Dennoch: Podolski bemühte sich, auch in der Abwehr mitzuarbeiten. Der beste deutsche Spieler der EM, knapp vor Schweinsteiger.

Warum es für Deutschland nicht reichte

Erstens: Das Defensivverhalten. Über die deutsche Abwehrschwäche war im Vorfeld viel spekuliert worden, Christoph Metzelder stand im Zentrum der Kritik, steigerte sich aber von Spiel zu Spiel. Dies nützte jedoch insgesamt nichts, da Per Mertesacker mit jeder Partie abbaute und die Sicherheit, die man bei ihm eigentlich vermutet hatte, vermissen ließ. Mangelhaftes Stellungsspiel und fehlende Sprintschnelligkeit war bei der deutschen Innenverteidigung in diesem Turnier die gängige Praxis.

Zweitens: Die Fehlpassquote. Je länger das Turnier dauerte, desto offener trat auch diese Schwäche ans Tageslicht. Vor allem aus dem defensiven Mittelfeld kamen oft keine guten Bälle nach vorne, Torsten Frings hatte eine ungeheure Streuung in seinen Zuspielen und schlug Flanken gerne hinter die eigenen Stürmer. Im Spiel gegen die Türken konnte man darauf warten, dass die Deutschen einen Ball im Mittelfeld leichtfertig verspielen würden.

Drittens: Die physische Nicht-Präsenz. Bei der WM 2006 eine der großen Stärken, zwei Jahre später nur noch bruchstückhaft wahrzunehmen. Im späteren Turnierverlauf war es nicht zu erwarten, dass Deutschland einen Gegner einfach in Grund und Boden rennen würde. Kopfballduelle gingen verloren, die Spieler suchten Zweikämpfe nicht oder gingen nicht mit letzter Entschlossenheit zum Ball.